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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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157
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8 - 221 .

Die Kreuzzüge.

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1097 .

10SS.

Brüdern und einer großen Zahl wohlgerüsteter Ritter auf demselben Wegenach Konstantinopel zog, indes Hugo von Vermandois, der Bruder desKönigs von Frankreich, und der normännische Fürst Boemund von Unter-italien mit seinem ritterlichen Neffen Tancred zur See dahin abgingen. Nach-dem sie dem byzantinischen Kaiser Alexius dem Komnenen die Rückgabe allerfrüher zum oströmischen Reiche gehörigen Städte versprochen, wurden sie nachAsien übergesetzt. In einer Ebene unweit Nicäa fand die Musterung statt;

Man zählte 100000 Reiter und 300000 streitbare Fußgänger. Die ange-sehensten Führer waren außer den genannten: Robert von der Norman-die, Sohn Wilhelms des Eroberers (ß. 107); Stephan von Blois, derso viele Burgen zählte als Tage im Jahre; der reiche und mächtige GrafRaimund von Toulouse u. a. Die Belagerung und Eroberung von Nicäawar die erste bedeutende Waffenthat der Kreuzfahrer. Von hier aus hing derZug südostwärts durch das Gebiet des Sultans von Jconium. Die Seld-schukken erlitten in der Schlacht bei Doryläum eine Niederlage. Allein dasChristenheer geriet durch den Mangel an Lebensmitteln bald in große Not,w daß viele heimzogen, andere sich vom Heere trennten und unabhängigeHerrschaften in der Fremde gründeten. So Balduin, Gottfrieds Bruder, inEdessa am Euphrat. Endlich traf das Heer in der reizenden Gegend vonAnliochia ein. Aber die feste, reichlich versehene Stadt bot den im Belagernungeübten Rittern so viele Schwierigkeiten dar, daß sie erst nach neun Mo-naten sich derselben bemächtigten, indem der schlaue Boemund bewirkte, daßihm durch Verrat ein Pförtchen geöffnet wurde. Furchtbar war die Strafe,welche die Christen über die eroberte Stadt verhängten. Aber schon nach dreiTagen erschien der seldschukkische Sultan von Mosul und schloß mit zahllosenScharm Antiochien ein. Da geriet das Kreuzheer in kurzem in solche Hungersnot,daß sein Untergang unvermeidlich schien. Aus dieser Lage errettete es die in derPeterskirche zu Antiochia entdeckte heilige Lanze, deren Auffindung dieKreuzfahrer in solche Begeisterung versetzte, daß sie bei einem Ausfall dasübermächtige Heer der Belagerer in die Flucht schlugen und sich den Weg nachJerusalem öffneten. Der Glaube an die Echtheit der Lanze schwand zedochbald, als der Priester, der sie entdeckt hatte, an den Folgen des ihm aufge-legten Gottesurteils starb.

ß. 221. Nunmehr zwang das Heer die hadernden Fürsten zum schnellenAufbruch. Als sie um Pfingsten über Ramla und Emaus die Anhöhe er-achten, wo zuerst Jerusalem sichtbar ward, da fielen sie in heiliger AndachtM die Kniee, vergossen Thränen der Freude und priesen Gott mit Lobgesängen.

Aber die Eroberung der festen Stadt war eine schwere Aufgabe für das er-mattete und aller Belagerungswerkzeuge entbehrende Pilgerheer. Wassermangelmch die verzehrende Glut der Sonne wirkten verderblicher als die Pfeile derFeinde. Die neuerwachte Begeisterung überwand jedoch alle Hindernisse. Nacheurer Belagerung von dreißig Tagen wurde endlich Jerusalem durch einenZweitägigen Sturm unter dem Rufe: „Gott will es; Gott hilft uns!" vonben Kreuzfahrern erobert. Schrecklich war das Los der Überwundenen, über AAPwe Treppen der Moschee rieselte das Blut von 10 000 erschlagenen Saracenen;

Ae Juden wurden in ihrer Synagoge verbrannt; keines Alters, keines Ge-schlechts ward geschont; die Straßen füllten sich mit Leichen, Blut und Glied-sätzen von Verstümmelten. Erst als die Rache gestillt und die Raubgierbefriedigt war, kehrte christliche Demut und Bußfertigkeit in die Gemüterzurüg; nun sah man dieselben Menschen, die kurz zuvor wie rasende Tieregewütet, entblößten Hauptes und barfuß unter Lobgesängen nach der Kirchebes heiligen Grabes ziehen, um mit inbrünstigem Gebet Gott für das gelun-