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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittelalter.

§. 218. 219. 220.

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Erster

Kreuzzug

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IV. Die Übermacht der Kirche im Zeitalter der Kreuzzüge.

1. Die KreuMge.

tz. 218. Schon seit dem vierten Jahrhundert war die Sitte herrschendgeworden, zum Heil der Seele und zur Büßung eines sündhaften LebensWallfahrten nach Jerusalem zu unternehmen und an der Stelle, dieman für Christi Grab hielt und wo darum die Kaiserin Helena eineKirche hatte errichten lassen, zu beten oder sich in den Fluten des Jordanzu baden. Je mehr die christliche Gläubigkeit die Herrschaft über die Gemüterder Menschen erlangte, desto häufiger wurden diese Pilgerfahrten. So langedie handeltreibenden Araber im Besitz des Landes waren, durften drePilger ungehindert kommen und gehen; als aber Syrien und Palästina vonden Seldschukkischen Türken erobert wurde, erlitten sowohl die einge-borenen Christen als die Wallfahrer harte Drangsale. Sie mußten eine Steuererlegen und wurden häufig beraubt, mißhandelt, getötet. Da trat, wie diekirchliche Geschichtschreibung berichtet, em von Jerusalem heimkehrenderPilger, Peter von Amiens, vor Papst Urban II., schilderte ihm die Leidender Christen im Morgenlande und erhielt den Auftrag, in Stadt und Landumherzuziehen und die Gemüter für das große Unternehmen einer Befreiungdes heiligen Landes aus den Händen der Ungläubigen vorzubereiten. Wunder-bar war die Bewegung, welche die Schilderungen des beredten Mönchs mitdem abgehärmten Gesichte in allen Ländern hervorriefen. Als daher der Papstin einer zu Clcrmont im südlichen Frankreich abgehaltenen Versammlung,der viele Bischöfe, Herren und erne zahllose Menge Volks aus allen Ständenbeiwohnten, das Abendland gegen das Morgenland unter die Waffen rief undseine feurige Rede mit der Ermahnung schloß: „daß jeder sich selbst verleugneund sein Kreuz auf sich nehme, damit er Christum gewinne", da ertönte ausallen Kehlen der Ruf: „Gott will es!" und Tausende knieten nieder undbegehrten sogleich in die Zahl der heiligen Streiter aufgenommen zu werden.Sie hefteten sich ein rotes Kreuz auf die rechte Schulter, woher die neue Ver-brüderung den Namen Kreuzfahrer erhielt. Alles eilte, das Wort des Herrnzu erfüllen: Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der ist meiner nichtWert! Völliger Ablaß der Sünden und ewiger Lohn im Himmel wurden nebstmanchen irdischen Vorteilen den Ziehenden verheißen. Somit begann dererste Kreuzzug.

8. 219. Eine mächtige Begeisterung erfaßte alle Gemüter; kein Stand,kein Alter, kein Geschlecht wollte zurückbleiben. Die Rüstungen der Fürstendauerten den Aufgeregten zu lange, daher zogen schon mit dem Beginne desFrühlings ungeordnete und schlechtbewehrte Scharen, unter der LeitungPeters von Amiens und eines französischen Ritters Walther ohne Habe,durch Deutschland nach Ungarn gen Konstantinopel. Als ihnen die kriegeri-schen Völker an der untern Donau den Durchgang wehrten und die Lebens-mittel verweigerten, erstürmten sie Belgrad und füllten das Land mit Raubund Mord. Da fielen die Einwohner über sie her und erschlugen sie zu tau-fenden. Die übrigen mit den Führern erreichten Konstantinopel, fanden aberbis auf wenige in Kleinasien ihren Untergang durch die Seldschukken. ImmutiaenKampfe fiel Walther, umgeben von seinen Brüdern und den tapferstenGenossen. Nicht besser erging es den ungeordneten Scharen, die nach einerblutigen Judenverfolgung m den rheinischen Städten (Straßbnrg,Worms,Mainz u. a.) unter der Leitung des Priesters Gottfchalk und des rohenGrafen Emiko von Leiningen ausgezogen waren.

tz. 220. Hunderttausend Menschen waren bereits umgekommen, als derhochsinnige Gottfried von Bouillon, Herzog von Lothringen, mit seinen