Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

Geschichte der alten Welt.

z. 51. 52.

E- tz. 5 i. Mardonius, des Darius' Schwiegersohn, zog zuerst mit einerFlotte und einem Heer längs der thracischen Küste gegen Griechenland, indesHerolde von sämtlichen griechischen Staaten Wasser und Erde, die Zeichender Ergebung verlangten. Aber ein Sturm warf die Schiffe geben das Vor-gebirg Athos, und die thracischen Völker erschlugen einen Teil des Land-heeres, so daß Mardonius sich unverrichteter Sache mit dem Reste des Heeresnach Asien zurückbegab. Nicht besser erging es den Herolden. Zwar reichtenÄgina und die meisten Inseln Wasser und Erde; als aber die Boten inSparta und Athm dieselbe Forderung stellten, wurdm sie gegen alles Rechtund Herkommen getötet. Ergrimmt über diesen Hohn, schickte Darius einezweite Flotte unter D atis, einem älteren Kriegsmann und dem jungen Art a-phernes ab. Diese durchschnitt den Archipelagus, wo sie dre cykladischenInseln zur Unterwerfung zwang, und landete dann in Euböa. Nach tapferemWiderstände fiel Eretria durch Verrat in die Gewalt der Feinde, welchedie Stadt von Grund aus zerstörten und die Einwohner nach Asien abführenließen. Sengend und brennend durchzogen jetzt die Perser die Insel, landetendann, von Hippias geführt, aus der attischen Küste und lagerten sich in derEbene von Marathon. Da schickten die Athener eilig zu den Spartanern umHilfe. Als aber diese nicht zur rechten Zeit eintrafen, weil ihnen ein altesReligionsgesetz verbot, vor dem Vollmonde zum Kriege auszuziehen, rückten sieallein unter der Anführung von zehn Feldherren dem Feinde mutig entgegen.Der angesehenste dieser Feldherren war Miltiädes (§. 50), der früher im per-sischen Heer gedient hatte und die Art und Kriegführung desselben genaukannte. Nach seiner Weisung griffen an einem für die Reiterei ungünstigenOrte 10000 Athener und 1000 Platäer, die sich denselben freiwillig ange-schlossen, das zehnmal stärkere Heer der Perser an und brachten ihnen in derEk Apt- Schlacht von Marathon eine vollständige Niederlage bei. Das ganze Lagermit allen Vorräten fiel in die Hänoe der Sieger. Die Perser stürzten zu denSchiffen und segelten davon. Aber mit Bestürzung sahen die griechischenWächter auf den Höhen die feindliche Flotte um das Vorgebirg Summn herumnach Westen steuern, in der deutlichen Absicht, die entblößte Stadt zu über-raschen. Man vermutete, daß die Anhänger des Hippias den Persern diesenAnschlag eingegeben; ein blinkender Schild sollte als Signal auf den Bergenerhoben worden sein. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß zu diesem Zweck dieReiterei und ein Teil des Heeres sich schon vor der Schlacht eingeschifft hatte.Miltiädes faßte einen raschen Entschluß. Dm Aristides mit seiner Mannschaftzur Bewachung des Schlachtfeldes zurücklassend, eilte er mit dem Hauptheerauf dem kürzesten Weg nach der Stadt und traf gerade ein, als die Perserlanden wollten. Bei dem Anblick der Heldenschar gaben Datis und Arta-phernes das Vorhaben auf und segelten davon. Auf der' Rückkehr starb Hippias.Groß war der Ruhm der Athener, die hier zuerst bewiesen, daß sie der demo-kratischen Freiheit, welche sie kurz zuvor bei sich eingeführt, würdig seien, undnoch Jahrhunderte nachher benutzten vaterländische Redner den Sieg vonMarathon, um das Volk in Begeisterung zu setzen. Neben den Grabhügeln,die noch heute auf der marathonischen Ebene sichtbar sind, errichteten dieAthener ein Siegeszeichen den Vorkämpfern der Hellenen, „deren Arm dieMacht der goldgeschmückten Meder in Staub gestreckt" und ein besonderesEhrendenkmal für Miltiädes, beides von weißem Marmor. Am Tage nachder Schlacht kamen 2000 Lacedämonier an, um den Athenern zu helfen. Sieließen sich das Schlachtfeld zeigen, priesen die tapfere That und zogen dannwieder heim.

8- 52. Miltiädes, der Retter Griechenlands, genoß seines Ruhmes nicht