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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt. Z. 154. 155.

seine Gemahlin Agrippina und die meisten Glieder seines Hauses erlagen inwenigen Jahren den Nachstellungen und Verfolgungen Sejans. Und als obdie Natur sich mit der Grausamkeit des Herrschers zum Verderben der Mensch-heit verbunden hätte, wurde das Reich noch durch Unglücksfälle aller Art heim-gesucht, durch Feuersbrünste, durch ein verheerendes Erdbeben, welches viele derschönsten und reichsten Städte Kleinasiens in Trümmerhaufen verwandelte,durch den Einsturz eines überfüllten Amphitheaters in Fidenä. Die letztenJahre brachte der finstere, von Mißtrauen und Menschenfurcht gepeinigteTiberius auf der Insel Capreä (Capri) in Unteritalien zu, wo er sich inMenschcnverachtung von der Welt abschloß, indes Sejan in Rom arge Frevelbeging und sogar des Tiberius einzigen Sohn, Drusus, durch Gift aus demWege räumte. Als der Günstling zuletzt um die Hand der verwitwetenGattin des Drusus warb und deutlich zu erkennen gab, daß er nach demsi. Thron strebe, erhielt der Senat den Befehl, ihn zu töten. Von Alter und Krank-heit niedergebeugt, faßte Tiberius endlich den Entschluß, nach Rom zurückzu-kehren; aber auf seinem Landgute in Unteritalien fiel er in eine todähnlicheOhnmacht, was einige seiner Begleiter bewog, seinen Großneffen Caligula alsKaiser zu begrüßen. Allein Tiberius erholte'sich wieder, worauf jene. um demdrohenden Verderben zu entgehen, dem zögernden Tod durch Ersticken mitKissen zu Hilfe kamen. So starb Tiberius in seinem achtundsiebzigsten Lebens-27- jähr eines gewaltsamen Todes.

Mui» 8-154. Sein Nachfolger Caj. Caligula, der unwürdige Sohn des edeln' Germaniens und der hochsinnigen Agrippina, war ein blutdürstiger Tyrann,der zu seinem Vergnügen Todesurteile unterschrieb und vollstrecken ließ; einwahnwitziger Verschwender, der die unsinnigsten Bauwerke unternahm; einhochmütiger Prahler, der prunkende Triumphzüge über die Germanen undBriten hielt, deren er kaum ansichtig geworden, und sich göttliche Ehre erweisenließ; ein Schlemmer, dessen schwelgerische Tafel unermeßliche Summen ver-schlang. Müde der endlosen Hinrichtungen, Gütereinziehungen und Erpressun-gen, bildeten einige vornehme Römer aus der Umgebung des Hofes eine Ver-schwörung, in deren Folge zwei Gardehauptleute den aberwitzigen Tyrannenin dem Kaiserpalast ermordeten, worauf die Prätorianer dessen Oheim, den

Tl-Ndius schwachen Claudius, nachdem sie ihn zitternd aus dem Verstecke gezogen, auf' den Thron erhoben. Dieser wurde von Höflingen und Weibern geleitet; Günst-linge, besonders die Freigelassenen Narerssus und Pallas, bekleideten die erstenÄmter und erwarben sich große Reichtümer auf Unkosten des Volks, während desKaisers Gemahlin Messalina sich allen Lüsten ergab und Sitte und Anstandmit Füßen trat. Zuletzt erteilte der Kaiser Befehl zu ihrer Hinrichtung undvermählte sich dann mit seiner herrschsüchtigen, sittenlosen Nichte, der jüngerenAgrippina, die jedoch den schwachen, Weibersüchtigen Mann bald durch Giftaus der Welt schaffte, um ihren verdorbenen Sohn erster Ehe, Claud. Nero,auf den Thron zu bringen.

S^-K8. 8-155. Die Milde, die Nero im Anfang seiner Regierung zeigte, ging

bald in die ausgesuchteste Grausamkeit über. Er, der einst bei der Unterzeich-nung eines Todesurteils wünschte, nicht schreiben zu können, ließ nicht nur alleMänner, in denen sich noch Bürgertugend und Römersinn zeigte, verfolgen undhinrichten und ihr Gut einziehen, sondern er wütete auch gegen seine nächstenAngehörigen. Sein Stiefbruder Britannicus starb durch Gift an der kai-serlichen Tafel; seine Mutter wurde zuerst auf einem Schiff ins Meer versenktund. als sie sich rettete, von nachgesandten Mördern getötet; seine tugendhafteGemahlin Octavia, des Claudius Tochter, fand, auf eine einsame Insel ver-bannt, im überheißen Bade einen gewaltsamen Tod. Eine Verschwörung, in