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82 Geschichte der alten Welt. §. 103.
richteten. Dieses Gemeinland (s,Aer publieus) betrachteten die Patrizierals ihr Eigentum, ließen es durch ihre Hörige (Klienten, Halbfreie) oderSklaven bebauen und sahen sich gegenseitig durch die Finger, wenn die bedun-gene Abgabe oder das schuldige Hutgeld nicht pünktlich geleistet wurde. VonZeit zu Zeit verlangten nun die Plebejer Ackergesetze, wodurch ihnen ein Teildes Gemeinlandes überlassen werden sollte. Aber so oft dieses Ansuchen gestelltward, traf es auf den entschiedensten Widerstand. Der Konsul SpuriusCassius, ein hochverdienter und berühmter Mann, der das erste Ackergesetzbeantragte, wurde über den tarpejischen Felsen des Kapitals hinabgestürzt,und die Stelle, wo sein Haus gestanden, blieb eine öde Stätte.
Z. 103. 2. Die Rechtspflege war ausschließlich in den Händen der Patri-zier, die nach dem Herkommen und nach ungeschriebenen GewohnheitsrechtenUrtel und Recht sprachen, wobei sie große Willkür und Parteilichkeit übten.Um nun dieser Willkür nicht länger preisgegeben zu sein, verlangten die Ple-bejer feste, aufgezeichnete Gesetze, fanden aber bei den Patriziern heftigen Wider-stand. Nach vielen stürmischen Kämpfen setzten es die Volkstribunen zuletztdoch durch, daß Gesandte nach Großgriechenland und Athen geschickt wurden,um die dortigen Gesetze zu prüfen und das für die römischen VerhältnisseGeeignete auszuwählen und aufzuzeichnen. Nach ihrer Rückkehr kamen beideStände überein, daß alle Beamten (Konsuln, Volkstribunen u. a.) ihre Stellenniederlegen und zehn Patrizier mit unumschränkter Gewalt ausgerüstet undmit der Abfassung eines neuen Landrechts beauftragt werden sollten. Muster-haft vollzogen im Anfang die neuen Beamten, von der Zahl der MitgliederDecemvirn (Zehnerausschuß) genannt, das aufgetragene Geschäft; und ihreGesetze fanden am Ende des Jakres bei der Volksversammlung solchen Beifall,daß man zur gänzlichen Vollendung des Werks auch für das zweite Jahr dasDecemvirat bestehen ließ. Aber setzt mißbrauchten die neugewählten Zehn-männer ihre unumschränkte Macht zu Handlungen der Willkür und Gewalt-that. Sie wüteten mit Kerker, Geldbuße, Bann und „Henkerbeil gegen ihreplebejischen Widersacher, ließen, als ein Krieg mit den Äquern und Volskernausbrach, einen alten, mit Narben bedeckten Plebejerhelden (Siccius Dentätus)im Felde ermorden und führten, nachdem ihr zweites Jahr verflossen und dieAbfassung der Zwölftafelgesetze vollendet war, eigenmächtig ihr Amt fort.Da brachte die lüsterne Frevelthat des adelsstolzen Appius Claudius, desangesehensten unter den Decemvirn, die allgemeine Unzufriedenheit zum Aus-brüch. Dieser trug nämlich Verlangen nach der schönen Virginia, Tochtereines Plebejerführers und Braut des ehemaligen Volkstribunen Lucius Jcilius.Um zu ihrem Besitz zu kommen, beredete er einen seiner Schutzbesohlenen(Klienten), die Jungfrau für seine sntlaufene Sklavin zu erklären und vordes Decemvirs Richterstuhl als Eigentum anzusprechen. Vor einer großenMenschenmenge hörte Appius Claudius auf dem Forum die Klage an; kaumaber hatte sein Richterspruch die Virginia dem Kläger überantwortet, als derVater hinzueilte und ihr ein Messer ins Herz stieß. Erstarrt über die un-erhörte That, umstand noch das Volk die Leiche der schönen Jungfrau, als dasplebejische Heer unter seinen Tribunen in die Stadt einzog, sich auf dem Aven-tinus lagerte und mit Drohen die Entfernung der Decemvirn und die Rück-führung der alten Ordnung verlangte. Als der Senat und die Zehnmännerzögerten, der Forderung nachzukommen, da gab der Alttribun M. Duiliusden Rat, die Plebejer sollten, wie einst die Väter, zum zweitenmal nach demheiligen Berg auswandern und da, wo früher der Grund ihrer Freiheit gelegtWorden sei, ein Lager aufschlagen. Der Rat fand Beifall. Alsbald brachenalle Bewaffnete auf und zogen in Reih und Glied geordnet mitten durch die