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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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IOI.

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Geschichte der alten Welt.

8. 131.

8 .

V0-88.

durch Tirol und das Mußthal der Etsch in Oberitalien eingebrochen, über-ließen sich aber hier sorglos den Genüssen, die das reiche Land bot, bis sie vonMarius, der sich mit seinem Kollegen Lutatius Catülus vereinigt hatte,auf der Raudischen Ebene bei Vercellä eine ähnliche schreckliche Niederlage er-litten. Der rauhe Heldenmut dieser Germanen, die sich und ihre Kinder schlach-teten, um nicht dem Los der Knechtschaft zu verfallen, ließ die Römer erbeben.Kleine Reste der Cimbern suchten Schutz in den Venetischen Alpen und inden Bergen von Tirol, wo sich, wie man glaubt, ihre Nachkommen noch bisaus den heutigen Tag erhalten haben. Die Schlacht bei Vercellä verlieh demParteihader neue Stärke, indem der Demokrat Marius die Ehre des Tages fürsich ansprach, die doch nach der Meinung der Aristokraten dem Catulus gebührte.

ß. 131. Der Bunbesgenossenkneg. Ein sechstes Konsulat lohnte Ma-rius, den Retter Italiens, den Stolz und die Hoffnung der Volkspartei. Unterseinem Beistande erlangte diese nunmehr das Übergewicht, daher sich die Ari-stokraten um Cornelius Sulla scharten, einen staatsklugen, ehrgeizigen undkriegskundigen Mann, der die Bildung und Kunstliebe der Vornehmen mitallen ihren Lastern und Sinnengenüssen in sich vereinigte, und in dessen starkemKörper ein noch stärkerer Geist wohnte. Von der Zeit an standen sich die zweimächtigen Parteien, die Demokraten unter Marius und die Aristokratenunter Sulla, kampfgerüstet gegenüber. Das gesetzwidrige Gebühren des be-redten Volkstribuns Saturninus, der, von dem Konsul Marius heimlichunterstützt, mit seiner Rotte die Volksversammlung beherrschte und, um seinenAnhang zu vermehren, Getreidespenden an die Armen und Verteilung vonLändereien in Gallien und Nordafrika an die Soldaten des Marius in Antragbrachte, war das Vorspiel des furchtbaren Parteikampfes, der immer drohenderheranrückte. Die Verbannung des stolzen, aber rechtschaffenen Metellus, dersich weigerte, die Ausführung des Volksbeschlufses zu beschwören, sollte dieSenatoren von jedem Widerstand abschrecken; durch Mord und Frevelthatenverschaffte Saturninus sich selbst die Verlängerung seines Tribunats und seinemGenossen, dem ruchlosen Glaucia, die Konsulwürde. Marius schämte sichseiner Genossen und sagte sich von ihnen los. Dies gab der Optimatenparteiden Mut, den Gegnern mit größerer Entschlossenheit zu widerstehen. Dasgesetzlose Treiben der Faktionen zerriß nunmehr alle Bande der Ordnung undsteigerte die Volksaufregung bis zum offenen Ausstand und Straßenkampf-Die Demokraten erlagen, ihre Führer wurden mit vielen Gefährten auf demRathaus von der vornehmen Jugend mit abgedeckten Dachziegeln ermordet.Damit wurde jedoch die Ruhe nicht hergestellt; die verarmte Volksmaffe unddie italischen Bundesgenossen, denen man das römische Bürgerrecht in Aussichtgestellt hatte, waren stets zu Unordnung und Gewaltthat bereit. Umsonstwarf sich Livius Drusus der Jüngere, ein Mann von vaterländischer Ge-innung, aber ungestümer Natur, zum Vermittler und Friedensstifter auf, in-nern er der Verarmung durch Ackergesetze, Auswanderung und Kornspenden zuteuern und den Bundesgenossen das römische Bürgerrecht zu erwirken suchte;ein Vorhaben scheiterte an der Hartherzigkeit der Vornehmen; er wurde inseiner eigenen Hausflur, als er eben die ihn geleitende Menge verabschiedete,von einer Mörderhand so sicher getroffen, daß er wenige Stunden nachherstarb. Der Thäter wurde nicht entdeckt und Drusus' Gesetzesvorschläge blie-ben unausgeführt. Da griffen die getäuschten Bundesgenossen, die Drusus zuseinem Beistand aufgerufen und durch Versprechungen für seine Pläne begei-stert hatte, zu den Waffen, um sich entweder von Rom loszureißen oder dieversagte Rechtsgleichheit zu erringen. Dies führte den gefährlichen Bundes-genossenkrieg herbei. Alle Völker sabellischen Stammes, die streitbaren Sam -