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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt. Z. 159. 160.

Übermacht besiegt und in die Hauptstadt gedrängt, die zuerst von Vespasian, dannnach der Erhebung desselben auf den Kaiserthronvon dessen Sohn Titus belagertwurde. In der von Menschen überfüllten Stadt entstanden bald Hungersnotund Seuchen, die taufende ins Grab stürzten. Umsonst bot der Feldherr Gnade,wenn sie sich unterwerfen würden; Wut und blinder Religionseifer trieben dieJuden zum verzweiflungsvollen Kampfe. Vom Tempel aus verteidigten siesich mit Todesverachtung, bis nach Eroberung der Stadt das Prachtgebäude inFlammen aufging und der Tod in jeglicher Gestalt unter den Besiegten wütete.Dann folgte die gänzliche Zerstörung Jerusalems. Unter den Gefangenen,die dem Siegeswagen des Feldherrn folgten, befand sich der jüdische Geschicht-schreiber dieses Kriegs, Josephus. Noch jetzt zeigt der Triumphbogen desTitus in Rom die Abbildungen jüdischer Heiligtümer, die damals in die Welt-stadt wandern mußten. Groß war der Druck, den von nun an die Zurückblei-benden unter der römischen Herrschaft zu leiden hatten, als aber sechzig Jahrenach der Zerstörung vom Kaiser Alius Hadrianus eine heidnische Kolonie aufdem geweihten Boden Jerusalems, das fortan Älia Capitolina heißen sollte,angelegt und auf der Höhe, wo einst Salomos Jehovahtempel gestanden, einJupitertempel errichtet wurde, da griffen die Juden, verführt von dem Fa-natiker Simon, der sich den Namen „Sohn des Sterns" beilegte und denmessianischen Glauben des Volks zu neuer kriegerischer Begeisterung belebte,>» 2 - nochmals zu den Waffen, um diese Schmach abzuwenden. In einem dreijäh-rjgen mörderischen Kriege, in welchem über eine halbe Million Eingebornererschlagen wurden, erlagen sie der römischen Kriegskunst. Die Überlebendenwanderten massenweise aus, das Land glich einer Wüste und der jüdische Staatnahm hiermit sein Ende. Seitdem leben die Juden über den ganzen Erdbodenzerstreut, unvermischt mit andern Völkern und treu ihren Sitten, ihrer Religionund ihrem Aberglauben. In der Folge erlaubte man den Verbannten, jährlicheinmal gegen eine Geldabgabe aus den Ruinen ihrer heiligen Stadt zu weinen.

Z. 159. Unter Vespasian eroberte der hochherzige Ägricöla, der Schwie-gervater des Geschichtschreibers Tacitus (Z. 152), von dem auch dessen Lebenbeschrieben worden ist, Britannien bis zu den Hochlanden Caledoniens(Hochschottlands) und führte römische Einrichtungen, Sitten und Sprache da-selbst ein. Beinahe vierhundert Jahre blieb nunmehr Britannien den RömernUnterthan. Die Druidenreligion wich allmählich dem römischen Heidentumund die fremde Kultur schlug bald feste Wurzeln im Lande. Aber durch dieCivilisation, für deren Güter und Genüsse die Eingebornen sich bald empfäng-lich zeigten, erlahmte die kriegerische Kraft des Volkes, daher die Briten in derFolge den Angriffen der rauhen Caledonier (Picten und Scoten) eben sowemg zu widerstehen vermochten, als die von Hadrian angelegte Picten-mauer (verschanzter Wall) deren Einfälle abhielt.

?s^i. 8-160. Auf den einfachen, kräftigen Vespasian folgte sein Sohn Titus,

' der nach seiner Thronbesteigung die Fehler und Sünden seiner Jugend ablegteund ein so edler Fürst wurde, daß man ihn die „Liebe und Wonne desMenschengeschlechts" nennen konnte. Unter seiner Regierung zerstörte einfurchtbarer Ausbruch des Vesuvius die Städte Herkulauum, Pompejiund Stabiä. „Bei diesem Ausbruch fand der wißbegierige NaturforscherPlinius der Altere seinen Tod durch den Qualm, wie sein Neffe Pliniusder Jüngere, der Freund und Lobredner des Kaisers Trajan, in zwei Briefenan den Geschichtschreiber Tacitus berichtet. Die vor etwa hundert Jahren be-gonnene Ausgrabung dieser verschütteten Städte, namentlich Pompejis, warfür die Kunde des Altertums wie für den Kunstgeschmack unserer Tage vonder höchsten Wichtigkeit.