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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 67. L. Die griechische Welt.

und ränkevolle Weiber, welche greuelhafte Schandthaten verübten, sich allenLüsten und Ausschweifungen Hingaben und durch Thronkämpfe das Reich ver-wirrten. Unter diesen Umständen faßte der jüngere Cyrus, Statthalter vonKleinasien, den Plan. seinen älteren Bruder Artaxerxes der Herrschaft zuberauben. Er sammelte ein beträchtliches Söldnerheer, dessen Kern spartanischeund andere griechische Miettrnppen bildeten, und zog damit nach Persien. Inder Ebene von Knnaxa, etliche Meilen von Babylon, ereignete sich ein «»i.Tressen, in dem zwar die Griechen siegten, aber Cyrus von der Hand seinesBruders fiel. Nun erging an die Hellenen die Aufforderung, sich zu ergeben,und als diese zurückgewiesen wurde, versprachen die Perser mit Vertrag undEidschwur, sie unter der Leitung des Feldherrn Tissaphernes ungefährdetin die Heimat zu entlassen. Aber aus dem Wege luden die Barbaren den An-führer Klearchus und die übrigen Hauptleute zu einer Unterredung ein undließen sie verräterisch ermorden. Da stellte sich der Athener Tenophon,welcher sich als Freiwilliger dem Kriegszug angeschlossen Hatte, an die Spitzedes entmutigten und ratlosen Griechenheeres und führte es, in Verbindungmit dem Spartaner Cheirisöphus, unter den unglaublichsten Beschwerdendurch Armenien nach dem schwarzen Meer und von da nach Byzanz. OhneKunde des Landes und der Sprache und ohne zuverlässige Führer mußten sieunwegsame Berge übersteigen, Ströme durchwaten, unwirtliche, mit tiefemSchnee überdeckte Gegenden durchziehen, verfolgt von den Persern und ange-griffen von den Einwohnern. Als sie endlich von einer Anhöhe herab dasschwarze Meer erblickten, sielen sie aus die Knie und begrüßten es mit Freuden-geschrei als das Ende ihrer Leiden. In Trapezus hielt das Heer dreißig TageRast, die unter Opferfesten und Kampfspielen heiter verbracht wurden. Vonhier aus wollte die gerettete Mannschaft sich zur See nach Byzanz begeben;als sie aber nicht die erforderliche Zahl von Schiffen ausbringen konnte, tratsie den Rückzug zu Land an, längs der Küste des schwarzen Meeres. In Sinopestarb Cheirisöphus; er hatte während eines hitzigen Fiebers Gift genommen.

Von Byzanz führte Xenophon einen Teil des Kriegsvolks nach Thränen, wosie einige Zeit einem eingebvrnen Fürsten als Söldner dienten; dann folgtensie dem Rufe des spartanischen Königs Agesilaus nach Kleinasien (ß. 67).Xenophon wurde nach seiner Rückkehr aus Athen verbannt und verbrachte dasEnde seines Lebens im Peloponnes.

6. Die Zeit des Agesiläus und Lpaminondas.

§. 67. Durch den peloponnesischeu Krieg war Sparta die erste Macht inGriechenland geworden; es mißbrauchte aber seine Gewalt zur Unterdrückungder übrigen Staaten und zog sich dadurch ebenso den Haß seiner VerbündetenM wie früher Athen. Die Spartaner waren von der lykurgischen Einfachheitund Sittenstrenge längst abgekommen; die Kriege in der Fremde brachtenReichtum-, dieser erzeugte Habgier und Genußsucht, woraus wieder ein Heervon Lastern hervorging. Könige und Anführer ließen sich um hohe Summenerkaufen und entehrten sich durch Bestechlichkeit. Unermeßliche Reichtümerund Güter häuften sich m wenigen Familien, die nun schwelgten und praßten,fahrend die ärmeren darbten. Diesen Gebrechen vermochte selbst der kräftige,für altspartanische Tugend, Sittenstrenge und Einfachheit empfängliche KönigAgesilaus nicht zu steuern. Aber auch die anderen griechischen Staaten warendon der Tugend und Vaterlandsliebe früherer Jahre längst abgekommen. DieBürger entwöhnten sich immer mehr der Waffen und überließen die Krieg-führung gedungenen Söldnerheeren und ihren Führern, unter denen sichder Athener Jphikrätes durch eine neue Bewafsnungsart (Peltasten) einen