Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
11
JPEG-Download
 

1 !

8- 9. Morgenländische Völker.

entsagenden Buddhagläubigen, erhoben sich aller Orten über den Reliquien desReligionsstifters und gaben Zeugnis von dem großen Eindruck, den dre Lehre vonder Minderung der Leiden des Erdenlebens durch Handlungen der Tugend undMenschenliebe und von der Erlösung der Seele durch ein Aufgehen und VerwehenimNirvLna" aus alle Mühseligen und Beladenen hervorbrachte. Dre In-der besaßen schöpferische Einbildungskraft und hohe Geistesgaben. Dies gehtbesonders aus ihrer reichen Litteratur hervor. Manche ihrer Schriftwerke,die sämtlich in der heiligen Sanscritsprache verfaßt sind und aufs innigstemit der Religion und Götterlehre zusammenhängen, sind schon dreitausendJahre alt. Das wichtigste Werk sind die vier Bücher derVeda, dre alsQuelle der brahmanischen Religion in höchster Verehrung stehen. Sieenthalten teils religiöse Lieder und Gebete, teils Opfervorschristen, teils Lehrenund Sprüche und werden von den Brahmanen studiert und ausgelegt. Nächstden Veden steht dasGesetzbuch des Manu, eine Sammlung uralter Satzun-gen, Rechtsgewohnheiten und Überlieferungen, im höchsten Ansehen. Außer-dem besitzen die Inder eine große Menge dichterischer Werke aller Art , aus-gezeichnet durch bilderreiche Sprache wie durch tiefe Empfindung und religiösesGefühl. Von den Engländern, die das Land erobert haben, wurden viele dieserWerke nach Europa gebracht und dann durch Gelehrte ins Deutsche und inandere europäische Sprachen übersetzt. Am berühmtesten find zwei großeHeldengedichte, deren älteste Bestandteile in das zehnte Jahrhundert v.Chr. gesetzt werden, Mahabharata, worin die Kämpfe zweier Heldenstämme,der Kuru und Pandu, besungen werden, und Ramajana, das den Siegeszugdes göttlichen Helden Rama nach Süd-Indien und Ceylon feiert, und ein lieb-liches Drama aus späterer Zeit, bekannt unter dem Namen Sakontala.Wie die Litteratur ist auch die indische Kunst enge mit der Religion verbunden.Besonders merkwürdig sind die in Felsen eingehaltenen Tempelbauten undGrottenwerke, wovon sich die berühmtesten bei Ellora, in der MitteVorderindiens, auf Salsette und der Insel Elephante, bei der heutigenStadt Bombay befinden. Hier sind Grotten, Tempel, Wohnungen , Gängemit Bildwerken und Inschriften über- und nebeneinander stundenweit in Felseneingehauen. Diese Grottenwerke enthalten eine endlose Fülle künstlicher undschwieriger Arbeit, die nur in unübersehbarer Zeit von vielen tausend Händenmit der größten Ausdauer und Geduld vollendet werden konnte. DerReichtum an Erzeugnissen der Natur und Kunst, Perlen, Edelsteinen, Elfen-bein , Gewürz, Räucherwerk, Webereien u. a. m. machte Indien schon in alterZeit zum Ziel- und Mittelpunkt des Karawanen- und Seehandels, lockte aberauch fremde Eroberer an. Zerrissen und gespalten durch das Kastenwesen wiedurch die Staatseinrichtungen und erschlafft und abgestumpft durch denMangel an Freiheit, wurde daher das indische Volk häufig die Beute krie-gerischer Angreifer.

4. Ba-hlonier und Assyrer.

... 8- 9. In den fruchtbaren Gegenden, die der Euphrat und Tigris be-wässern, und in dem grasreichen Stusenland Mesopotamien (Mittelstrom-land) wohnten in der Urzeit Völker von unbekannter Herkunft, die man jetztgewöhnlich mit den Namen Sumerier oder Akkader bezeichnet. Sie warendie Väter der Sternkunde und die Erfinder der Keilschrift. Diese Ur-bevölkerung wurde unterjocht von dem semitischen Volke der Chaldäer, dasvon dem östlichen Hochlande Elam in das untere Stromgebiet des Euphrat(Sinear) vordrang, in das Kulturleben der Sumerier eintrat und Jahr-hunderte lang in dem Lande, das in der Folge von ihnen den Namm Chaldäa