Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
67
JPEG-Download
 

8. 83.

67

L. Die griechische Welt.

haben, um den Brand von Athen und den Frevel an den hellenischen Heilig-tümern zu rächen. Als Darms vernahm, daß Alexander die schwer zugäng-lichen Felsenpässe des persischen Gebirgslandes durchzogen, Susa, die „goldge-schmückte Burg", und Persepolis, die hohe „Pforte", bezwungen, und nun zuferner weiteren Verfolgung nach Medien aufgebrochen fei, da floh er, an feinemGlück verzweifelnd, von Ekbatäna, dem anmutigen Sommersitze der persischenKönige, in das Gebirgsland Baktrien, das alte Stammland der Jranier,fiel aber dort durch die Mörderhand des treulosen Statthalters Beffus undeiniger verräterischen Großen. Alexander beweinte das Geschick seines unglück-lichen Gegners und ließ den Mörder, der den Königstitel angenommen, aberbald von den Macedoniern besiegt und gefangen ward, nach morgenländifcherSitte aus Kreuz schlagen.

8. 83. Durch die kühnsten Märsche über das schneebedeckte Hindukhuge-brrge (indischen Kaukasus), wo die tapfern Krieger dem Hunger und der An-strengung beinahe erlagen, gelang es dem unternehmenden Eroberer, sich in denJahren 329 und 328 der Gebirgsländer im Südosten des kaspischen Meeres,Hyrkanien, Baktrien und Sogdiana zu bemächtigen und sie ourch Anlegungvon Heerstraßen zugänglich zu machen. Sein hoher Geist War nicht bloß ausKrieg undEroberung gerichtet; er wollte auch die wilden Gebirgsbewohnerdurch dre Macht grrechischer Bildung und Lebensformen für die neue Ordnungempfänglich machen. Vier neugegründete Städte, nach seinem Namen Alexan-der a genannt,, wurden fortan der Mittelpunkt des Karawanenhandels undverbreiteten griechische Bildung, Sprache und Kunst im fernsten Osten. BeiErstürmung eines festen Bergschlosses nahm er die schöne FürstentochterRoxäne, „die Perle des Morgenlandes", gefangen und erhob sie zu seiner Ge-Zu Äaktra wurde das glänzende Vermählungsfest gefeiert. Essollte das Zeichen sein, daß nun der Kampf zwischen Griechenland und Asienzu Ende sei. Von der Zeit an wollte Alexander als persischer Großkönig geltenund entlehnte daher immer mehr die Formen und das prunkende Hofgeprängeorientalischer Despoten. Er empfing die Asiaten im modischen Königsgewandand mit der königlichen Kopfbinde; er nahm die Kniebeugung und die abgötti-sche Verehrung wohlgefällig an; er umgab sich mit persischen Stabträgern undHofdienern. Die besiegten Völker sollten in ihm nicht den Eroberer, sondernden rechtmäßigen König erblicken. Dieses Benehmenverdroß die makedonischenGroßen; selbstsüchtig und übermütig wollten sie den Überwundenen das Joch derGewaltherrschaft auslegen und murrten, daß Alexander sie den Seinigen gleich-stelle. An der Spitze der Unzufriedenen stand Parmenio, der alte Warner, und^ein tapferer, aber heftiger und hochfahrender Sohn Philötas, der Anführer derLeibgarde. Sie weckten in dem Heere das Verlangen nach der Heimat, damitder Feldzug beendigt, die Beute verteilt würde. Zu Nrophthasia, im Landeder Dranger, bildete sich eine Verschwörung. Sie wurde entdeckt, und als beider Untersuchung Philötas als Mitwisser erschien, wurde er im Lager zum-Tode verurteilt und von den Lanzen der Kampfgenossen durchbohrt. Und da-ant nicht der Vater Parmenio, der mit einer starken Besatzung zu Ekbatanadie Schätze hütete, von dem Vorfall Kunde erhalte und vom Könige abfalle,kNipfingen zwei Hauptleute den Auftrag, den Feldherrn zu ermorden. Sie nahten"ch dem Arglosen, als er sich im Schloßgarten der modischen Hauptstadt er-Png. und versetzten ihm die Todeswunde. Im nächsten Jahre, als Alexanderbereits sich zum indischen Feldzug rüstete, hatte eine ähnliche Veranlassung eineandere dunkle That zur Folge. Bei einem Opfersest in Marakanda wurdedas Freudenmähl bis tief in die Nacht verlängert, Alexander nahm in derMitte seiner Großen daran Teil und wurde von griechischen Schmeichlern und