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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt.

Z. 26. 27.

in einen feierlichen Kultus gehüllt. Der Lichtgott wurde verehrt unter demBilde der Sonne und des Feuers; den Geist der Finsternis suchte man durchOpfer und Gebete, durch Waschungen und Reinigungen fern zu halten, seineMacht durch Bekämpfung und Vertilgung des Bösen in der Außenwelt, wiein der eigenen Brust zu schwächen.

§. 26. Lange standen die Med er unter der Botmäßigkeit fremder Völker,

> bis sie endlich sich ermannten und als tapfere Männer ihre Freiheit erkämpften.

Aber bald gelang es einigen kriegerischen Königen, die neuerworbene Freiheitdes Volks wieder zu unterdrücken und eine unbeschränkte Militärherrschaft zubegründen. Zugleich unterwarfen sie andere benachbarte Völker, darunter diestammverwandten Perser, welche seit Jahrhunderten in dem schönenRoß-lande" Farststan in altväterlicher, einfacher Weise ihre Herden weideten undihren Jagden und Fehden nachgingen. Doch war ihre Herrschaft von kurzerEstW» Dauer. Astyages, der letzte Mederkönig, so erzählt der griechische Geschicht-' schreibe! Herodot nach persischen Sagen, hatte ein Traumgesicht, welches seineWahrsager dahin auslegten, daß der Sohn seiner Tochter einst über Medienund Vorderasien herrschen würde. Als nun seine Tochter, die mit einem klei-nen Fürsten der unterworfenen Perser vermählt war, einen Sohn NamensCyrus (Kyros) zur Welt brachte, gab Asthages einem seiner Vertrauten, demHarpagus, den Befehl, den Neugebornen zu töten, damit nicht die Perser dieHerrschaft über die Meder erlangten. Allein durch das Mitleid eines Hirten,dem Harpagus die Ermordung übertrug, entging Cyrus dem ihm zugedachtenSchicksale. Er wurde als der Sohn des Hirten erzogen, gab aber schon alsKnabe bei einem Spiel die inwohnende Herrschernatur kund, was Veranlassungward, daß er vor den König gebracht und erkannt wurde. Asthages, durch dieWahrsager beruhigt, ließ Cyrus nunmehr seinem Stande gemäß erziehen undschickte ihn in reiferen Jahren den Eltern nach Persien zurück. Hier erwachtem seiner Seele der Gedanke, das tapfere, aber unterjochte Volk von der medi-fchen Knechtschaft zu befreien und mit demselben auf Sieg und Eroberung aus-zuziehen. Sein mächtiger Geist und sein gebieterisches Wesen riß die Perserzur Bewunderung und Folgsamkeit hin. Er zog gegen die Meder zu Felde;Harpagus, der, obwohl von dem Könige tödlich gekränkt, dennoch an die Spitze»>rus des Heeres gestellt ward, ging mit seinen Truppen zu Cyrus über. VerratenL.-.8-SLS. ^d besiegt überließ Astyages den Thron seinem glücklichen Enkel, der nun-mehr der Gründer eines Weltreichs wurde, das fast alle gebildeten LänderAsiens umfaßte.

8. 27. Um diese Zeit herrschte in Sardes, der Hauptstadt von Lydien,der König Krösus, der so große Reichtümer besaß, daß sein Name sprich-wörtlich geworden ist. Er war ein Freund und Bundesgenosse des Astyages,darum geriet Cyrus bald mit ihm in Krieg. Getäuscht durch einen zwei-deutigen Orakelspruch, sehte Krösus über den Grenzfluß H aly s, um die Perseranzugreifen, erlitt aber eme Niederlage und mußte sich in eiligster Flucht nachseiner Hauptstadt zurückziehen. Cyrus folgte ihm, eroberte Sardes und gabBefehl, den gefangenen König in den Flammen sterben zu lassen. Schon saßKrösus gefesselt auf dem Scheiterhaufen, so wird erzählt, als ihn die Erin-nerung an den athenischen Weisen SlfllM von dem Untergänge rettete. Dieserwar einst nach Sardes gekommen und von dem König gastlich empfangenworden. Im stolzen Gefühl seines Glücks ließ ihn Krösus durch seine Schatz-kammern führen und ihm alle seine Reichtümer zeigen. Darauf fragte ihnder König, wen er für den glücklichsten Sterblichen halte, in der festen Über-zeugung, Solon werde ihn nennen. Aber dieser nannte zuerst den AthenerM Tellus, der bei ausreichendem Vermögen schöne, wohlgeratene Söhne und