Das Mittelalter.
§. 222. 223.
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aene Werk zu danken.— Hierauf schritt man zu der Wahl eines Königs vonJerusalem. Sie fiel auf den frommen, standhaften und tapfern Gott-fried von Bouillon, der sich jedoch weigerte, an der Stätte eine Königs-krone zu tragen, wo der Heiland der Welt unter einer Dornenkrone geblutet.Er verschmähte die äußere Auszeichnung und nannte sich Beschützer desheiligen Grabes. Das neue Königreich Jerusalem wurde nach denGrundsätzen des abendländischen Feudalwesens (Z. 241) eingerichtet. Gott-fried gewann noch den glorreichen Sieg bei Askälon über die Streitmacht desägyptischen Sultans, erlag aber im folgenden Jahr dem ungewohnten Klimaund der heftigen Anstrengung. Er ward beerdigt in der Kirche des heiligenGrabes und gleichmäßig beweint von Franken, Syrern und Griechen. SeinBruder Balduin erbte die Herrschaft und nahm den Königstitel an.
tz. 222. Das Königreich Jerusalem hatte harte Kämpfe zu bestehen.Das felsige und zerklüftete Land mit der Wüste umher war bei dem unge-stümen Andrang der Feinde und der Zwietracht, Unfolgsamkeit und Abenteuer-lust der Kreuzfahrer nicht minder schwer zu behaupten als zu gewinnen. Alsnun die Zuzüge aus dem Auslande abnahmen, ward die Lage der Christenbald sehr bedenklich, namentlich seitdem der mächtige Sultan von Mosul dieStadt Edessa erobert und zerstört hatte und dann von Osten her die Grenzenbedrohte. Da weckte der heilige Bernhard, Abt von Clairvaux in Bur-gundien, den schlummernden Religionseifer wieder und brachte den zweitenKreuzzug zustande. Das Ansehen dieses frommen Mannes hatte solches Ge-wicht, daß Ludwig VII. von Frankreich, in seinem Gewissen beunruhigt wegenVerbrennung einer Kirche mit vielen Schutzsuchenden, seiner AufforderungFolge leistete und selbst König Konrad III. ihm nicht zu widerstehen wagte,als er ihn im Dome zu Speyer in einer feurigen Rede ansprach. Konrad nahmdas Kreuz und zog mit einem stattlichen Heer über Konstantinopel nach Klein-asien. Hier wurde er aber durch die Tücke griechischer Führer in eine Wasser-lose Einöde geleitet. Wo plötzlich zahllose türkische Reiter in einzelnen Scharenauf die Wallbrüder eindrangen und ihnen eine solche Niederlage zufügten, daßkaum der zehnte Teil sich mit Konrad nach Konstantinopel rettete. Dem fran-zösischen Heer, das längs der Küste hinzog, erging es nicht besser. Der größteTeil der Pilger kam durch das Schwert der Feinde oder durch Hungerund Ermüdung um. Mit den Trümmern ihrer Heere erreichten die beidenKönige endlich Jerusalem, ohne jedoch, da die Belagerung von Damaskuskeinen Erfolg hatte, etwas Namhaftes auszurichten, so daß'die Lage des christ-lichen Königreichs von Tag zu Tag schwieriger wurde, zumal als bald nachihrem. Rückzug der großmütige und tapfere Kurde Saladin sich der Herrschaftvon Ägypten bemächtigte und in kurzem alle Länder von Kairo bis Aleppounter seinem Scepter vereinigte. Bald geriet das Königreich Jerusalem insGedränge. Saladin gewährte eine Waffenruhe; als diese aber von einemchristlichen Ritter im Hebronthale verletzt wurde, der mit frecher Gewaltthateine arabische Karawane überfiel und ausplünderte, da rückte der Sultan mitHeeresmacht ins Feld. Die Schlacht bei Tiberias am reizenden See vonGenezareth entschied gegen die Christen; denn „ihr Gott war von ihnen ge-wichen". König Guido und viele seiner Edlen gerieten in Gefangenschaft;Joppe, Sidon, Akkon u. a. O. fielen in die Hände des Siegers; endlicherlag auch Jerusalem. Die Kreuze wurden niedergerissen, die kirchlichenGerätschaften zerstört, aber die Einwohner mit Milde behandelt. Saladin,an Tugenden seinen christlichen Gegnern weit überlegen, befleckte seinen SiegLurch keine Grausamkeit.
ß. 223. Die Nachricht von der Eroberung Jerusalems erregte im ganzen