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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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Morgenländische Völker.

schmückte die Hauptstadt mit prächtigen Gebäuden und ließ durch tyrischeKünstler und Bauleute auf dem Berge Maria den herrlichen Salomoni-schen Tempel aufführen, der wegen des Reichtums an Vergoldung undZierat Gegenstand allgemeiner Bewunderung war. Aber Salomo wich mdielen Dingen von Moses' Gesehen ab. Er beteiligte sich an den großenHandelsfahrten der Phönizier und häufte ungekannte Schätze an, die seineNeigung zu Pracht, Luxus und Wollust erhöhten; er hielt sich ausländischeFrauen, denen er ihren Götzendienst gestattete und Wohl selbst daran teilnahm.

So schützten ihn sein bewunderter Verstand, seine Fertigkeit, schwierige Fragenund Rätsel zu lösen, und seine vielgepriesene Weisheit, deren Andenken nochheutzutage in den Wunder- und Zaubermärchen des Morgenlandes fortlebt,nicht vor Thorheit. Seine Prachtliebe und Verschwendung verursachten großenSteuerdruck, daher noch zu Salomos Lebzeiten unter Jerobeams Führung eine 3°"Empörung entstand. Diese wurde zwar unterdrückt und der Urheber zur Wuchtgezwungen; als aber Salomos Sohn Rehabeam auf des Vaters Bahn fort-schritt und die Forderungen des Volkes um Erleichterung drohend zurückwies,da fielen zehn Stämme von ihm ab und wählten Jerobeam zum König. NurJuda und Benjamin blieben dem Hause Davids treu.

Z. 23. Durch die Teilung entständen zwei an Größe ungleiche Staaten:das aus zehn Stämmen gebildete Reich Israel oder Ephraim mit den Haupt-städten Sichern und Samaria und das aus zwei Stämmen bestehende ReichJuda mit Jerusalem. Da die letztere Stadt die Bundeslade bewahrteund daher von den Leviten und vielen srommen Jsraeliten als die wahreHauptstadt angesehen wurde, so richtete Jerobeam im Süden und Nordenseines Reichs Stierbilder aus und befahl, wie vor Alters aus grünen Berg-höhen zu opfern, eine Sünde, der sich alle seine Nachfolger schuldig machten.

Einer der mächtigsten darunter war Ah ab, dessen Weib Jezabel aus Tyrusden lastervollcn phönizischen Baaldienst einführte und gegen alle, die ihmnicht huldigten, grausam wütete. Sie trachtete dem Propheten Elia nach demLeben und nötigte ihn, in der Wüste und am Berge Karmel eine Zufluchtsstättezu suchen. Durch ihre an einen König von Juda vermählte Tochter Ataljawurde der fremde Religionsdienst auch in dieses Reich verpflanzt und vom Hosebegünstigt. Die Folge waren arge Greuel, Hader und Bürgerkriege zwischenden beiden Reichen, wodurch sie sich gegenseitig schwächten und dann mit frem-den Völkern Bündnisse schlössen. Sie vertrieben die Propheten, die mit küh-nem Freimut den Untergang des Staats weissagten, wenn Jehovahs Verehrungvom Götzendienst verdrängt werde. Aber unter der Verfolgung wuchs oerenMut und Kraft. In den Einöden und Wüsten, unter Entbehrungen undKasteiungen stärkte sich ihr Glaube und ihr inneres Schauen. Als Ahab iMtapfern Kampfe gegen den König von Damaskus die Todeswunde empfangen,gelangte Jehu, sein Feldhauptmann, mit Hilfe des Propheten Elisa und der ^oo.strengen Jehovahdiener, über die Leichen des Königsgeschlechtes auf den Thronvon Samarien, und auch in Juda kam nach Atahas Ermordung unter Joasder Jehovahdienst wieder zu Ehren. Aber die religiösen Parteikämpfe schwäch-tm die Kraft des Volkes. Unter Jerobeam II., zu dessen Zeit die Propheten Z°r°bEJoel, Hosea und Amos ihre Strafreden verkündeten, hatte das Reich derzehn Stämme seine letzten glücklichen Tage,da die Söhne Israels wiederwohnten in ihren Zelten wie ehedem". Auch in Jerusalem bewirkte bald nach-her die vaterländische Thätigkeit des großen Jesaja (o. 725) einen religiösenund nationalen Aufschwung, zu einer Zeit, als schon die fremden Krregsheeredas Land bedrohten. ^

Z. 24. Zuerst wurde das Reich der zehn Stämme den Assyrern zmspflich-