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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte des Mittelalters.

8 . 190 . 191 -

gierig und treulos. Stolz auf ihre Nationalität, wußten sie sich doch vonjeher mit ihrer beweglichen Natur die fremden Eigentümlichkeiten ohnegroße Mühe anzueignen. Das Streben nach höherer Bildung, nach geistigerund sittlicher Veredelung war ihnen weniger tief eingeprägt als den ger-manischen und romanischen Stämmen. Die von ihnen besetzten Land-schaften des Römerreichs wurden Wüsteneien und erholten sich nie mehr,indes die von den Germanen eroberten römischen Provinzen sich bald zuneuer Blüte entfalteten. Von den Deutschen gedrückt und als Skla-ven behandelt, haben sie sich für die Verachtung durch untilgbaren Haßgegen dieselben gerächt. Mehr den friedlichen Geschäften, der Viehzuchtund dem Ackerbau ergeben, zeichneten sie sich im Kriege nur als gewandteReiter aus. In ihren Sitten neigten sie sich dem Morgenlande' zu, da-her sie auch das Weib nicht so hoch stellten wie die germanischen Völker desAbendlandes.

Mohammed und die Araber.

§. 190. In dem südwestlichen Küstenstriche der Halbinsel Arabien, derwegen seiner hohen Fruchtbarkeit an Kaffee, Weihrauch, Zimt und anderenSpezereien das glückliche Arabien heißt, lebte vor Zeiten ein bildungsfähigesVolk in stolzer Unabhängigkeit. Ihre Religion war ein mit jüdischen Satzun-gen vermischter Natur-und Sterndienst-, ein schwarzer Stemm der Kaabazu Mekka galt als Nationalheiligtum, dessen Bewachung den KureischiteNzustand und das als Ziel jährlicher Wallfahrten mit Handelsmessen, fest-licher Lustbarkeit und poetischen Wettkämpfen in großem Ansehen stand.Die Araber waren reich durch ausgebreiteten Handel, durch den Besitzedler Pferde und großer Kamelherden. Sie fanden Gefallen an Ge-dichten und Sagen. Unter diesem Volke wurde im sechsten JahrhundertMohammed in dem angesehenen Priestergeschlechte der Kureischiten geboren.

-«» 2 . Er machte in seiner Jugend als Kaufmann einige Karawanenreisen und hattein der Weltstadt Mekka, dem Sammelplatz semitischer Völker von nahe undferne, Gelegenheit, die Sitten und das innere Leben der Menschen zu beobachten-Dabei gewann er die Überzeugung, daß die Religion der Christen und Judenvor dem heidnischen Götzendienst der Araber Vorzüge habe. Sobald er daherdurch seine Verheiratung mit der reichen Witwe Chadidja eine unabhängigeStellung erlangt hatte, zog er sich von dem Treiben der Welt in sein innereszurück und sann nach, wie er sein Volk aus der Gesunkenheit erlöse. DasHarren der Juden aus einen Messias, die Verheißung Jesu, denen, die ihnlieben, einen Tröster zu senden, der sie in alle Wahrheit leiten werde, wirktenauf seine feurige Einbildungskraft und weckten das Gefühl in ihm, daß er dersei, dessen die Welt bedürfe. Seine krampfartigen Anfälle begünstigtensein Vorgeben oder seinen Glauben, daß er mit Engeln im Verkehr steheund höhere Eingebungen (Visionen) habe.

H. 191. In seinem vierzigsten Jahre trat Mohammed mit der Lehre auf:„Es ist nur ein Gott und Mohammed ist sein Prophet." Aber außer seiner Gat-tin Aischa, seinem Schwiegervater Aon Bekr, seinem Eidam Ali und einigenandern Verwandten und Freunden glaubte ansangs niemand an seine Sen-dung; ja ein drohender Aufruhr nötigte ihn zur Flucht von Mekka nach Me-iüna. .(Nach dieser Begebenheit, Hidschrah genannt, zählen die Mohamrnc-^ ^ daner ihre Jahre.) Hier fand er Anhänger, mit denen er Streifzüge machte

. alE und sich endlich nach siegreichen Gefechten mit den Kureischiten die Rückkehrnach Mekka erzwäng. Seine Offenbarungen, nach seiner Aussage Eingebungendes Engels Gabriel, waren Sprüche der Begeisterung, häufig den Zeitumstän-