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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8. ii.

Geschichte der alten Welt.

neben seinem neum Schloß aufführen ließ, um seine im waldigen BerglandeMedien erzogene Gemahlin durch ein Bild ihrer Heimat zu erfreuen, warenvielbewunderte Werke. Zum Bauen bedienten sich die Babylonier Hebrann-ter Ziegelsteine. Am ausgezeichnetsten waren rhre Wass erbauten, die Brücken,Kanäle, Deiche, Dämme u. a., jene zahlreichenWasserbäche Babels", welche!die Muten des Euphrat über das trockene Land leiteten. Der Sonnm- undSternendienst führte die babylonischen Priester (vorzugsweise Chaldäergenannt) auf astronomische Beobachtungen; sie berechneten den Lauf derSonne und teilten das Jahr ein; sie bestimmten die Bahnen der Wandel-sterne und weihten ihnen die sieben Tage der Woche; da sie aber damit astro-logische Auslegungen verbanden, so gerieten sie auf Irrwege und trieben sichin späteren Jahrhunderten als Magier und Wahrsager, als Traumdeuter undZauberer in der Welt j'umher. Auch die erste Einteilung von Maß undGewicht- sowie die Anfänge der Geometrie und Arznerkunde werden denChaldäern zugeschrieben. Die Fruchtbarkeit des Bodens und der ausgedehnteHandel erzeugten Reichtum und als Folge davon Pracht und Üppigkeit. Daherwaren die Babylonier nicht minder wegen ihrer Erzeugnisse des Luxus, ihrerfeinen Webereien, ihrer kostbaren Teppiche und dergl., als wegen ihrer ünsitt-lichkeit, Wollust und Schwelgerei berüchtigt. Sre salbten ihren Leib mitMyrrhen, trugen' Weiße Mäntel und lange, mit einer herabhängendenBinde umwundene Haare, und' bei ihrem Religionsdienste herrschten unzüchtigeGebräuche. Drei große Trümmerberge, die aus der umgebenden Wüsteemporragen und ungeordnete Ruinenmassen und Steinhaufen, zerbrocheneUrnen, Gefäße und'Statuen mit Inschriften bezeichnen jetzt Me Stätte j woeinst das weltberühmte Babel, diestolze Zierde der Chaldäer") gestanden.Aber das herrliche Gartenland'äst zu einem öden Raubfelde! geworden, wo!derFußtritt des Wanderers!wilde Tiere aufscheucht; der trefflich angebaute Boden/dessen Fruchtbarkeit einst die Bewunderung des ganzen Altertums erregte- istnun eine dürre Wüste; die Kanäle sind eingetrocknet, die Dämmej eingestürzt,die Bewässerungsanstalten! durchbrochen. Auch der stolze Prachtbau Nebucad-nezars mit den schwebenden Lustgärten, in deren kühlenden Lüften noch AlexanderLabung gesucht gegen die Glut des Fiebers und der Sonne, ist nun ein großerTrümmerhügel, von den Einwohnern el Kasr, d. i. der Schloßberg, genannt.

5. Ägypter.

ß. 11. Die Griechen nannten mit Recht Ägypten einGeschenk des Nil";denn durch die jährliche regelmäßige Nilüberschwemmung, welche von denPeriodischen Regengüssen auf dem äquatorialen Hochplateau herftrhrt und durchallerlei Bewässerungsanstalten, Kanäle, Dämme, Cisternen geleitet und geregeltwird, erhält das Land seine hohe Fruchtbarkeit. Schon in alten Zeiten schied mandas ägyptische Thalland in Ober- und Unterägypten. Oberägyptennannte man das Südland, wo die großartigen und merkwürdigen Ruinen vonTheben noch jetzt die Bewunderung der Reisenden erregen. Die weite Trüm-merwelt von Statuen und Säulen auf beiden Ufern des Muffes, die kolossalenSphinxe (Löwen mit Menschenköpfen), die wunderbaren, in kahle Felsenwändegehauenen Grottentempel, Königsgräber, unterirdischen Toten-kammern und die riesengroße Memnonssäule, die früher bei Sonnenauf-gang harmonische Töne von sich gegeben haben soll, sind lautsprechende Zeugenvon der einstigen Pracht und Herrlrchkeit der Pharaonenstadt Theben. Strom-abwärts gelangte man durch städtereiche Landschaften nach der alten HauptstadtMemphis, deren Umgebung gleichfalls durch großartige Überreste einer ge-schichtlichen Vorzeit merkwürdig sind. Dahin gehören die Trümmer des Laby-