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Geschichte der alten Welt.
und Kindern verlassen worden war, fiel ohne Gegenwehr in die Gewalt derFeinde. Die Gallier brannten die leere Stadt nieder, mordeten auf dem Forumgegen achtzig Greise, die als Sühnopfer fallen wollten, und umlagerten danndas Kapitol, wohin sich die streitbare Mannschaft zurückgezogen. Als aber dieBesatzung unter der Anführung des heldenmütigen Marcus Manlius tapfernWiderstand leistete und die Reihen der Feinde durch Hunger und Krankheitgemindert wurden, kam nach siebenmonatlicher Belagerung ein Vertrag zu-stande, worin die Gallier gegen eine Loskanfsumme von taufend Pfund Goldesden Abzug versprachen. Bekannt ist, wie der trotzige Anführer Brennus(d. h. Heerkönia) die bedungene Summe noch um das Gewicht seines Schwer-tes, das er in die Wagschale warf, erhöhte. Die Erzählung, daß der verbannteCamillus mit einer Schar flüchtiger Römer den abziehenden Feinden nach-gesetzt und ihnen die Beute wieder entrissen habe, wird bezweifelt und nichtohne Grund römischer Ruhmredigkeit zugeschrieben.
Z. 107. Nach oem Abzug der Feinde war das römische Volk so entmutigt,daß es die Stadt nicht wieder aufbauen, sondern nach dem leeren Veji über-siedeln wollte. Nur mit Mühe gelang es den Patriziern, dieses Vorhaben zuvereiteln, und damit nie mehr ein ähnlicher Gedanke aufkäme, wurden dieHäuser in Veji dem Volke zum Abbruch überlassen und der Boden verwünschtzu ewiger Öde. Kaum war Rom in der Eile mit engen und krummen Straßenund kleinen Wohnhäusern wieder aufgebaut, als die Patrizier alle ihre Vor-rechte von neuem in Anspruch nahmen und zunächst die Schuldgesetze mitder alten Strenge wieder in Anwendung brachten. Der Retter des Kapitals,M. Manlius (Capitolinus), nahm sich der bedrängten und verarmtenPlebejer an, zog sich aber dadurch den Haß seiner Standesgenossen in solchemGrade zu, daß sie ihn unter dem nichtigen Vorwande, er strebe nach der könig-lichen Gewalt, zum Tode verurteilten, woraus er vom tarpejischen Felsen»ss. gestürzt, sein Haus geschleift und sein Andenken gebrandmarkt wurde. — Aberdiese Härte gegen den volksfreundlichen Mann riß die Plebejer aus ihrer»77. Trägheit. Zwei mutige und talentvolle Volkstribunen, Licinius Stolo undL. Äeptius, machten folgende drei Gesetzesvorschläge: 1. Es sollen wiederKonsuln erwählt werden, aber der eine davon stets ein Plebejer sein.2. Kein Bürger dürfe mehr als 500 Jugeren (Morgen) von dem Gemeinlandein Erbpacht besitzen; das übrige sollte in kleinen Losen den Plebejern alsEigentum angewiesen werden. 3. Von dem Schuldkapital sollte der bereitsbezahlte Zins abgezogen und der Rest in drei Jahresfristen getilgt werden.Düse Anträge wurden von den Patriziern zehn Jahre lang aus allen Kräftenbekämpft; aber alle ihre Anstrengungen scheiterten an der Festigkeit der beidenTribunen, welche die Beamtenwahlen und die Aushebung hmderten. Die3«e. Anträge wurden zu Gesetzen erhoben und dadurch die Vorrechte der Patriziererschüttert. Zwar blieben noch die Priesterämter, die neugeschaffene Würdeeines Prätors für die bürgerliche Rechtspflege und einige andere Stellen imAlleinbesitz der Patrizier, aber nach wenigen Jahrzehnten wurden die Plebejerauch zu diesen zugelassen, so daß die völlige Gleichstellung der beidenStände erfolgte. Die Bürgereintracht (Konkordia), der Camillus kurzvor seinem Tod am Fuße des Kapitals ein Heiligtum weihte, ein Denkmalder Sühnun-g des alten Zwistes, führte nunmehr eine Zeit der Bürgertugendund Heldengröße herbei.