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§. 111 -
Geschichte der alten Welt.
suln auf ihr Verlangen gefesselt den Sammlern. Diese nahmen jedoch die über-sandten Heerführer nicht an und verschonten noch außerdem großmütig dieGeiseln, deren Leben nach dem Kriegsrecht verwirkt war. Voll Scham undErbitterung erhob sich jetzt Rom aufs neue. Die folgenden Feldherren, beson-ders der rasche Papirius Cursor (Nenner) und Fabius Maximus, streng-ten alle Kräfte an, um die Schmach wieder auszumerzen, und ihre Unterneh-mungen waren von solchem Erfolge gekrönt, daß die Samniter nach einigenJahren die Angriffe der Römer nicht mehr allein zu bestehen vermochten undsich nach fremder Hilfe umsehen mußten. Sie verbanden sich zuerst mit denEtruskern und den kleineren Völkerschaften sabellischen Stammes. Aber mitder Zahl der Feinde wuchs Roms Energie. Nach mehreren glücklichen Waffen-gängen wurden die Gegner teils unterworfen, teils zu Sönderverträgen ge-3°'- bracht. Selbst die Samniter schlössen einen Frieden, der jedoch nur von vor-übergehender Dauer war. Besorgt über die zunehmende Macytvergrößerungder Römer, erhob nach sechs Jahren das freiheitliebende Volk abermals die2"»- Waffen. Diese neue Schilderhebung wird als dritter Samniterkrieg be-zeichnet. Die Samniter vereinigten sich mit den Nmbrern, Galliern undEtruskern, die von Roms Eroberungssucht gleichfalls bedroht waren, undum ihren neuen Bundesgenossen näher zu sein, verließen sie ihr verwüstetesLand und zogen nach Umbrien. Aber die Schlacht bei Sentmum, welchedurch die Todesweihe des jüngern Deeius Mus, der das Beispiel seines Vatersnachahmte, zum Vorteil der Römer entschieden ward. brach die letzte Hoffnungder Verbündeten. Bald nachher fiel ihr großer Feldherr Pontius in dieHände der Römer. Mag es der Sieger von Caudium selbst oder seinSohn gewesen sein, immerhin war es eure des römischen Volkes unwürdigeThat, daß man ihn in Ketten nach der Tiberstadt führte und ihn im Kerkereines gewaltsamen Todes sterben ließ. Umsonst versuchte die heilige Scharder Samniter noch einmal ihre Kräfte und ihr gutes Schwert an den Römern;Curius Dentatus brachte ihnen eine zweite Niederlage bei, in der die samniti-sche Jugend, der Stolz der Nation, die Wahlstatt mit ihrem Blute tränkte.Nun mußten die Samniter und ihre Verbündeten, die Umbrer, Etruskerund Senonischen Gallier, die Oberhoheit Roms anerkennen und als Bun-desgenossen den Siegern Heeresfolge leisten. Die Römer versicherten sich derunterworfenen Länder durch zahlreiche Militärkolonieen, behandelten aber dieüberwundenen mit kluger Milde.
Z. 111. Während der Samniterkriege hatten sich die reichen, verweichlich-ten und feigen Tarentiner zweideutig benommen, römische Schisse aufgebrachtund einen römischen Gesandten, der einen billigen Vertrag anbot, verhöhnt.Kaum waren daher die Römer vollends Meister ihrer Feinde geworden, sorichteten sie ihre Waffen gegen Unteritalien. Da riefen die Tarentiner denkriegerischen Pyrrhus, König von Epirus, zu Hilfe, der diese Gelegenheit zuKriegsruhm und Eroberungen gern ergriff und mit einem buntgemischteuHeere nach Italien übersetzte. Ein ritterlicher Mann voll Tapferkeit, Helden-mut und edler Sitte war der Epirotenfürst ein würdiger Gegner Roms. Teilsdurch seine treffliche Schlachtordnung, teils durch die den Römern unbekannten«o.27o.Elesanten war Pyrrhus in zwei Schlachten siegreich, und der Senat schiennicht abgeneigt, mit dem Gegner, welcher bereits auf Rom losrückte, einenFrieden abzuschließen. Aber der blinde Appius Claudius, der sich in dementscheidenden Augenblicke in den Senat führen ließ, widerriet dieses Vorhabenund brachte die Versammlung zu der Antwort, daß erst nach dem Abzug desFeindes aus Italien über einen Frieden unterhandelt werden könnte; mit einemsiegreichen Feinde werde Rom nie Frieden schließen. Dieser Grundsatz, hier