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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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12
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!2 Geschichte der alten Welt. 8. 9.

erhielt, seßhaft war. Unter der Dynastie der Kassi wurde die alte TempelstadtBabylon zum Herrschersitz erhoben. Von Nimrod, der in der Bibeleingewaltiger Jäger vor dem Herrn" genannt und als Gründer und Herrschervon Babylon bezeichnet wird, ist in den Inschriften nicht die Rede, Wohl aberist der Name Sargon I. von sagenhaftem Glänze umgeben. Er wird nichtnur als Eroberer gefeiert, der Wert nach Osten und Westen vorgedrungen sei;er soll auch seine semitischen Kriegsscharen mit der Kultur der Sumerier be-kannt gemacht haben. Unter den kleinen semitischen Reichen, die neben Babylonin dem Stromlande des Euphrat und Tigris bestanden, erlangte mit der Zeitdas weiter gen Norden gelegene Assyrien ein entscheidendes Übergewicht.Es war nach aller Wahrscheinlichkeit eme Kolonie von Altbabylonien, wofürauch die Übereinstimmung in Schrift und Religion spricht. Der angeblicheGründer Assur ist nur eine mythische, aus dem Namen des Landes gebildete Gestalt.Mit der Zeit wurden die Assyrer das herrschende Volk, namentlich seitdem sie diegünstig gelegene Hauptstadt Ninivezum Mittelpunkt ihres Reiches erhoben. DieNamen Ninus und Semirämis, welche in der morgenländischenSagengeschichtean die Spitze des ninivitischen Reiches gestellt werden, sind nur' allegorisch-mythologische Begriffswesen. Semirämis, die nach Ermordung ihres GattenNinus die Regierung geführt haben soll, wird in der Mythe und Traditionals erobernde, heldenmütige Frau von großer Schönheit und wollüstigenSitten geschildert, welche siegreich bis nach Indien vorgedrungen sei, Babylonmit Anlagen geschmückt und ihr Land mit Kunststraßen, Brücken, Kanälenund Bauwerken aller Art versehen habe. Ihr Name war zu allen Zeiten imMorgenlande so gefeiert, daß man ihr alle großartigen Schöpfungen vonMenschenhand, alle Wunderwerke von Kühnheck und Kraft zuschrieb. Unterihren unfähigen und weichlichen Nachfolgern geriet das altasshrische Reichallmählich in Verfall, bis im 9. Jahrhundert nach großen inneren Kämpfen derThron von Ninive an ein neues Fürstenhaus kam. Unter diesem Herrscher-geschlecht gelangte Assyrien zu frischer Kraft. Kriegerische Könige kehrten ihreWaffen nach Süden und nach Westen, unterwarfen Babylonien und erobertendas syrische Land am Libanon und Mittelmeer. Zugleich schmückten sie dieWände ihrer Paläste mit den Darstellungen und Beschreibungen ihrer Thaten,deren Entzifferung durch sprachkundige Forscher unserer Zeit neues Licht m die. assyrische Geschichte gebracht hat. Von Iran und Armenien bis nach Syrien undN Äs Palästina beugte sich ganz Vorderasien unter ihr Scepter. Tiglat-PUesar II.-7L?. (der Phul der hebräischen Königsbücher) bezwäng die Fürsten von Damaskus,Hamath, Samarien mit der Schärfe fernes Schwertes und machte sie zinspflichtig.Noch gewaltiger wurden die Eroberungszüge als nach der kurzen Regierung«IsA"iv. Salmanassars IV. der erfahrene Feldherr Sargon II. die Herrschaft in72-7 Ninive gewann. Er unterwarf das Reich Samarien und führte die JsraelitenS^gonii.in die assyrische Gefangenschaft (H. 24); er bedrängte die Handelsstadt Tyrus7 «s. "iit harter Belagerung, besiegte die Philistäer von Gaza und Asdod und be-drohte das untere Nilland; er schwang sein scharfes Schwert über die Mederund die aufrührerischen Babhlonier. Als Sargon durch Mörderhand fiel, be-^ 7 «s-^ stieg Sanherib den Thron, dem Vater gleich an Thatkraft und Kriegslust aber68». nicht an Glück. Sein Feldzug gegen Juda und Ägypten nahm einen un-günstigen Verlauf (ß. 24) und die Aufstände in Babylonien und Medienwurden nur Mit Mühe unterdrückt. Um so größeren Ruhm erwarb er sichdurch die Bauwerke, womit er Ninive schmückte. Und wie seine Regierung,so war auch sein Ende unglücklich.Als er anbetete im Hause Nisrochs seinesGottes," heißt es im Buch der Könige,schlugen ihn Adramelech und NergalSarezer, die aus seinen Lenden hervorgegangen, mit dem Schwerte." Sein