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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittelalter.

Z. 235. 236.

einen rauhen, heftigen, verwegenen Ritter, zum König ausrief; jener fand An-erkennung im Süden, dieser rm Norden. Die Folge dieses Zwiespaltes warein zehnjähriger Krieg, während dessen Gewaltthat und Gesetzlosigkeit herrschte,Untreue und Abfall in den Fürstenhäusern und Adelsgeschlechtern einrissen undsolche Verheerungen geübt wurden, daß in einem einzigen Jahre sechzehn Dom-kirchen und 350 Pfarrdörfer niederbrannten. Noch vor Beendigung des Streitsr»o». wurde Philipp von dem jähzornigen Pfalzgrafen Otto von Wittclsbach sei esaus Privatrache, sei es infolge einer Verschwörung zu Bamberg ermordet.Otto IV., der nach dem tragischen Untergänge seines Mitbewerbers auf dem»o». Reichstag zu Frankfurt allgemein als König anerkannt ward und sich baldnachher mit Philipps Tochter vermählte, belegte den Mörder mit der Acht,worauf derselbe auf der Flucht an der Donau erschlagen und sein Stammschloßzerstört ward; aber dennoch kehrte die Ruhe nicht auf die Dauer zurück. Dennals nunmehr Otto über die Alpen zog und in Rom die Krönung empfing, er-hob sich ein heftiger Streit zwischen dem Kaiser und Papst Jnnocenz M.

§. 235. Jnno cenz III., ein staatskluger, mit seltenen Herrschergaben aus-gerüsteter Kirchenfürst, verlieh dem Papsttum die höchste Macht, indem er demGrundsatz Gregors VII. Geltung verschaffte, daßdieKircheüberdemStaat,das geistliche Oberhaupt über dem weltlichen stehe und folglich alleFürsten der Erde den Papst als obersten Lehnsherrn und Schiedsrichter aner-kennen müßten. Während des deutschen Bürgerkrieges.hatte er zum Lohn fürseine Unterstützung den Welfenkönig Otto durch eine Übereinkunft bewogen,dem römischen Stuhle alle früheren Schenkungen zu bestätigen und auf die kai-serlichen Hoheitsrechte über Rom und die mittelitalienischen Landschaften zuverzichten, wodurch die Unabhängigkeit des Kirchenstaats gesichert ward.Als nun aber der Kaiser nach der Krönung diese Übereinkunft nicht beach-tete, die Reichsrechte von neuem in Anspruch nahm und sogar in Unter-italien einbrach, um auch das Königreich Sicilien wieder an das Reich zubringen und von der römischen Lehnsherrschaft zu befreien, sprach Jnnocenzum- den Bannfluch über Otto aus und schickte den jungen Friedrich nach Deutsch-land, um den Kampf zwischen Guelfen und Ghibellinen von neuem anzufachen.Freudig schloß sich die ghibellinische Partei an den schönen, hoffnungsvollenJüngling an, so daß, als der welfische König als Bundesgenosse und Ver-wandter Johanns von England an dem Kriege Wider Philipp II. von Frank-reich teilnahm und bei Bouvines in Flandern eine Niederlage erlitt, Fried-er. rich II. von Hohenstaufen noch vor dem Tode des welfischen Gegners all-gemein als deutscher König anerkannt ward. Otto IV. starb im Jahr 1218zu Braunschweig. Zwei Hahre später kehrte derHohenstause nach Italien zu-rre«. rück, nachdem er seinen lungen Sohn Heinrich zum deutschen König hattewählen lassen, und empfing dann in Rom die Kaiserkrone. Aber in dem frei-«riedrich denkenden Friedrich n, welcher, in arabischer Weisheit erzogen, eine ZuneigungAs- zu den Bekennern des Islam und zu orientalischer Lebensweise hatte, erstanddem kirchlichen Oberhaupte bald ein mächtiger Gegner, so daß Friedrichs Re-gierung einen fortwährenden Kampf zwischen Kaisertum und Papsttumdarbietet. Friedrichs Stellung als König des obern und untern Ita-liens bedrohte die weltliche Macht des Papstes nicht minder, als sein frei-denkender Geist das Ansehen der Kirche. Daher bemühten sich Jnnocenzund seine Nachfolger, die Herrschaft über Neapel und Sicilien von derdeutschen Krone und der Kaiserwürde zu trennen.

§. 236. Da Friedrich II. lange zögerte, den versprochenen Kreuzzug aus-zuführen (Z. 225), traf ihn zuerst der Bannstrahl Gregors IX., und als er»rrs. im nächsten Jahr, ohne vom Fluche gelöst zu sein, dennoch nach dem heiligenLande zog, zürnte der Papst noch heftiger und lähmte nicht nur alle Unterneh-