0. Das Römerreich.
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spielend, belegte man den Diogenes mit dem Namen Cyon (Hund), weil das arme, Cyniker,genußlofe Leben, das er führte, und die Gleichgültigkeit gegen äußere Bildung, Sitteund Anstand mehr für einen Hund, als für einen Menschen zu passen schien. DieseLehre liegt in veredelter Gestalt der stoischen Philosophie zu Grunde, die Zeno Stoiker,(e. 320), ein Zeitgenosse Alexanders, in der Säulenhalle (Stoa) zu Athen vor-trug. Nach seiner Lehre gelangt der Mensch nur dadurch zur Glückseligkeit, daßer alle Geschicke und Wechselfälle des Lebens, Freude und Schmerz, Glück und Un-glück mit unerschütterlichem Gleichmute erträgt, was um so mehr seine Pflicht ist,als nach stoischer Ansicht allesdurch eine ewige Naturnotwendigkeit oder Ver-hängnis (Fatum) von Anbeginn au genau vorausbestimmt ist. — Im Gegensatzzu dieser Richtung stellte ein anderer Schüler des Sokrates, Aristipp von Cyrene, Anstipp.den Genuß des Lebens als obersten Grundsatz auf, und lehrte die Kunst, die gei-stigen und sinnlichen Genüsse weise mit einander zu verbinden. Von seinem SchülerEpikur (i 270) wurde diese Kunst des Genießens in ein Lehrgebäude zusammen-gefaßt, das den Eudäm o nis mus als Zweck und Aufgabe des Erdenlcbens aufstellteund viele Anhänger zählte. Während aber Epikur die Glückseligkeit in ein „Freisein Epikur«-.Von allen schmerzhaften, die Zufriedenheit störenden Zuständen" setzte, überschrittenseine Anhänger die Linie der Mäßigung, stellten Wohlleben und Befriedigung dersinnlichen Lüste als Lebenszweck hin und bildeten den Epikureismus zur Philo-sophie der Verweichlichung, der Wollust und eines genußreichen Daseins aus.
6. Das Romerreich.
AMalische Völkerschaften und Einrichtungen.
§. 92. Die schöne Halbinsel, die im Norden von den Alpen begrenzt, nachMorgen, Mittag und Abend von Teilen des Mittelmeeres umgeben und ihrerganzen Länge nach von den Apenninen durchzogen ist, war vor alters von vielenVölkerschaften verschiedenen Ursprungs bewohnt. In Oberitalien, auf beidenUfern des Po (Padus), lebten gallische Völker, die, in viele Stämme und Staatengespalten, die zahlreichen Städte, sowohl in der fruchtbaren Ebene als an der Meeres-küste, inne hatten. Mittelitalien war der Wohnsitz mehrerer kleinen Völkerschaf-ten, die teils seit undenklichen Zeiten im Lande seßhaft waren und als Eingeborne(Autochthonen) galten, teils aus der Fremde einwanderten. Zu den letzteren gehörtdas Volk der Etrusker, zu den ersteren der kräftige Volksstamm der Sabeller,der sich wieder in verschiedene kriegerische, freiheitsliebende Völkerschaften schied, unterdenen die Sabiner, Samniter und Marfer die bedeutendsten waren. VerwandtenVlutes mit den Sabellern war der oskische Stamm, zu dem man die Volsker ander Küste, die Äquer am linken Ufer des Anio und die Hernlker auf den Höhendes Algldus rechnete. Auch die Latiner, ein kräftiges Landvolk in der „breitenEbene" südwärts des Bergstromes Tiber, waren ein altitalischer Volksstamm, deraber frühe im Verkehr mit Cumä und andern hellenischen Kolonieen Unteritaliensgriechische Bildungselemente und Mythen annahm. Davon giebt auch die SageZeugnis, daß nach Trojas Zerstörung der flüchtige Held An eas sich mit einer Scharteukrischer Männer in Latium niedergelassen und die Tochter des Latinerkönigs indie Ehe genommen habe. Unteritalien war auf beiden Küsten mit griechischenPflanzstädten bedeckt, im innern von streitbaren Stämmen sabellischer Abkunft, alsSamniter, Campaner, Lucaner, bewohnt. Campanien mit seinen Wein- undGetreidefeldern gehört zu den schönsten und fruchtbarsten Gegenden des Erdbodens,daher die Römer eine Menge prachtvoller Landhäuser daselbst anlegten. — Unterden Völkern Mittelitaliens sind die Etrusker am merkwürdigsten. Sie bildeteneinen Bundesstaat von zwölf unabhängigen Stadtgemeinden, wovon Cäre. Tar-