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Das Mittelalter.
Z. 204. 205.
tz. 204. Der Teilung von Verdun folgte eine Zeit großer Verwirrung,während welcher Europa im Süden von den Arabern, im Osten von denSlaven, im Norden und Westen von den Normannen hart mitgenommenward. Um ihren räuberischen Einfällen zu begegnen, mußten die karolingischenHerrscher, die alle schwach und beschränkt waren, geschehen lassen, daß in ver-schiedenen Ländern die Hcrzvgswüröe in der früheren Machtfülle wieder her-gestellt ward, und den Markgrafen erbliche Gewalt einräumen. Dadurchgeriet bald alle Macht in die Hände der Großen. — Durch ein rasches Ab-sterben der meisten Nachkommen Ludwigs des Frommen kam fast die ganzeHerrschaft Karls des Großen samt der Kaiserkrone an Karl den Dicken, einen87li- schwachen, trägen, von schmerzvollen Kopfleiden und andern Krankheitsanfällenviel gequälten Mann. Unfähig, den kühnen Normannen zu widerstehen, er-kaufte er einen schimpflichen Frieden von ihnen und erbitterte dadurch die«nmu deutschen Fürsten dermaßen, daß, als sein tapferer Neffe Arnulf von Bayernsss. die Waffen Wider ihn erhob, die Großen des Reichs von dem Kaiser abfielen,der Ladung zu einem Hoftage nach der alten Königspfalz Tribur nicht Folgeleisteten, vielmehr sich unter Arnulfs Fahne in Forchheim stellten. Baldnachher starb Karl der Dicke zu Neidingen an der Donau und wurde in demKloster Reichenau auf einer lieblichen Insel des Bodenseees begraben. Nuntrat in Frankreich und Italien ein Zustand von Anarchie und Gesetzlosigkeitein; nur in den deutschen Landen regierte Arnulf mit Kraft. Er besiegte dieb- Normannen bei Löwen und brach die Macht des großen Mährenreichs inPannonien, wobei er die wilden, im Reiten und Pfeilschießen geübten Ma-gyaren oder Ungarn am Uralqebirge zu Hilfe rief, welche nunmehr unterihrem streitbaren Häuptling Ärpad das flache Land an der Donau (nachihnen Ungarn genannt) besetzten. Die alten Bewohner wurden teils zumAbzug gezwungen, teils unterworfen. Aber die Fremdlinge (Ungarn) wurdenfür Deutschland bald eine furchtbarere Geißel, als je die Avaren und SlavenLudwig gewesen. Schon unter Ludwig dem Kind , dem unmündigen Sohne Arnulfs,««»- welcher nach einem glorreichen Zuge nach Italien im blühenden Mannesalter0"' gestorben war, machten die Ungarn räuberische Einfälle und erzwängen sicheinen jährlichen Tribut. Dieser dauerte fort, als nach dem kinderlosen Ab-sterben des letzten Karolingers die deutschen Fürsten, unter denen besondersdie Herzoge von Sachsen, Franken, Lothringen, Schwaben und BayernKonrad I. an Macht hervorragten, in Forchheim zusammentraten und den Herzog Kvnradren'sii- von Franken zum König wählten. Somit ward Deutschland ein Wahlreich.»ls- Doch wurde selten bei der Wahl von der herrschenden Familie abgegangen,ehe sie erlosch.
Z. 205. Am längsten bestand die Herrschaft der Karolinger in Frank-reich, aber ohne Kraft und Ansehen. Unter Karl dem Einfältigen, der888- einige Zeit nach Karls des Dicken Absetzung den Thron im fränkischen Westenerlangte, machten sich die Herzoge und Grafen fast ganz unabhängig, und dermächtigste von ihnen, Hugo von Paris, hielt den schwachen König zuletzt inharter Gefangenschaft. Dagegen wurde Frankreich von den verheerendenRaubzügen der Normannen befreit, indem Karl den Herzog Rollo in die nachihnen benannte Provinz Normandie aufnahm, unter der Bedingung, daß ersich mit seinen Begleitern taufen lasse und den französischen König als Ober-lehnsherrn anerkenne. Die bildungsfähigen Normannen nahmen bald Sprache,Sitten und Geistesleben von den Franken an. Sie stellten die verfallenen:«er SS6 Städte wieder her und hoben die Kultur und den Wohlstand des Landes durch^ch-riii.Ackerbau, Gesetze und Rechtspflege. Auf. Karl den Einfältigen folgten noch?sk7 Zwei karolingische Könige, Ludwig „der Überseeische" und sei'nSohnLothar,