22
Geschichte der alten Welt.
Z. 22,
»«so.
und Sieg führe. Vergebens suchte sie der priesterliche Richter von diesem Ver-langen abzubringen, indem er in den grellsten Farben die Leiden und Be-drückungen schilderte, welche unter der Herrschaft eines Königs ihrer warteten.Die Jsraeliten beharrten auf ihrem Sinn und Samuel salbte den vom Volks-ml gewählten Heerführer Saul zum König. Saul war ein stattlicher Mann,tapfer, kriegskundig und siegreich im Felde; er zerbrach das Joch der Philisterim Westen und der Ammoniter im Osten und füllte das Land mit reicherSiegesbeute. Da er aber sein Vertrauen auf sein Heer setzte und sich nichtstrenge an die Gebote Jehovahs hielt, die ihm der Mund des Propheten ver-kündete, so ward er verworfen und Samuel salbte heimlich den ehemaligenHirtenknaben David aus dem Stamme Juda, der sich unter den königlichenHauptleuten durch Tapferkeit wie durch Hingebung an die Priesterschaft aus-gezeichnet. Nunmehr kam der Geist finsterer Schwermut über Saul, den nurDavids Harsenspiel zu besänftigen vermochte. Aber teils Neid über DavidsKriegsruhm m den Kämpfen gegen die Philister, teils eine geheime Ahnungvon dessen Bestimmung und ehrgeizigen Plänen trieben den König zum Haßund zur Verfolgung des Hirtenjünglings, dem dafür Sauls Sohn Jonathanmit treuer Liebe ergeben war. Unter Gefahren und Bedrängnissen entgingjedoch David den Nachstellungen des Königs, und als endlich Saul nach ernerverlorenen Schlacht am Gebirge Gilboa sich verzweiflungsvoll in sein Schwertstürzte, wurde David, welcher sieben Jahre unter der Zinspflicht der Philisterm Hebron gelebt, allmählich von allen Stämmen als König anerkannt. David,welcher bei der Nachricht von Sauls und Jonathans Tod den schönen Trauer-gesang dichtete aus die gefallenen Helden, „die schneller waren denn Adler, undstärker denn Löwen" und den Töchtern Israels zurief: „Weinet über Saul,der euch kleidete mit Purpur lieblich, der goldenen Schmuck gab auf euer Ge-wand!" er vergaß aus Rücksichten der Stäatsklugheit der alten Liebe, die ihmeinst in Sauls Haus erwiesen worden. Sauls ganzes Geschlecht wurde aus-gerottet.
8. 22. Davids Regierung ist der Glanzpunkt der jüdischen Geschichte.Durch glückliche Kriege erweiterte er das Reich nach Süden und Osten;' ermachte die syrische Stadt Damaskus, „das Auge des Morgenlandes", zumSchemel seiner Füße und brach auf immer die Macht der Philister; er er-oberte die Hauptstadt der Zebusiter Jerusalem nnt der festen Burg Zionund erkor sie zur Residenz und zum Mittelpunkt des feierlichen Gottesdienstes,Weshalb er auch die Bundeslade dahin bringen ließ. David war auch eingroßer Dichter, wie seine trefflichen religiösen Lieder (Psalmen) beweisen,und trotz mancher schweren Versündigung, trotz der Frevelthat gegen Uria, dentapfern Kriegsmann, dem er sein schönes Werb geraubt und ihn selbst in denTod gesendet, blieb er doch „der Mann nach dem Herzen Gottes", da er seineVergehen durch große Tugenden und Verdienste wieder gut zu machen, dieSchuld durch Reue und Bußfertigkeit zu tilgen bemüht war. Das Ende seinerRegierung wurde durch den Aufruhr seines geliebten, von bösen Ratgebern ver-leiteten Sohnes Absalom getrübt. Im Vertrauen auf die Volksgunst, dieder Vater durch Druck und Härte verloren und der Sohn durch freundlichesEntgegenkommen gewonnen hatte, versuchte der schönhaarige Jüngling dieKrone an sich zu reißen. David verließ die Hauptstadt und flüchtete sich überden Jordan, verfolgt von den Verwünschungen seiner Feinde. Aber das GlückWendete sich dem klugen König bald wieder zu. Absalom fand den Tod auf derFlucht, als er mit fernen langen Haaren an den Ästen einer Terebinthe hängenblieb. — Salomv der Weise vollendete das Werk des Vaters. Wie David rmKriege groß war, so glänzte der Sohn in den Künsten des Friedens. Er
David
ISR».