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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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§. 134.

Geschichte der alten Welt.

auch noch durch eine große Geldsumme und durch Abtretung der pontischenFlotte entschädigt ward. Die abgefallenen Städte und Landschaften wurdenan Geld und Gut schwer gestraft. Mmbria, von Sulla bedroht und von seinenSoldaten verlassen, tötete sich selbst in einem Tempel zu Pergamum. — Unter-dessen war Marius von den Trümmern Karthagos wieder nach Italienzurückgekehrt, hatte eine Bande verwegener Menschen um sich gesammelt undwar, m Verbindung mit den Demokratenführern Cinna und Sertorius,vor die Thore Roms gerückt. Die durch Hunger und Zwietracht geschwächteStadt mußte sich ergeben, worauf Marius seinem Rachegesükl freien Laus ließ.Scharen roher Soldaten durchzogen raubend und mordend die Hauptstadt.Die Führer der Aristokratenpartei, unter ihnen die angesehensten und berühm-testen Senatoren und Konsularen, wurden erschlagen, ihre Häuser geplündertund verwüstet, ihre Güter eingezogen, ihre Leichen den Hunden und Raubvögelnpreisgegeben. Nach Sättigung seiner Rache ließ sich Marius zum siebentenMal zum Konsul wählen und erreichte so das Ziel, das ihm einst in der Jugendein Orakelspruch zugesichert und dem er mit kindischem Aberglauben seit vielenJahren rastlos nachgejagt war. Die furchtbare Aufregung, in welche ihn dieeigene Mordwut und dre mit Neid gepaarte Furcht vor Sullas Glück undRache versetzten, scheuchte die Ruhe aus seiner Seele; rastlos trieb er sich um-her und suchte sich durch Wein zu betäuben, bis ein hitziges Fieber mit wildenPhantasiebildern seinem Leben ein Ende machte. Zwei Jahre später wurdeCinna in einem Soldatentumult getötet.

§. 134. Im Jahre 83 v. Chr. landete Sulla, nach Beendigung des erstenMithridatischen Kriegs, in Italien, und rückte, unterstützt von den Aristokra-ten, auf Rom los. In Unteritalien schlug er in mehreren Treffen die demo-kratischen Konsuln, trieb den jüngern Marius, der vor seinem Weggangaus der Hauptstadt den ehrwürdigen Oberpriester Q. Scävöla und andereHäupter der Gegenpartei hatte niederstoßen lassen, in der festen Stadt Prä-neste durch enge Belagerung zum Selbstmord und vernichtete dann in einermörderischen Schlacht vor den Thoren Roms die Marianer und empörtenSamniter, von denen 4000 Gefangene vor den Augen des zitternden Senatsim Cirkus niedergestoßen wurden. Hunderttausend Menschenleben hatte derBürgerkrieg schon weggerafft, als Sulla, „der Glückliche" genannt, zurVervollständigung seines Siegs die Achtungstafeln (Proskriptionen) be-kannt machte, auf welchen die Namen derjenigen Marianer standen, die getötetund ihrer Habe beraubt werden durften. Dadurch wurden alle Bande desBluts, der Freundschaft, der Anhänglichkeit und Pietät zerrissen; Söhne wur-den Wider ihre Väter, Sklaven Wider ihre Herren bewaffnet; Angeberei wardbelohnt; Schrecken und sittliche Entartung herrschten überall. Sulla, auf un-bestimmte Zeit zum Diktator ernannt, erließ hierauf die Cornelischen Gesetze,wodurch die ganze Staatsgewalt in die Hände der Aristokraten kam, dieMacht der Volkstribunen gebrochen, die Rechtspflege und Besteuerung neugeordnet wurde. Nach Vollendung dieser Einrichtungen legte Sulla sein dik-tatorisches Amt nieder und zog sich auf sein Landgut zurück, wo er baldstarb, sei es an einem Blutsturz, sei es an einer schrecklichen Krankheit,die er sich sowohl durch Schweigern und übermäßigen Sinnengenuß, alsauch durch seine aufregende und angestrengte Lebensweise zugezogen.Seine Leiche wurde in endlosem Zuge nach Rom getragen und unter groß-artigen Trauerfeierlichkeiten auf dem Marsfelde den Flammen übergeben.Ohne Glauben an eine höhere Weltordnung hatte er seinem Glücke undseinem starken Geiste vertraut und durch pünktliche Beobachtung abergläu-bischer Religionsvorschriften die Stimme seines Gewissens zu ersticken gesucht.