Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
119
JPEG-Download
 

6. Das Römerreich.

119

8 165. 166.

nen, aber die verblendeten Römer erkannten sie nicht, weil sie nicht im Prunke der

Herrschast.sondernimGewandederDcmuteinherzog. —AuchdieRechtswijsenschast

(Jurisprudenz) gelangte in dieser Zeit zu hoher Blüte. Die verwickelten Verhält-nisse des Staats- und Privatlebens, wie der Mangel an Treue und Redlichkeit imVolke machten die Ausbildung der öffentlichen Rechtsinstitute in allen ihren Ver-zweigungen zur Notwendigkeit. Die Rechtsgelehrten dieser Periode, Gajus, Pap i-nian, Ülpian und Paulus, werden vorzugsweise die klassischen genannt.

5. Rom unter der SUMärherrschast.

§. 165. Mit Commödus, Aurels unwürdigem Sohne, ging Rom immer U","»wehr dem Verfall entgegen. Er war ein roher Wüterich von großer Gestalt - 102 .und Körperkraft, der nur an Fechterfpielen und Tierkämpfen Gefallen fand,auch wohl selbst als „römischer Herkules" zum Kampfe mit Gladiatoren undwilden Tieren m die Arena des Amphitheaters hinabstieg und das Volk aufalle Weife peinigte, bis er zuletzt von feiner eigenen Umgebung ermordet wurde.

Auch sein wackerer Nachfolger Perlmax fand ein gewaltsames, blutiges Ende. d-umnNach feiner Ermordung durch die Leibwache stieg der Übermut der Prätorianerzu solcher Höhe, daß sie den Thron dem Meistbietenden feilboten. Erst Septi- S-vu.Mills Severus bändigte durch unerbittliche Strenge den rohen Trotz der Sol- Severusbaten und befestigte den Thron wieder. Ein rauher Kriegsmann, überwand er Ai?nicht nur feine beiden Mitbewerber um die Herrschaft in Gallien (Albinns)und in Asien (Pescenninus Niger), sondern er erweiterte auch das Reichdurch Eroberungen im Osten, wo er den Parthern Mesopotamien entriß,und schützte die Briten durch neue Schanzen und Grenzbefestigungen gegendie ungestümen Picten und Scoten Caledoniens; da er aber dem Senat seineletzte Macht raubte und sein ganzes Vertrauen aus seine Heere setzte, so wurdeer der eigentliche Gründer der Militärherrschaft. Zur Verherrlichung seinerKnegsthaten in Mesopotamien ließ Septimius den Triumphbogen errichten,der noch jetzt am Eingang des Forums zu sehen ist.

8 - 166. Der Tod des Septimius Severus zu Eboräcum (Pork) in Bri-tannien brachte seinen grausamen Sohn Caracalla an die Regierung, der des C°r--°llaVaters Lehren getreu nur die Soldaten ehrte, die andern Menschen aber mit 217 .Verachtung behandelte. Er ermordete seinen Bruder Geta, der nach des Va-ters Willen in Gemeinschaft mit ihm das Reich regieren sollte, in den Armenseiner Mutter und ließ seinen Lehrer, den großen Rechtsgelehrten Papinian,hmrichten, weil dieser sich weigerte, den Brudermord zu rechtfertigen. Um dieSteuern zu vermehren und sich die Geldsummen für seine Verschwendung undferne Bauwerke zu verschaffen, verlieh er allen Freigebornenim ganzen Reichedas römische Bürgerrecht. Noch jetzt sieht man im Süden von Rom dienesenmäßigen Ruinen der „antoninischen Thermen" mit ihren Wölbungen,

Hallen und Gemächern, ein lautzeugendes Denkmal des Luxus. Nach der Er-mordung des lasterhaften Wüterichs auf einem Feldzuge gegen die Partherdurch die eigenen Soldaten gelangte nach einer kurzen Zwischenregierung seinVerwandter, der Priester des syrischen Sonnengottes, Heliogabalus (Elagaba-lus), aus den Thron, ein weichlicher, grausamer Wollüstling, der durch Ein- 218-fuhrung des sinnlichen Baaldienstes aus Syrien den letzten Rest altrömischerZucht und Sittlichkeit zerstörte. Der „Gott von Emesa", ein schwarzer, kegel-förmiger, mit kostbaren Edelsteinen gefaßter Stein, bekam auf dem Palatinum Heiligtum und wurde von syrischen Frauen mit üppigem Tanz gefeiert,wahrend der römische Senat, gleichfalls in asiatischer Tracht, die Tempeldienste m-xand«versah. Die Prätorianer töteten zuletzt den sinnlichen Schwächling und er-hoben seinen Vetter Alexander Severus. Dieser war zwar ein sittlicher ' 22 s.