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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittelalter.

8. 255. 256. 257.

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8. Philipp -er Schöne vo« Frankreich und Kaiser Ludwig der Lager.

ß. 255. Der herrschsüchtige Bonifacius VIII., in dem das Papsttumseinen höchsten Glanz erreichte, führte zugleich dessen Verfall herbei. Er warfsich in einem Kriege Philipps (IV.) des Schönen von Frankreich gegenEduard I. von England zum Schiedsrichter auf und verbot, als Philipp ferneEinmischung ablehnte und dem Klerus Abgaben auflegte, die Besteuerung derfranzösischen Geistlichkeit. Da untersagte Philipp jede Ausfuhr von Selberund Gold aus fernem Reich und hinderte so den Bezug der päpstlichen Ein-künfte. Der dadurch herbeigeführte Streit, in dem Bomfacius jeden für eine»Ketzer erklärte, der nicht glaube, daß der König in geistlichen wie weltlichenr"". Dingen dem Papste Unterthan sei, Philipp aber durch seine Stände die Un-abhängigkeit der Königsmacht feierlrch aussprechen ließ, endigte mit demBannflüche und Interdikt, worauf sich der französische Kanzler Nogaretnach Italien begab, Bewaffnete in Sold nahm und in Verbindung mit derGhrbellinenfamilie Colonna, sowie andern unzufriedenen Edelleuten den Papstin seinem Geburtsort Anagni überfiel und gefangen hielt. Zwar wurde Boni-facms durch das herbeiströmende Landvolk befreit und eilte nach Rom, aberder Eindruck, den die Schmach auf den stolzen, leidenschaftlichen Mann machte,war so gewaltig, daß er in Raserei verfiel und starb. Nun wußte es die fran-zösische Partei dahin zu bringen, daß nicht nur der Bannfluch gegen Philippzurückgenommen wurde, sondern sogar der neue Papst Clemens V. (bisherBischof von Bordeaux) seinen Sitz zu Avignon im südlichen Frankreich nahmund dadurch das Papsttum unter den Einfluß des französischen Hofsstellte. Gegen siebzig Jahre dauerte diese als zweite babylonische Gefangen-schaft beklagte Entfernung der obersten Kirchengewalt von Rom.

8. 256. Die Aufhebung des Tcmpelordens (8. 227, b) war die nächsteFolge des Bundes zwischen dem Papst und dem französischen König. DunkleGerüchte von gotteslästerlichen Gebräuchen, von geheimen Verbrechen undLastern, von Unglauben und Wollust, deren sich der Orden schuldig gemacht,gaben Philipp dem Schönen den Vorwand, die Tempelherren Plötzlich ver-haften zu lassen und ihre reichen Güter mit Beschlag zu belegen. Durch einsechsjähriges ungerechtes Gerichtsverfahren und durch furchtbare Folterqualenwurden alsdann die Gefangenen zu Geständnissen gebracht, die ihre Schuld zubeweisen schienen; und als vierundfünfzig derselben ihre durch die Torturenerpreßten Aussagen als unwahr widerriefen, wurden sie als Rückfällige zueinem langsamen Flammentod verurteilt. Umsonst protestirte der GroßmeisterJacob von Molay gegen ein solches Verfahren und erbot sich zur Wider-legung aller Beschuldigungen; auch er starb auf dem Scheiterhaufen, nachdemer den Papst und den König vor einen höhern Richterstuhl geladen. Das Voltverehrte ihn als Märtyrer und sah in dem bald darauf erfolgten Tod derbeiden Oberhäupter ein Gottesgericht. Von den Gütern und Schätzen derTempelherren zog der französische König das Meiste ein, das in andern Län-dern Gelegene fiel teils an die Johanniter, teils an die Landesfürsten, bward der „Tempel" zerstört, von dem die Wiedereroberung des heiligen Grabeshatte ausgehen sollen.

ß. 257. Während dieser Vorgänge regierte in Deutschland Heinrich VII-von Luxemburg (Lützelburg) nicht ohne Ruhm. Nachdem er kräftigeMaßregeln zur Erhaltung des Landfriedens getroffen, benutzte er einenThronstreit in Böhmen, um durch eine Vermählung seines Sohnes Jo-hann mit der Schwester des letzten kinderlosen Königs dieses Reich mit Ein-willigung der böhmischen Stände an sein Haus zu bringen. Kaum hatte er

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