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Die Völkerwanderung.
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so vermessenes Spiel treibt, wie früher die Prätorianer, und eine beweglicheVvlksmasse, die nur an religiösen Streitfragen und an den rohen Ver-gnügungen der Rennbahn (Hippodrömos) Gefallen findet. In diesen Renn-bahnen bildeten sich nach den Farben der Wagenlenker die zwei großen Parteiender Blauen und Grünen, die auf Staat und Regierung, auf Glauben undKirche einen bestimmenden Einfluß übten, einander tödlich haßten und ver-folgten. — Unter solchen Umständen bestieg Justinian, ein Mann von niedrigerHerkunft, den Thron, auf dem er großes vollbrachte. Er bändigte die Parteider Grünen, die einen Aufstand gegen ihn erregt hatte und der die KaiserinTheodor«, die Tochter eines Thürhüters am Circus, wegen einer persönlichenBeleidigung grollte, indem er durch seinen Feldherrn Belisar die Empörer andem „Nika-Tage" niederwarf, und schloß die Rennbahn auf unbestimmte Zeit;er ließ durch fernen Minister Tribonian das unter dem Namen Corpus Jurisbekannte Gesetzbuch anfertigen, dessen wichtigsten Bestandteil die Pandcktcn(oder Digesten) bilden; er verschaffte sich durch List Seidenraupen aus Chinaund verpflanzte die Seidenkultur nach Europa; er legte die Sophienkirchein Konstantinopel an, befestigte das Reich durch Burgen an der Donau undverfolgte Heiden und Arianer. Denn in seinem Reiche sollte nur ein Wille sein,ein Gesetz und ein Glaube herrschen.
8- 187. Zum Arianismus bekannten sich auch die Wandalen undGothen; und da beider Staaten sich in einem zerrütteten Zustande befanden,so faßte Justinian den Plan, sie mit Krieg zu überziehen und durch Eroberungrhrer Länder seinem Reiche die Ausdehnung wieder zu verleihen, die es unterConstantin besessen. Belisar, der erste Kriegsheld seiner Zeit, unterwarf inwenigen Monaten das durch Religionskriege verwirrte Vandalenreich undführte den letzten König Gelrmer als Gefangenen nach Konstantinopel. DasLand wurde einem oströmischen Statthalter unterworfen, der Arianismusausgerottet, die blondgelockte vandalische Jugend in die byzantinischen Heereverteilt, die geraubten Schätze weggeführt. — Um dieselbe Zeit wurde Theo-dorichs edle Tochter Amalasunta von dem Gothenfürsten Theodat, den siezur Teilnahme an der Herrschaft berufen, ermordet. Da warf sich Justinianzu ihrem Rächer auf und schickte Belisar nach Italien. Dieser eroberte Romund verteidigte es mit Kriegskunst und Heldenmut ein volles Jahr gegenBitkges, welchen die Gothen an der Stelle des von ihnen getöteten TheodatZum König ausgerufen hatten. Voll Bewunderung über Belisars Tapferkeitboten ihm die Gothen die Herrschaft an und überlieferten ihm die HauptstadtRavenna. Er nahm Besitz davon im Namen des Kaisers, entging aber dochnicht dem Neid und der Verleumdung der byzantinischen Höflinge. Mitten imSiegeslauf wurde er abberufen, um die Ostgrenze gegen die Perser zu schützen.Nach seinem Abzüge erhoben die Gothen, nach germanischer Sitte, den tapfernTotklas auf den Schild und begrüßten ihn als König. Dieser eroberte inkurzem wieder ganz Italien. Da kam Belisar abermals; aber von dem miß-trauischen Kaiser mit Truppen und Geld schlecht versehen, konnte er bei allemHeldenmut wenig ausrichten. Wie in verstohlener Flucht zog er an der Küstehin und her, ohne eine entscheidende Schlacht zu wagen. Zürnend rief ihnJustinian zurück und strafte ihn mit seiner Ungnade. Als blinder Greis, soerzählte man sich in späteren Jahrhunderten, soll er sein Leben mit Almosen-fordern gefristet haben. Sein Nachfolger war Narses, ein gewandter Höfling,zugleich aber ein Held wie Belisar. Dieser siegte bei Tagina, unweit desalten Sentinum (Z. HO), wo Totilas die Todeswunde empfing und dieTapfersten seiner Streiter auf der Wahlstatt blieben. Umsonst erhoben dieTrümmer des Gothenheeres den heldenmütigen Tejas auf den Königsschild;
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