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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 118. 119. 0. Das Römerrcich. 9L

einzudringen. Vor den Mauern von Spoletium zurückgeschlagen, zog er esvor, unweit der östlichen Meeresküste verheerend nach Apulien vorzurücken,um die Völker Unteritaliens zum Abfall zu bringen.

§. 118. Hier stellte sich dem karthagischen Feldherrn ein Mann entgegen,der ihm durch Vorsicht und kluge Besonnenheit große Schwierigkeiten berei-tete — der Diktator Fabius Maximus der Zauderer (Cunctator). DieserMied eine offene Feldschlacht, verfolgte aber das feindliche Heer auf Schritt undTritt und zog von jeder ungünstigen Stellung desselben Vorteil. In Kom-panien brachte er es durch Besetzung der Berghöhen in eine so schlimme Lage,daß sich Haunibal nur durch eine List (indem er Ochsen mit brennenden Reisig-bündeln an den Hörnern den Berg Hinantrieb und dadurch den Feind täuschte)zu retten vermochte. Diese Vorsicht des Feldherrn und die feste Treue der Bun-desgenossen hielten Rom aufrecht. Wer das Murren des unverständigen Vol-kes über die zögernde Kriegsführung bewog im.folgenden Jahre den KonsulTerentius Varro, gegen den Rat seines Kollegen Ämilius Paullus, abermalseme Schlacht zu wagen. Da erfolgte die schreckliche Niederlage der Römerbei Cannä, wo die Zahl der Erschlagenen so groß war, daß Hannibal dreiScheffel goldener Ringe, die von den Armen der getöteten Ritter abgestreiftworden, nach Karthago geschickt.haben soll. Unter den Gefangenen befand sichauch der hochherzige. Paullus Ämilius. Wie der Schlachttag an der Allia(8-106) wurde auch der Tag bei Cannä als Büß- und Bettag im römischenKalender schwarz verzeichnet. Der unerschütterliche Senat bewahrte jedochMut und Fassung; alle, welche bei Cannä geflohen waren, wurden für ehrloserklärt und aus dem Heer gestoßen, und dem heimkehrenden Konsul dankte derSenat, „daß er nicht verzweifelt habe an der Rettung des Vaterlandes". DieParteien versöhnten sich und wetteiferten in patriotischer Hingebung.

.8- HO. Hannibal hielt nicht für ratsam, mit seinem geschwächten Heeresogleich auf Rom loszurücken, sondern überwinterte in der reichen und üppigenStadt Capua. Hier wurden aber seine rauhen Krieger verweichlicht und ver-loren die Kampflust. Dagegen machten die Römer mit ungemeiner Rührigkeitneue Rüstungen, so daß sie im Frühjahr frische Truppen ins Feld schickenkonnten, während Hannibals Heer von Karthago aus nicht verstärkt wurde.Zwei glückliche Tressen füllten die Römer mit Mut und setzten sie instand,me Städte in Unteritalien und Sicilien, die nach der Schlacht bei Cannä zuHannibal abgefallen waren, zu züchtigen. Marcellus schiffte nach Sicilienüber und belagerte Shrakus, das sich unter dem Beistand des erfindungs-reichen Mathematikers und Physikers Archimedes mit Tapferkeit und Glückverteidigte, so daß Marcellus nur durch die größte Anstrengung nach drei-jähriger Belagerung Herr der Stadt wurde. Schrecklich war die Rache derRömer; die Soldaten mordeten und plünderten ; Archimedes ward über seinenStudien erschlagen; die schönsten Kunstwerke wurden nach Rom gebracht undShrakusens Glänz war für immer dahin. Ein gleiches Schicksal traf Capua.Zwei römische Legionen hielten die Stadt enge umlagert; die geängstigten Ein-wohner riefen Hannibals Hilfe an, worauf dieser vor die Thore RomsDickte, in der Hoffnung, die Römer würden zur Rettung der Hauptstadt herbei-kllen und von der Belagerung ablassen. Groß war oie Aufregung in Rom,Ps die Flammen der angezündeten Ortschaften und Gehöfte die Nähe desFeindes ankündigten, und das Schreckenswort „Hannibal vor den Thoren"schwand nie aus der Erinnerung. Aber der Zweck des Zuges, der Griechen-stadt Rettung zu verschaffen, wurde nicht erreicht. Ein Teil des Belagerungs-heeres genügte, um in Verbindung mit andern Truppen Hannibal zum Rück-zug aus der verwüsteten Umgegend Roms zu nötigen, an den andern TeiL