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Geschichte der alten Welt.
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Wurf der Menschheit angesehen und mit der tiefsten Verachtung behandeltwurden. Sie dursten nie in Städten, Necken oder Dörfern, noch auch nur inderen Nähe wohnen; was sie berührten, galt für unrein; und für verunreinigthielt sich jeder, der sie nur erblickte. Vermischung der Kasten mittels Heiratwar streng untersagt; die sich solches zuschulden kommen ließen, wurdenausgestoßen und als Unreine der Verachtung preisgegeben. Die strenge Kasten-einteilung, die von den Priestern als göttliche Weltordnung hingestellt ward,hemmte die Fortentwickelung der Bildung und bewirkte, daß ein gewisser Gradder Kultur nicht überschritten ward, sondern Stillstand und Ruhe eintrat.
ß.8. Religion. Litteratur. Kunst. Die Inder glaubten an ein gött-liches Urwesen, aus welchem die ganze sichtbare und unsiihtbare Welt hervor-gegangen ser und in das sie nach großen Zwischenräumen wieder zurückkehrenwerde. Mittelpunkt ihrer Religion war die Lehre von der Seelenwan-derung und Wiedergeburt. Nach dieser Lehre ist die menschliche Seelezur Strafe dem irdischen Körperzugesellt und ihr Streben und Ziel Wieder-vereinigung mit der göttlichen Weltseele. Darum betrachtet der Inder dasLeben auf Erden als eine Straf- und Prüfungszeit, die man nur durch heiligenWandel, durch Gebet und Opfer, durch Büßungen und Reinigungen verkürzenkönne. Verabsäumt der Mensch diese heiligen Pflichten und sinkt durch Ent-fernung von der Gottheit immer tiefer ins Böse, so geht seine Seele naöhdem Tode wieder in einen andern, oft niedrigeren (Tier-) Körper und muß dieWanderung von neuem beginnen, indes die Seele des Weisen. Helden oderBüßers ihren Gang nach oben durch leuchtende Gestirne antritt und endlichmit dem geistigen Urwesen, von dem sie ausgegangen, wieder vereinigt wird.Diese Lehre wurde von den Brahmanen dahin gedeutet, daß der Mensch nurdurch ununterbrochene Betrachtung des Göttlichen und durch Absonderungvom Irdischen den Zweck des Daseins erreiche. Sie stellten daher ein ruhigesBeschauen und stilles Nachsinnen höher als ein thätiges Leben, entzogen sichdem Verkehr mit den untern Volksklassen und glaubten durch Lesen und For-schen in den heiligen Schriften der Äeda, durch Büßungen und Selbstpei-nigungen, durch Almosenspenden und äußere Werkheiligkeit, durch genaue Be-obachtung zahlloser Gebote und Reinigungsvorschriften der Gottheit näher zukommen. Da in Folge der Seelenwanderungslehre in den Tieren Menschen-seelen wohnen können, so darf der strenge Brahmane kein Tier töten oder ver-letzen und keine Fleischspeisen genießen , außer von Opfern. In den ältestenZeiten, als die Inder noch am Indus, im Lande der „fünf Ströme" wohnten,verehrten sie die Mächte, die das Naturleben gestalten, den Jndra, den Herrndes Himmels, der über Sonnenschein und Regen gebietet, mit der Morgenröteund den wehenden Winden, Varuna, den Gott des Himmelsraumes, undviele andere Götter. Neben diesen Naturwesen wurde jedoch schon frühe einegeheimnisvolle Gotteskraft unter dem Namen Brahma verehrt, welche überdie Naturgötter Gewalt habe. Dieser Brahmabegriff nahm dann in der Folge,als sich die Inder in dem üppigen Gangeslande einem ruhigen und beschau-lichen Leben Hingaben, durch die Thätigkeit der Brahmanen als Weltseeleund Urquell alles Seins in der indischen Religion die erste Stelle ein, indesJndra und die übrigen Naturgötter in den untergeordneten Rang von Welt-hütern eintraten. Neben der Religion des Brahma erlangte die Lehre desKönigssohnes Buddha, des „Erweckten", der um die Mitte des sechsten Jahr-hunderts v. Chr. die Gleichheit aller Menschen ohne Kastenzwang und die ewigeRuhe im Tode ohne Wiedergeburt verkündete und Liebe und Barmherzigkeit gegenalle Wesen als erste Tugend pries, die größte Verbreitung. Zahllose Gedächt-nishallen (Stupa) mit klösterlichen Versammlungshäusern für die der Welt