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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt.

8 . 100 .

gerettet. Als die Römer in Sicherheit waren und die Brücke abgehauen hatten,sprang Cocles mit Rüstung und Waffen in den Strom und schwamm ansjenseitige Ufer. Zum Dank setzte ihm in der Folge die Republik ein Standbildund schenkte ihm so viel Land. als er an einem Tage umpflügen konnte. Einanderer Römer, Mucius Scävöla, begab sich in das etruskische Lager mitder Absicht, den König zu ermorden. Der Sprache kundig, gelangte er in deninnern Raum. wo das königliche Zelt stand. Aber aus Irrtum erstach eranstatt des Königs einen stattlich gekleideten Diener. Als ihn hierauf Por-senna durch Drohungen zu Geständnissen zwingen wollte, streckte Muciusdie rechte Hand in em neben ihm loderndes Opferfeuer, zum Beweis, daß erweder Schmerzen, noch Tod scheue. Davon erhielt er den Namen Linkhand(Scävola). Erschreckt durch solche. Beweise von Tapferkeit und Vaterlands-liebe, schloß, wie die geschichtliche Überlieferung meldet, Porsenna eilig Friedenvor. und zog ab. Doch mußten ihm die Römer den dritten Teil ihres Landes ab-treten und Geiseln stellen. Auch die Vejenter und der Latinerbund zogenfür die Tarqurnier ins Feld. Da begegneten sich Brutus, der Stifter desFreistaats, und Aruns Tarquinius im Kampfe und töteten sich gegenseitig,»so. Im Krieg gegen die Latiner stellten die Römer zum erstenmal einen Diktatorauf, der über den Konsuln stand und unbeschränkte Gewalt in der Stadt undim Felde besaß. Ein solcher Diktator oder „Gebieter" wurde nur in Zeitender Not und Gefahr auf sechs Monate ernannt und legte nach Beseitigungderselben sein außerordentliches Amt nieder. Die Ernennung geschah durchden Konsul in stiller Mitternachtsstunde unter religiösen Gebräuchen.

ß. 100. Als alle Versuche des Tarquinius, seine Königswürde wiederzu erlangen, gescheitert waren, begab er sich nach Cumä in Unteritalien, wo4s«. er starb. Nun beherrschten die Patrizier den Staat, und da sie die Wieder-kehr der Königsfamilie nicht mehr zu fürchten hatten, so ließen sie die bisherbewiesenen Rücksichten gegen die Plebejer aus dem Auge und bedrückten siedurch ihre harten Schuldgesetze. Die Plebejer mußten von ihrem kleinenEigentum Grundsteuer entrichten und waren zum Kriegsdienst ohne Soldund mit Stellung der Waffen und Rüstung verpflichtet. Standen sie im Feld,so wurde daheim ihr Ackerland schlecht bestellt; Mißernten erzeugten Ver-armung, und um der augenblicklichen Not zu entgehen, machten sie bei denreichern Patriziern Schulden. Wenn nun der Plebejer den hohen Zins (8—10Procent) nicht zur Stunde bezahlte, so wurde er mit Leib und Gut Eigentumdes Gläubigers, der ihn nebst seinen Kindern als Sklaven in die Fremde ver-kaufen oder bei sich als Knecht behalten konnte. Als dieser Zustand zu drückendwurde und kein Gesetz den unglücklichen Schuldner gegen den hartherzigenGläubiger schützte, da unternahmen die Plebejer die Auswanderung nach demheiligen Berg, eine Meile von Rom, in der Absicht, daselbst eine neue Stadtzu gründen. Die Patrizier schickten den Menenius Agrippa an sie ab, umsie zur Rückkehr zu bewegen. Dieser legte ihnen die Nachteile eines solchenZwistes ans Herz, indem er ihnen eine Fabel erzählte, wie einst die Gliedermit dem Magen gestritten hätten und dadurch der ganze Körper in Gefahrgekommen sei, und versprach ihnen Abstellung ihrer Beschwerden. Die Plebejerließen sich bereden und erhielten nach ihrer Rückkehr Volkstribunw (Schirm-vögte), anfangs fünf, dann zehn. Diese waren während ihres Amtes heiligund unverletzlich, durften gegen alle Senatsbeschlüsse und Konsulsprüche, welchedie Sache der Plebejer zu gefährden schienen, Einsprache thun („Vsto") undkonnten, wenn dieses nicht fruchtete, die Aushebung und Besteuerung ver-hindern. Nur Plebejer, in der Tribusversammlung gewählt, durften das neueAmt bekleiden. Das römische Volk blickte stets mit Stolz auf diese ohne Blut-