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Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an Mittelschulen : das Mittelalter / von W. Beuter
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Mit der Ansiedlung der Langobarden war die Völkerwande-rung zu Ende (375 bis 573).

Es waren diese 200 Jahre eine sehr rohe Zeit. Eigentumund Leben waren nie sicher. Altersgraue Leute wurden verachtet;man hielt sie für feige, weil sie in der Schlacht nicht umgekommenwaren. Als größte Ehre galt es, den Schädel des erschlagenenFeindes zu besitzen. Der Langobardenkönig Alboin hat aus demSchädel des Gepidenkönigs einen Trinkbecher machen lassen. Erhatte die Tochter des Königs, Rosamunde, zur Frau genommenund sie gezwungen, aus dem Schädel ihres Vaters zu trinken, des-halb hat sie den Alboin töten lassen.

Rom war fünfmal erobert und ausgeplündert worden. Aufdem Boden von Italien allein sind über 15 Millionen Menschenumgekommen. Die Erinnerung an diese Kämpfe hat sich erhaltenin den Sagen von Dietrich von Bern und von den Nibelungen,Sagen, welche den Mut und die Tapferkeit des einzelnen verherrlichen.

Die Völkerwanderung ist zum Stillstand gekommen: 1. weildie Germanen von den Römern den Ackerbau lernten; 2. weil sievon den Römern das Christentum annahmen, welches ihre Denk-weise nach und nach umänderte.

Aus der Vermischung des germanischen Volkes mit den Römernentstanden die romanischen Sprachen, spanisch, portugiesisch, französischund italienisch.

Währenddem das weströmische Reich in der Völkerwanderungunterging, hat sich das oströmische Reich unter Justinian um Afrikaund Italien vergrößert. Von Justinian haben wir das noch heutegeltende Gesetzbuch, voraus stuüs, welches die Fürsprecher (Juristen)heute noch studieren müssen. Justinian verschönerte auch dieSophien-kirche in Konstantinopel, so daß sie die schönste der damals bekanntenWelt war. Griechische Mönche brachten ihm in ausgehöhltenSpazierstöcken die Seidenraupen aus China, deren Verschleppungin China mit dem Tode bestraft wurde. Durch Justinian ist dieSeidenraupenzucht in Europa eingeführt worden.