74
Geschichte der alten Welt.
§. 91-
Essiier (Essener), die als Ordensbruder mit Gütergemeinschaft lebten, dienteGott durch Abgeschiedenheit von der Welt, durch fromme Bußübungen unddurch Werke der Liebe. Die durch die gegenseitige Feindschaft dieser Parteienbewirkte Schwäche führte das jüdische Volk endlich unter Roms Herrschaft,settsvv-r Makkabäer wurde von dem Jdumäer Herodes, einem Manne von
Chr. großen Gaben und großen Lastern, ermordet, worauf dieser mit Hilfe derRömer sich auf Davids Stuhl setzte und unter römischem Schutze 36 Jahrelaug als König Herodes der Große über Judäa regierte. Um sich dieJuden, die ihn haßten, geneigt zu machen, ließ er den Salomonischen Tempelvergrößern und verschönern, artete aber aus Mißtrauen am Ende seiner Re-gierung in einen blutigen Wüterich aus, der selbst, wie die Hciligengeschichtemeldet, dem zur Erlösung der gesunkenen Menschheit gesandten Jesus vonNazareth nach dem Leben trachtete.
e) Kultur und Geistesleben im alexandrinischen Zeitalter.
§. 91. Durch die Eroberungen Alexanders und seiner Nachfolger wurde diegriechische Bildung weit nach Osten verpflanzt und über den größten Teil der altenWelt ein hoher Grad von Civilisation verbreitet. Der Welthandel und Völker-verkehr, der eine viel größere Ausdehnung erlangte als früher, war der Verbreitungdieser Civilisation forderlich. Aber mit der äußern Verbreitung hielt die innereKraft nicht gleichen Schritt. In der Dichtkunst wurde, außer den Idyllen, worinTh-Et Sicilianer Theokrit ein Hirtenleben voll Einfalt und Unschuld schildert, undaußer einigen dramatischen Dichtungen, die uns verloren gegangen sind, nichtsBedeutendes zu Tage gefördert; die Geschichte und Redekunst blieb hinter dengroßen Vorbildern früherer Zeit weit zurück. Dagegen gelangten die gelehrtenStudien und die praktischen, auf Erfahrung und Forschung beruhendenWissenschaften zu großer Blüte. Gelehrte Kritiker und Grammatiker ordnetenund erklärten die ältern griechischen Werke; Naturkunde und mathematischeWissenschaften, Geographie und Astronomie, die früher nur in den ersten An-^uNidcs sängen vorhanden waren, wurden ausgebildet. Euklides, ein Zeitgenosse der ersten' Ptolemäer, verfaßte ein Lehrbuch der Geometrie, das jahrhundertelang beimUnterricht gebraucht wurde; die Astronomie und mathematische Geographiefanden Bearbeiter an dem vielseitigen Eratosthenes, und an dem tiefen ForscheriAchime- Hipparch, dem größten Astronomen des Altertums; der Syrakusaner Archimedes' hat sich durch seine Entdeckungen in der Mechanik und Physik unsterblichen Ruhmerworben, und die zuerst von Hippokrätes wissenschaftlich begründete Heilkundewurde von den alexandrinischen Ärzten vollkommener ausgebildet. Vor allem aberPLUo- fand die Philosophie Pflege. Da die heidnische Religion in ihrer Verfallenheit° keine Ruhe für die Seele und keinen Halt für das Leben gewährte, so flüchtete mansich in die Philosophie. Man bildete die Lehrsätze der großen Weltweisen der frühe-ren Zeit weiter aus und machte sie zur Richtschnur des Lebens und Handelns. Soentstanden die Philosophenschulen, die sich teils an Plato und Aristotelesanlehnten, teils Schüler des Sokrates oder andere Weise zu Stiftern hatten. Unterdiesen Philosophenschulen sind die Stoiker und die Epikureer am berühmtestengeworden. Sokrates hatte nämlich gelehrt, daß die Glückseligkeit der Zweck des Le-«n«Me- bens sei. SeinSchüler Antisthenes glaubte, daß man die Glückseligkeit am sicher-sten erreiche, wenn man allen Genüssen entsage, und stellte daher Bedürfnislosigkeit,Genügsamkeit und Entbehrung als höchstes Ziel des menschlichen Strebens hin.Diogenes. Am weitesten ging hierin sein Schüler Diogenes, der in einer Tonne lebte, alleGüter und Lebensgenüsse freiwillig von sich warf und ein „Heldentum der Entbeh-rung" ausübte, welches die Bewunderung des großen Alexander erregte. Mannannte diese Schule die cynische von dem Ort, wo Antisthenes lehrte; darauf an-