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Geschichte der alten Welt.
Z. 128. 129.
vom Gemeinland besitzen, das übrige dürftigen Familien in kleinen Losen alsEigentum zugeteilt werden sollte. Darüber erhoben die Vornehmen einenfurchtbaren Sturm und gewannen einen andern Volkstribun, daß er dem Vor-schlag entgegentrat. Nach römischem Recht konnte aber kein Antrag zum Gesetzerhoben werden, wenn nicht alle zehn Volkstribunen einig waren. Deshalbließ sich Gracchus zu dem ungesetzlichen Schritt verleiten, seinen widerstreben-den Kollegen durch das Volk absetzen zu lassen, und verletzte somit die Heilig-keit der Tribunenwürde. Dies gab seinen Gegnern Grund zu der Verdäch-tigung. als sinne Gracchus auf den Umsturz der Verfassung, um sich königlicheGewalt anzueignen. Er verlor allmählich die Gunst des irregeleiteten Volksund wurde bei einer neuen Tribunenwahl mit 300 seiner Anhänger auf demKapitolium von den Optimalen und ihrem Anhang erschlagen. Zu spät er-kannte das Volk seine Täuschung und ehrte seinen hochherzigen Vorfechterdurch Errichtung einer Bildsäule.
8-128. Dieser Ausgana schreckte den jüngern, talentvolleren BruderCasus Gracchus nicht ab, zehn Jahre später aufs neue die Alkcrgcsetzc zu be-antragen und damit noch ein Korngcsetz (wonach Getreidespendungen aus denöffentlichen Vorratshäusern um einen geringen Preis an die ärmeren Bürgerstattfinden sollten) und andere volkstümliche Vorschläge zu verbinden. Seinegroße Beredsamkeit und sein menschenfreundliches Bestreben verschafften ihmeinen mächtigen Anhang unter den niederen Volksklassen, deren augenblicklicheNot er durch Straßenbauten, durch öffentliche Arbeiten und vor allemdurch Auswanderung nach einer neuen Kolonie, welche durch Volksbeschluß indem Gebiete von Karthago angelegt werden sollte, zu lindern suchte. An derSpitze zahlloser Proletarierscharen durchzog er Stadt und Land; niemandwagte dem Demokratenführer zu widerstehen, seitdem der große Scipio Afri-kanus Ämilianus, der gegnerisch gesinnte Schwager der Gracchen eines morgensals Leiche mit Spuren der Ermordung in seinem Bette gefunden worden. Alsaber der Volkstribun, von seinem heftigen Freund Fulvius Flaccus gedrängt,den Antrag stellte, das römische Bürgerrecht den Bundesgenossen zuverleihen, um seinen Anhang und seine Macht zu verstärken, gerieten dieVornehmen in Angst und suchten ihn zu verderben. Wie bei dem Brudertrat auch jetzt ein von der Adelspartei gewonnener Tribun, Livius Drusus,den Vorschlägen entgegen und machte dre leichtgläubige Menge, die ohnediesdurch die Mehrung der römischen Bürger materielle Nachteile für sich selbstfürchtete, durch Versprechung anderer Vorteile von dem ehrsüchtigen Dema-gogen abwendig. Bei einer Volksversammlung erhob sich ein furchtbarerKämpf zwischen der Aristokratenpartei, den Konsul Opimius an der Spitze,und den Anhängern des Gracchus und Fulvius. Die Letzteren erlagen. Ful-vius und 3000 seiner Gefährten wurden erschlagen und ihre Leichen in dieTiber geworfen. Gracchus floh in einen Hain jenseits des Flusses und ließsich von einem Sklaven das Schwert in die Brust stoßen. Ihre Gesetze undEinrichtungen wurden vernichtet, ihre Gesinnungsgenossen mit Tod, Kerkerund Verbannung bestraft. Jetzt waren die Aristokraten mehr als je Gebieterder Republik. Säe ächteten das Andenken der Gracchen, aber um so größerwar die Verehrung, welche das Volk dem edlen Brüderpaar im Tode zollte.
2. Die Zeiten des Manns und Zulla.
8.129. Der jugurtl,mische Krieg (112-1051. Die Aristokraten schän-deten ihre Herrschaft durch Habsucht und Bestechlichkeit, alles Rechts- undEhrgefühl beiseite setzend. Im Vertrauen auf diese sittliche Entartung undauf die in Rom waltende Käuflichkeit tötete Jugurtha, der schlaue, kriegsge-