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Mittelalterliche Zustände.
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längerer Zeitgenosse Philipp Comines (1445—1509) wurde durch seine vortreff-lichen „Denkwürdigkeiten" einer der bedeutendsten Begründer der neueren Geschicht-schreibung; 2) in Italien: dieslorentinische Geschichte des Johann Vil-lani (fi 1348), die durch ihre Einfachheit und Mannigfaltigkeit anHerodot(8- 72) erinnert; sein Bruder Math. Villani (fi1378) führte das Werk bis zumJahre 1363 in gleichem Geiste fort; 3) in Spanien: die Chronik des edlen Cata-loniers En Ramon Muntaner, der im Anfang des 14. Jahrhunderts die Tha-ten der aragonischen Könige in epischem Geiste und naiver Naturtreue darstellte.
Z, 249. 3) Während die gelehrte Litteratur bloß von Geistlichen gepflegt ward,ging die Dichtkunst frühzeitig in die Hände der Ritter über, hauptsächlich deshalb,äieil Liebe (Minne) und Frauendienst den Kern und Mittelpunkt dieser Dichtungbildeten, die Geistlichkeit aber vermöge ihres Standes diesen Regungen sich nicht hin-geben durfte. Die mittelalterliche Dichtkunst war dem Inhalt wie der Form nachln allen europäischen Ländern gleich, was teils von dem großen Völkerverkehr wäh-ttnd der Kreuzzüge herrührte, wodurch der Austausch der verschiedenen Sagen undDichtungen erleichtert wurde, teils von der weiten Verbreitung und allgemeinenVerständlichkeit der romanischen Sprachen. In Italien, Frankreich, Spanienfiud zum Teil auch in England redete man damals Sprachen, die unter einander sehrähnlich waren, so daß die litterarischen Erzeugnisse des einen Landes ohne Mühein dem andern verstanden wurden. Dem Inhalte nach zerfiel die mittelalterlichePoesie in drei Gattungen: in Heldengedichte und Heldenlieder (Epopöenund Romanzen), wo Ritterthaten, Kämpfe, Abenteuer und Liebesverhältnisse, dienls notwendiges Element der romantischen Poesie galten, den Stoff hergaben; inlhrische Gesänge, wenn der Dichter seine Gefühle, Stimmungen oder Gedanken inMelodischen Versen aussprach, und in religiöse Dichtungen, wobei bald die^-gösse der Andacht und der stammen Begeisterung, bald die Lobpreisungen Got-und der Maria, bald die Thaten und Geschicke der Heiligen den Inhaltblldeten. Die epischen Gedichte behandelten gewisse Sagenkreise, teils aus der altenVÄt, wie das Alexand erlied des Pfaffen Lambrecht, teils aus der christeeichen Zeit, wie die Sage von Karl dem Großen und seinen Paladinen (z. B.bas Rolandslied vom Pfaffen Konrad, §. 200) und von dem britischen KönigArthur (Artus) und d<er Tafelrunde (Z. 185), womit später die walisische^ralsage verbunden wurde. Diesem letztem Sagenkreise gehören die zwei größtendeutschen Epopöen des Mittelalters an, der Parzival des Wolfram von Eschen-°ach (o. 1200) und Tristan und Isolde des Meisters Gottfried von Straß-.urg. Die Zierde der deutschen Heldendichtung aber ist das Nibelungenlied,o'n Volksepos, dessen Stoff aus der Völkerwanderung herrührt, das aber am An-sang des 13. Jahrhunderts von einem unbekannten Dichter in seine jetzige Gestaltgebracht wurde. Die Sagen vom „gehörnten" Helden Siegfried, der durch VerratAa Lindenbrunnen im Odenwald ermordet ward, die blutige Rache seiner treuenGattin Kriemhilde von Worms und der Untergang des burgundischen Königshausesburch Dietrich von Bem im femen Ungarland an Etzels (Attilas) Hos, bilden denInhalt dieser großartigen Heldendichtung aus der deutschen Vorzeit. Auch das an-dere deutsche VolksepoS „Kudrun", das die unerschütterliche Treue einer geraubtenVraut unter Leiden und Trübsal zum Gegenstand hat, stammt aus dieserZeit. — Diefrischen Dichter, die in Deutschland Minnesänger, in Frankreich Trouba-dours genannt wurden, machten die zarten Regungen des Herzens, die Gefühle der^kbe, die Empfindungen und Stimmungen bei dem Wechsel des Naturlebens zumGegenstand ihrer Dichtungen, oder sie geißelten in satirischen Rügeliedern (Sir-bentes) den Verfall der Sitten und die Entartung der Geistlichkeit. In Deutsch-land war der berühmteste Minnedichter Walther von der Vogelweide, der eineZeitlang am Hofe Hermanns von Thüringen lebte und von Kaiser Friedrich II.
Weber,!!, Weltgeschichte. 1I /