8- 24b. 25.
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Morgenländische Völker.
zogen, von Esra und Nehemia geführt, neue Scharen in die Heimat zurück,bauten die Stadt auf und stellten die mosaischen Gesetze Mieder her. Das Un-glück hatte sie belehrt, daß nur im festen Beharren bei dem Glauben chrerBäter Heil und Rettung sei; daher mieden sie von nun an sorgfältiger denGötzendienst und jede Berührung mit götzenverehrenden Heiden. Aber in demneuen priesterlichen „Gottesstaat" trat ein knechtischer Gesetzesdienst an dieStelle der religiösen Begeisterung früherer Zeiten.
8. 24d. Hebräische Litteratur. Wie die Geschichte, die Staatseinrichtungenund das ganze Leben der Jsraeliten aus den Jehovahdienst bezogen waren, soauch ihre Litteratur, die sich in historische, poetische und prophetische Schrif-ten scheidet. — Die historischen Bücher enthalten die Geschichte der Gründungdes theoirakischen Reichs mit seiner genau bestimmten Gesetzgebung. Ganz los-gerissen von der Geschichte der übrigen Völker tragen diese Bücher in ihrer streng-nationalen und religiösen Eigentümlichkeit einen epischen Charakter. — Die poe-tischen Schriften sind teils rein lyrisch, wie die beim Jehovahkultus angewandtenPsalmen, denen David ihr echtes Gepräge gegeben, obschon nur wenige in dervorhandenen Sammlung (Psalter) von ihm herrühren, teils didaktisch, wie diezur Verherrlichung der göttlichen Vorsehung und Gerechtigkeit bearbeitete Volks-sage vom stammen schwergeprüften Hiob oder die auS dem Schoße des Volkes her-vorgegangene Spruch- oder Gnomendichtung, wie sie sich in Salomos Buchder Sprüche findet. — Wie die Psalmen als „ein großes Spiegelbild" der reli-giösen Gcistesrichtung des jüdischen Volkes dastehen, so auch die Mahnungen, Straf-reden und Weissagungen der gottersüllten, von Religion und Vaterlandsliebe be-geisterten Propheten. Nach ihrer Ansicht beruht alles Heil aus der Erfüllungder göttlichen Gebote, alles Unheil auf ihrer Verachtung; darum sehen sie in allenDrangsalen und Widerwärtigkeiten die strafende, vergeltende Hand Gottes undin der Bekehrung und Buße das einzige Mittel der Abwendung. Diese Bekehrungund Buße soll aber nicht in äußerer Werkheiligkeit, in Opfern, Gebeten, Fasten,sondern in der sittlichen Besserung und einem rechtschaffenen Wandel bestehen.Ganz in die Betrachtung der göttlichen Dinge versenkt, ersassen die Propheten dieauf sie einströmenden Gedanken nicht als die ihrigen, sondern als Jehovahs Ge-danken, Ermahnungen, Drohungen, Befehle, als eine ihnen auferlegte „Last desHerrn". Die schwungreichsten und bedeutendsten sind die um die Zeit der assyrischenKriege lebenden, unter denen wieder Jesaja mächtig hervorragt. In Wissen-schaften und bildenden Künsten haben die Juden wenig geleistet; ihre NaturMar nnkünstlcrisch und der strenge Monotheismus hemmte dir Ausbildung der Pla-stik und Malerei.
8. Meder und Perser.
. 8- 25. Medien und Persien, zwei Länder, wo rauhe Gebirgsgegenden,wltunter von wilder Naturschönheit, mit herrlichen Weidetriften und frucht-barem Ackerlande abwechseln, waren einst von Volksstämmen bewohnt, die vondem weiter ostwärts seßhaften uralten Zend-Volke ihre Abstammung herlei-ten. Sie hatten eine merkwürdige RAiaion, als deren Stifter ein uralterWerfer, Zoroaster, genannt wird, welcher 'die ihm zu Teil gewordenen Offen-vanlngen in dem heiligen Buche Avesta niedergelegt hat. Nach dieser Lehreßrebt es ein doppeltes Urwesen, einen Lichtgott(Ormuzd) und einen bösenGcrst der Finsternis (A hriman). Beide haben Heerscharen ähnlicher Geisterunter sich und liegen in ewigem Kampfe mit einander, um die Herrschaft überme Welt und den Menschen zu erlangen, bis am Ende aller Dinge der Lichtgottven Sieg davon trägt, worauf das Böse verschwindet und die Menschen seligwerden. Dieser Glaube wurde von dem mächtigen Priesterstand der Magier