Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
71
JPEG-Download
 

71

§. 87. 88. L. Die griechische Welt.

nien und Griechenland; 2. das syrische Reich der Seleuciden; 3.Ägyp-ten unter den Ptolemäern.

d) Griechenlands letztes Mngen. Der achäische Bund.

§. 87. Seit der Schlacht von Chäronea (8-77) stand Griechenland unterder Herrschast oder unter dem Einfluß der makedonischen Könige, und alleVersuche einzelner Staaten, sich dieser Herrschast zu entziehen, schlugen fehl.

So das Unternehmen des tapfern Spartanerkönigs Agis II., der WiderAntipäter, den makedonischen Reichsverweser, ins Feld zog, aber in der blu-tigen Schlacht von Megalopölis mit 5000 der Seinen den Heldentodstarb. In Athen dauerten auch während der makedonischen Zeit die Partei-kämpfe zwischen Aristokraten und Demokraten fort. Als die Aristokraten, denedlen Phocion an der Spitze, mit Hilfe der Macedonier vorübergehend dieHerrschast erlangten, wanderten viele Demokraten aus, unter ihnen Denw-sthenes, der heftigste Widersacher des makedonischen Königshauses. Mit einerAuslieferung bedroht, flüchtete sich der große Redner in einen peloponnesischenTempel, wo er sich selbst durch Gift tötete, um nicht in die Hände seiner Feindezu fallen. „Eine treffliche Zufluchtsstätte ist der Tod," rief er dem makedo-nischen Parteigänger zu, der ihn gefangen nehmen wollte, „er bewahrt vorSchande." Seme Asche wurde später in der Vaterstadt beigesetzt; sein Ge-dächtnis blieb in Ehren. Nach einigen Jahren erhielten die Demokraten wiederdie Oberhand und zwangen dann auch den achtzigjährigen Phocion den Gift-becher zu trinken. Von der Zeit an nahm die Parteiwut in Athen an Stärkeab; aber auch Freiheitsgesühl, Vaterlandsliebe und Bürgertugend verschwan-den immer mehr. Weichlichkeit und Genußsucht erstickten die edleren Gefühle;und wie fehr auch Künste und Wissenschaften fortblühten und Athen der Mittel-punkt aller Bildung blieb, die Größe des Volkes war für immer dahin. DieBürger entehrten sich durch Schmeichelei und Niederträchtigkeit, namentlichals die beiden Demetrius, der Phalereer, ein hochgebildeter, prachtliebenderStaatsmann, der zehn Jahre lang unter Makedoniens Obmacht das städtischeGemeinwesen verwaltete, und Demetrius der Städtebelagerer, der schöne,ritterliche und genußsüchtige Sohn des Antigonus, in der Stadt weilten unddurch Wollust und Schwelgerei alle Sittlichkeit zu Grunde richteten.

Z. 88. Um die Mitte des dritten Jahrhunderts nahm das griechischeStaatswesen nochmals einen letzten Aufschwung in dem achäischen Bund, nc».welchem Aralus von Sichon eure solche Macht und Bedeutung verlieh, daßer nach der Vorherrschaft vom Peloponnes, ja von ganz Griechenland strebenkonnte, namentlich seit das feste Korinth als Hauptstadt beigetreten war.

Als Oberfeldherr (Stratege) des Bundes stellte er sich die Aufgabe, dasgriechische Staatswesen aus der Zerriffenheit und Vereinzelung seiner städtischenSonoerinteresien herauszureißen und durch Gründung eines föderativen Ge-meinwesens wieder Nationalsinn, Kraft und Einheit zu erzeugen. Dieser Auf-schwung der Achäer erregte den Neid Spartas, Wo gerade zwei hochherzigeKönige, Agis IV. und Kleomenes, bemüht waren, die alte Kraft und kriege-Asche Tugend zurückzuführen. Seitdem man nämlich in Sparta die Bestim-" 'Mung getroffen, daß mehrere Güter an einen Besitzer fallen dürften, geriet 2 »"-°allmählich alles Grundvermögen in die Hände weniger reichen Familien, dieden Staat regierten, indem sie die Ephoren aus ihrer Mitte wählten. Dieübrigen Bürger waren ohne Rechte und Vermögen und den Reichen ver-schuldet. diesem Übelstande suchten die beiden Könige dadurch abzuhelfen,daß sie auf Abschaffung der Ephorenwürde, auf Vernichtungder Schuldbriefe, auf neue Güterverteilung und auf Wieder-