Vorrede.
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fortwährende Übung mittels Fragen und überhören von feiten des Lehrerseine solche Sicherheit und Fertigkeit erlange, daß er es. wie das Einmal Einsoder wie in früheren Jahren der Volksschüler den Katechismus, zu jeder Zeitund an jedem Orte zur Hand habe. Dieses Gerippe sollte dann durch Privat-lektüre aus den Quellenschriftstellern Gestalt und Leben erhalten, zu welchemZwecke eine historische Jugendbibliothek in passender Auswahl in deutscherSprache bearbeitet werden sollte. Daß dieser letztere Vorschlag, die unerläß-liche Vorbedingung des ganzen Planes, nicht zur Ausführung kam, nur hierund da in einigen Verlornen Versuchen in Angriff genommen ward, kann alsBeweis von der Fehlerhaftigkeit und Unausführbarkeit der Methode gelten.Der Gedanke ist nicht aus dem Schulleben erwachsen. Denn welche Stellungnähme der Geschichtslehrer in der Klasse ein. der nur zum Einpauken und Über-hören trockener Thatsachen, Namen und Zahlen verurteilt wäre und alles,was dem Unterricht Leben und Odem giebt, dem toten Buchstaben überlassenmüßte, abgesehen von der Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, in dem kurzen, demGeschichtsunterricht zugemessenen Zeitraume die Lektüre zu leiten und zu über-wachen, zu verhüten, daß durch Trägheit und Pflichtvergessenheit von feitender Schüler die ganze Unterlage wanke oder in Brüche auseinandergehc! — —.
/;Jch kann mich leider auf die Beleuchtung oder Widerlegung der verschie-denen Ansichten und Methoden hier nicht einlassen. Ich wollte nur durch dieAndeutung der entgegengesetzten Richtungen den Ausspruch begründen, daßUlan für die Behandlungsweise des Geschichtsunterrichts noch' keinen festenBoden gewonnen habe.//Sind aber schon die formalen Schwierigkeiten sogroß, wie unsicher und peinlich wird erst die Lage des Geschichtslehrers in Be-zug auf den Inhalt, auf die Auffassung und Färbung der Geschichtserzählung.auf die Grundsätze im Ürteil!/Ach brauche Sie nicht einzuführen in das dunkleund verwirrende Labyrinth obrigkeitlicher und kirchenregimentlicher Vorschrif-ten, welche so oft von der Schule den frischen Luftzug ferne zu halten suchenund namentlich den Geschichtsunterricht mit besonderer Fürsorge in die rechteBahn zu lenken beflissen find!,jJch brauche Sie aber auch andererseits nichtaufmerksam zu machen, wie die Geschichte so oft die verwitterten und schad-haften Bausteine für die Heerstraße der zerstörenden Gewalten, für die Tempelder verneinenden Mächte liefern muß! Zwischen diesen verschlingenden Un-getümen als treuer Pilote durchzusegeln, ohne den Blick von den lichten Ge-stirnen zu wenden und ohne den Glauben an den Sieg der Wahrheit aus derBrust zu verlieren, ist der schwere Beruf des Geschichtslehrers.
Zum Glück bietet sich ihm die Geschickte selbst als der sicherste Leitsterndar. Wie auch der Geist finsterer Zeiten und Menschen sich abgemüht hat, derWeltgeschichte sein dunkles, unheimliches Siegel aufzudrücken, sie erhebt nochimmer stolz ihre Strahlenkrone über den Dunstkreis niederer Erdgewalten;sie bildet noch immer das Weltgericht, vor dessen Urteil die Ungerechten, dieFrevler an den ewigen Gütern der Menschheit, im stillen erbeben; sie ist nochimmer der hohe Tempel, dessen goldene Kuppel und harmonischer Bau in er-habener Würde und Majestät ruhig fortbestehen, unbekümmert um die Stürme,die den Eingang umbrausen, und um das eitle Bemühen, falsche Götter in dasHeiligtum einzuführen. Und daß sie diesen Charakter der Ünbeflecktheit treubewahre, ist die hohe Aufgabe der Geschichtslehrer, die sich als treue Hüter mitblanker Waffe vor sie stellen und ihre Ehre schützen und verteidigen.
. Dieser ritterliche Beruf bezieht sich nicht nur auf den Inhalt der Ge-schichte, er bezicht sich auch auf Form und Methode. Der Geschichtslehrer hatnicht nur die heilige Pflicht, jedes aufrichtige Streben mit gerechtem Sinne zuwürdigen und zu beurteilen, jedes unlautere und frevelhafte Beginnen mit