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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt. Z. 163. 164-

163. Hadrians Adoptivsohn, der schlichte, wohlwollende Antonilllls»8- her Fromme (Pius), war eine Zierde des Throns. Von dem Grundsatz aus'gehend, „daß er lieber einen Bürger erhalten als tausend Feinde töten wollte",mied er den Krieg, um seine ganze Sorge den Künsten des Friedens zuzuwen-den. Rechtspflege, Bildungsanstalten und Armenwesen erfreuten sich seinesbesondern Schutzes, so daß seine Regierung als das goldene Zeitalter derrömischen Kaiserzeit gelten kann. Sem Nachfolger Marcus Aurelius Anto- >»« 1 - ninus der Philosoph war gleich ausgezeichnet im Krieg wie im Frieden- ,' Er beschützte die Ostgrenze mannhaft Wider die Parther und eroberte ihreStadt Seleucia; er drängte in einem langen Kriege die germanischen Völker,die dem Markomannenbunde angehörten, über die Donau zurück, und be-siegte die streitbaren Markomannen auf dem gefrornen Fluß und die Qua-d en in ihrem eigenen Lande. Als sie einige Zeit nachher abermals über dieGrenzen einbrachen, unternahm er einen zweiten Feldzug gegen sie. Auf diesemereilte ihn der Tod in Vindoböna (Wien). Marc Aurel war ein einfacher,abgehärteter Mann, der auf dem Throne der stoischen Tugend und Sitten-strenge treu blieb (§. 91), unähnlich seiner Gemahlin Faustina, des frommenAntonius unwürdiger Tochter, und seinem wollüstigen, schwelgerischenAdoptivbruder und Mitregenten Lucius Verus. Ein Weiser auf dem Thronbeförderte er Bildung und nützliche Anstalten; von seinen edeln Vorsätzenund Bestrebungen zeugt die Sammlung von Betrachtungen in griechischerSprache, die er verfaßt und „An sich selbst" überschrieben hat. Denkmälerund Statuen bewahrten der Nachwelt das Andenken an den weisen und gutenFürsten. Seine Reiterstatue aus Erz und die Antoninssäule schmücken nochheute die Weltstadt Rom.

§. 164. Kultur und Sitten. Zu dieser Zeit herrschte im römischen Reichedie größte Civilisation, so sehr auch das Volk an sittlicher Entartung litt. Künsteund Wissenschaften wurden an den Höfen der Kaiser und in den Palästen der Reichengepflegt und alle Stände nahmen daran teil. Handel und Gewerbe blühten; Wohl-stand und Bildung gaben sich in den volkreichen Städten und in den zierlichenWohnhäusern kund; in Rom und in den bedeutenderen Städten der Provinzen er-hoben sich Lehranstalten. Die Trümmer der Bauwerke, Heerstraßen, Brücken, diewir nicht nur in Italien, sondern auch in Vielen Provinzstädten (Trier, Nimes) nochjetzt bewundern, die Statuen, Särge (Sarkophage) und Altäre mit Basreliefs undInschriften, thönerne und eherne Gefäße (Vasen) von kunstreicher Form, die manaus dem Schoß der Erde gräbt, alles giebt Zeugnis von dem Kunstsinn und derBildung der alten Völker in der Kaiserzeit. Aber diese Bildung glättete nur dieOberfläche. Sittlichkeit, Seelenadel und Charakterstärke fanden keine Geltung; Frei-heit war ein unbekanntes Gut. Das Volk, nicht mehr durch Krieg und Ackerbau ge-kräftigt, verfiel in Weichlichkeit und Wollust; es ergötzte sich an den rohen Gladiä-toren-Spielen und Tierkämpfen in den Amphitheatern und überließ sich denerschlaffenden Genüssen der üppigen Badeanstalten (Thermen), womit die Kaiserdie Hauptstadt reichlich versahen, um die Bürger von ernsten Dingen abzuziehen.s«-«L. Umsonst schwingt P ersius zürnend und mit elegischer Wehmut die Geißel der ernstenS atire über das entartete Geschlecht und sucht alte Kraft, Sittlichkeit und Einfach-zurückzuführen; umsonst enthüllt der geistreiche Juvenälis in seinen gehar-nischten Satiren voll lebenstreuer Schilderungen der Wirklichkeit die furchtbareTiefe der Laster und Gebrechen und straft seine entarteten Zeitgenossen; umsonst ver-? 2 vo. hottet der geistreiche Grieche Lucian in seinen witzigen satirischen Schriften alle be-stehenden Zustände in Philosophie, Religion und Leben, um das Alte zu vernichtenund für Neues und Besseres Raum zu schaffen; menschlicher Rat kam zu spät; nureine höhere Macht konnte die untergehende Welt retten; die Hilfe war bereits erschie-