Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
198
JPEG-Download
 

198

Das Mittelalter.

§. 279°.

Jakob I.»4»S—14S7.

Jakob II.»427—1480 .Jakob m»48»-»488.

»488.

Jakob IV.1488-

»S1».

ISIS.

Jakob V»SIS-1S42.

rischen Vorqänge war in dem rauhen Schottland der machtlose Thron imBesitze deS Hauses Stuart, unter welchem sich der Adel, mächtig durch Landund Leute und an Kampf, Jagd und Waffenübuna gewöhnt, eine fast unab-hängige Stellung erwarb. Er suchte die königlichen Rechte zu mindern unddie Krongüter an sich zu reißen, so daß die Geschichte der Stuartschen Königewährend mehrerer Jahrhunderte nur von wilden Kämpfen und Empörungenzu berichten hat und von den fruchtlosen Versuchen der Herrscher, die ritterlicheAnarchie durch die Bande der Ordnung zu fesseln. Als Jakob I. nach demVorbilde von England, wo er lange als Gefangener gelebt, die Barbarei zumildern suchte, wurde er durch eine Verschwörung in einem Kloster zu Perthermordet. Sein kühner Sohn Jakob II., der des Vaters Streben nachahmte,starb auf einem Kriegszug nach England im 30. Lebensjahr eines gewaltsamenTodes. Jakob III., ein Fürst von großen Anlagen, suchte durch Kunst undIndustrie den rohen Sitten der Edelleute entgegenzuwirken und nach dem Vor-bilde Ludwigs Xl. von Frankreich die König'smacht zu heben. Dadurch zog ersich den Haß der Edelleute zu, welche unmutig waren, daß der König seine GrinstLeuten von geringem Stande zuwendete, die seine Liebe für Astrologie. Musikund Architektur teilten. Sie bildeten eine Verschwörung, ermordeten die Günst-linge und schlugen den König in die Flucht. Unerkannt wurde Jakob III. ineiner Mühle von einem feindlichen Kriegsknechte erschlagen. Sein Sohn Ja-kob IV. war offen und ritterlich, daher er bei dem Adel mehr Zuneigung fand.An seinem Hofe wechselten Festlichkeiten und Spiele und die Edelleute schloffensich mit Liebe einem Fürsten an, der ihnen mit Vertrauen entgegenkam undgleiche Gesinnung mit ihnen hegte. Als aber Jakob infolge eines Waffenbun-des mit Frankreich seinen Schwager Heinrich VIII. von England mit Kriegüberzog, wurde am Hügel von Flodden das schottische Heer aufs Haupt ge-schlagen. 10 000 Streiter, darunter die Häupter der edelsten Familien, decktendas Schlachtfeld; den Leichnam des Königs fand man des andern Tages untereinem Haufen erschlagener Edelleute, die den Fall ihres geliebten Führers nichtüberleben wollten. Unter seinem minderjährigen Sohne Jakob V. wurde dasLand von politischer und religiöser Parteiwut zerrissen, wobei alle Leiden-schaften ungebändigt walteten und ein Zustand der Verwilderung und Gesetz-losigkeit eintrat.

8- 279 e. Irland. Heinrich II. war der erste König, welcher die von demPapst der Krone England verliehene Insel Irland mit ihrer keltischen Bevöl-kerung zu erobern unternahm. Aber diese Eroberung hatte so geringen Fort-gang, daß während des ganzen Mittelalters bloß die Hauptstadt Dublin mitder Umgegend die Oberhoheit Englands anerkannte. Blutige Kriege, die vondieser Zeit an das Land zerrissen, zerstörten in „grün Eiland" die poetischeKultur der gallischen Vorzeit wie die christliche Begeisterung des 7. und 8. Jahr-hunderts. Einheimische Häuptlinge. Könige genannt, lagen in unaufhörlichenKämpfen mit einander wie mit den englischen („sächsischen") Eroberern undhemmten die Entwickelung des Bürgerstandes zur Industrie und Betriebsam-keit. Ritterliche Großthaten und Abenteuer, ein romantisches Kriegs- undJagdlebeu der Edelleute füllen die Annalen der irischen Geschichte des Mittel-alters; das Volk blieb unsicei und ohne Bildung, der Bedrückung des Adelsund der Leitung der Geistlichkeit hingegeben. Bürgerliche Ordnung und Herr-schaft des Gesetzes waren unbekannte Dinge. Selbst die von den folgendenKönigen bewerkstelligte Ansiedelung englischer Edlen in Irland führte zu kei-ner Vereinigung. Denn diese mit der Zeit zu Jrländern gewordenen „Englän-der von Geblüt" nahmen zuletzt Sprache, Sitten, Lebensweise, ja Tracht undNamen von den Besiegten an und widersetzten sich so hartnäckig der Germani-