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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt.

Z. 126 .

geführten Werke griechischer Kunst und Litteratur erzeugten in dem edleren und em-pfänglicheren Teile der Nation Geschmack für Bildung und weckten neue Gefühleund Anschauungen. Eine mächtige Partei, die Scipionen, Marcellus, Fla-mininus u. a. an der Spitze, begünstigte hellenische Weisheit, Poesie und Kunst,hegte und unterstützte griechische Gelehrte, Dichter und Philosophen und suchte mitden Kunstschätzen auch Geist und Sprache des besiegten Volks nach Rom zu ver-pflanzen. Unter dem Schutze der Scipionen dichteten römische Dichter nach grie-chischen Vorbildern. So die Komödiendichter Plautus und Terentius, welcher^rentiusletztere bei seinen Arbeiten von dem jüngern Scipio und dessen Freund Läliusunterstützt worden sein soll. Von Plautus besitzen wir noch zwanzig, von Terentiusnoch sechs Stücke, die von neuern Dramendichtern häufig nachgebildet wurden. Dajedoch der Sinn der Römer ganz auf das Praktische, auf Kriegswesen, Staats-verwaltung und Rechtspflege gerichtet war, so konnte die geistige Bildung niezu solcher Höhe gelangen wie bei den Griechen; auch fand das Volk mehr Geschmackan sinnlicher Schaulust, an rohen Fechterspielen und Tierkänrpfen, als an den Er-zeugnissen der Kunst und an den Gaben der Musen. — Doch nicht bloß Kunst undLitteratur entlehnte man; auch die Eleganz und Verfeinerung in den häuslichenEinrichtungen, den Luxus und die Verschwendung in Kleidung und Mahlzeiten, dieGlätte und Abgeschliffenheit im geselligen Verkehr, die Sinnengenüsse und üppigenLebensfreuden nahm man von den griechischen und morgenländischen Völkern an.Mit den Reichtümern und der Kultur erbten die Sieger auch die Lüste und Lasterder unterjochten Völker. Da hierdurch die altväterlichen Sitten, Zucht, Einfachheit,Mäßigkeit und Abhärtung-bedroht wurden, so trat eine Gegenpartei, an ihrer SpitzeM. Porcius Cato, den Neuerungen ernstlich entgegen. Die Strenge, womit diesermerkwürdige Mann als Censor die neue Richtung bekämpfte, hat seinen Namenzum Sprichwort gemacht. Auf sein Zuthun wurden die griechischen Philosophenaus Rom verbannt, die Rednerschulen geschlossen, die unsittlichen Bacchussesteund andere der Fremde entlehnte Religionsgebräuche untersagt, die Scipionen alsSittenverderber bestraft, Gesetze gegen Schwelgerei und Prunksucht erlassen. Undum der neuen Litteratur mtgegen zu wirken, verfaßte er selbst Schriften über denLandbau, auf welchem Roms alte Größe beruhte, und über die altitalischenVölkerschaften, deren Einfachheit und Sittenreinheit er der beginnenden Ent-artung seiner Zeit entgegenstellen wollte. Aber das eigene Beispiel Catos, der inseinem hohen Alter noch Griechisch lernte, beweist, daß strenge Anhänglichkeit andas Alte und Herkömmliche den neuen vorwärts eilenden Bestrebungen immer erliegt.

III. Roms Entartung und die republikanischen Parteikämpfe.

1. Ilnmantia. Tilierius und Cajus Gracrhus.

ß. 126 . Je mehr das römische Reich an Umfang zunahm, desto mehrschwand der Heldensinn, die Bürgertugend und das Vaterlands-gesühl, welche Roms Größe begründet hatten. Aus den Reichen und Vor-nehmen bildete sich eine neue Geschlechter- und. Familien-Aristokratie, welche,wie früher die Patrizier, alle Würden und Ämter an sich riß. Um den vonden Ahnen überkommenen Ruhm durch Siege und Triumphzüge zu vergrößern,suchten sie stets neue Kriege, deren Führung ihnen allein zufiel, und um dieReichtümer, auf denen der Glanz und die Macht der Familie beruhte, nichtzu verringern, sich aber doch allen Genüssen und Lüsten hingeben zu können,wurden die Provinzen ausgesogen, von den Klienten und SchutzbefohlenenGeschenke und Abgaben erpreßt. Als Prokonsuln und Propräturenleiteten die „Optimalen", die Männer der neuen Nobilität mit einer Scharvon Schreibern und Unterbeamten die Verwaltung und Rechtspflege in