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8- 99. 0. Das Römerreich.
glückliche Kriege mit den Latinern, die er zu einem Bund unter Roms Ober-leitung vereinigte; er führte den Bau des Kapitoliums zu Ende und ließ darindie Sammlung alter Orakelsprüche, sibhllinische Bücher genannt, auf-bewahren; er legte die ersten Kolonieen im Lande der benachbarten Volskeran, um Roms Herrschaft weiter zu verbreiten. Aber ungeachtet dieser Ver-dienste lud er den Haß der Patrizier auf sich, als er mit dem Gedanken um-ging, seine beschränkte Königsmacht zu vergrößern. Seine Gewaltthätigkeitengegen den Senat und die Patrizier, verbunden mit den drückenden Steuernund Frobndiensten, womit er die Plebejer heimsuchte, erzeugten eine allgemeineUnzufriedenheit, die zuletzt in Empörung überging, als in Rom bekannt wurde,daß die entehrende Frevelthat, die einer der Söhne des Königs an der tugend-haften Lucrezia begangen, diese zum Selbstmord geführt habe. Zwei Ver-wandte des königlichen Hauses, L. Tarquinius Collatinus, der Gemahl derLucrezia, und Junius Brutus, schwuren über der Leiche der Gemordeten denBund der Blutrache und riefen das Volk zur Freiheit und zur Vertilgung dertyrannischen Herrschermacht auf. Bei der Nachricht von den Vorgängen inRom eilte der König, der gerade die alte, auf einem steilen Felsen erbauteSeestadt Ardea belagerte, mit feinem Heere herbei, um den Aufstand zu unter-drücken; er fand jedoch die Thore verschlossen und mußte, als ihn ein Beschlußder Volksveyammlung der Köniaswürde entsetzte und die Kriegsmannschastrhn verlreß, Mit seinen Söhnen in die Verbannung ziehen. Wie die griechischenTyrannengeschichten so wurde auch der Sturz des römischen Königtums undder Übergang zur Republik durch die dichterische Sage romantisch ausgeschmücktund die Katastrophe als die Folge gottvergessener Frevelthaten in dem etrus-krschen Herrscherhaus dargestellt. In der Vertreibung der Könige darf manvrellercht eine revolutionäre Erhebung der latinisch-sabinischen Volksteile gegendre Herrschaft der Etrusker erblicken.
2. Rom als Republik unter den Patriziern.
a) Horatius Cocles. Volkstribunen. Coriolan.
8. 99. Nach der Vertreibung der Königsfamilie besaß der Senat diehöchste Gewalt in Rom. Er bestätigte die Gesetze, welche in den Volks-versammlungen nach seinen Vorlagen beschlossen wurden, und schlug dieBeamten vor, die das Volk zu wählen hatte. Statt eines Königs regiertenmvei Konsuln, die alljährlich neu gewählt wurden, den Staat, leiteten dieRechtspflege und waren im Krieg die Anführer des Heers. Nach ihnen wurdeoas Jahr im Kalender bezeichnet. Nur im „Opferkönig", der unter derOberaufsicht des Senats alle aus Staatsreligion und Kultus sich beziehendenAngelegenheiten besorgte, blieb der Königstitel bestehen, „damit nicht dieGötter den gewohnten Vermittler vermißten". Zu diesen und allen anderenstellen hatten bloß die Patrizier Zutritt. Der junge Freistaat hatte großeKämpfe von innen und außen zu bestehen, bei deren Erzählung die schassende«agenbildung nicht zu verkennen ist. Unter den ersten Konsuln Brutus undEollatinus b'rldete eine Anzahl junger vornehmer Römer eine Verschwörungum die vertriebene Königsfamilie zurückzuführen. Als dieselbe entdeckt wurde,vestraste der strenge Brutus die Schuldigen, darunter zwei seiner eigenen^öhrre, mit dem Tode. Die größte äußere Gefahr drohte den Römern vonöem Etruskerkönig Porsenna, dessen Hilfe Tarquinius anrief, und der den^aniculum-Hügel auf dem rechten Tiberuser besetzte. Von dort wolltenwu die Römer vertreiben, wurden aber zurückgeschlagen und nur durch dieTapferkeit des Horatius Cocles, welcher die hölzerne Tiberbrücke verteidigte.