Eigentum der Bürger gesichert, aber das verzweifelte Volk zwang sie,dem Kaiser die Stadt auf Gnade oder Ungnade zu übergeben.
4. So gingen denn die Konsuln wiederum mit den nacktenSchwertern am Halse hinaus zum Kaiser und übergaben ihm dieStadt ohne alle Bedingung. Sie mußten schwören, daß Mailandalles tun werde, was der Kaiser gebiete. Am nächsten Sonntagkamen mit den Konsuln 300 Ritter und brachten dem Kaiser die36 Banner der Ritterschaft und die Schlüssel der Stadt; sie mußtendenselben Eid schwören, und die meisten von ihnen wurden alsGeiseln zurückbehalten. Zwei Tage darauf zogen die Bürger vonMailand heran, in 100 Scharen geteilt, barfuß, mit Stricken umden Hals, Asche auf dem Haupte. Mit Kreuzen in den Händenflehten sie um Gnade. Der Kaiser, der gerade beim Mahle saß, ließsie lange im ärgsten Regen stehen, dann setzte er sich auf seinenThron und ließ die Scharen an sich vorbeiziehen. Lautlaus gingder Zug vorüber, und jede Schar legte ihre Fahne zu Füßen desKaisers nieder, zusammen 96, darunter auch die Fahnen der Mai-land untertänigen Orte. Auch die vier letzten von ihren 2000 Burgen,die der Kaiser noch nicht erobert hatte, mußten sie ihm jetzt über-geben. Jetzt kam das Hauptfeldzeichen der Stadt, der Fahnenwagen,Carroccio (sprich Carrotschio) genannt. Das war ein mächtiger, ausBalken gezimmerter, mit eisernen Klammern verbundener Wagen, aufdem ganze Scharen stehen und kämpfen konnten. In seiner Mitteerhob sich ein gewaltiger Mastbaum, der oben ein goldenes Kreuzund gleich darunter die Fahne mit dem Bilde des heiligen Ambrosiustrug. Der Mast senkte sich vor dem Kaiser, und Friedrich löste dieFahne ab. Da fielen alle Mailänder vor dem Kaiser nieder, er-hoben die Kreuze und baten weinend um Gnade. Die Männer umden Kaiser waren zu Tränen gerührt, aber Barbarossa blieb kaltund unbewegt, keine Miene änderte sich in seinem strengen Antlitz.Mit fester Stimme sprach er: „Nach dem Gesetz habt ihr euer Lebenverloren; ich will es euch schenken, und löse auch die Reichsacht, aberich will dafür sorgen, daß ihr künftig nie wieder solche Verbrechenbegehen könnt." Mit dieser Drohung entließ der Kaiser die jammern-den Mailänder.
5. Auf dem Reichstag zu Pavia wurde über das Schicksal Mai-lands beraten. Die Gesandten der lombardischen Städte verlangten:„Mailand soll den Becher der Trübsal, den es andern Städten ge-reicht hat, jetzt selber leeren. Es werde zerstört, wie es die Nachbar-städte zerstörte!" Und so wurde der Beschluß gefaßt: „Mailand sollwüste und leer sein. Alle Einwohner verlassen binnen acht Tagendie Stadt und bauen sich an vier Flecken an, deren jeder vom an-dern zwei Meilen entfernt ist!" Furchtbar war der Jammer derMailänder bei dieser Botschaft, herzzerreißend das Schauspiel, alsder unübersehbare Zug von Männern, Weibern und Kindern, be-laden mit der Habe, die sie noch schleppen konnten, die Vaterstadtverließ. Gleich darauf zog Friedrich Barbarossa an der Spitze seinesHeeres in die Stadt ein, und zwar durch eine breite Lücke derMauer, die die Mailänder hatten machen müssen. Sodann übergaber die Stadt den Lombarden zur Plünderung und Zerstörung. Beider Plünderung wurden sogar die Kirchen nicht verschont. Nur dieReliquien ließ der Kaiser ausliefern und schenkte sie seinen Bischöfen;so kamen z. B. damals die Gebeine der heiligen drei Könige nachKöln. Nun arbeiteten die Lombarden mit Feuer, Hebebaum undBrecheisen, und zwar mit einer solchen Wut, daß nach einer Wochenur etwa der fünzigste Teil der Stadt noch stand. Dann wurden