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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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209
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8.298. 299. Ungarn. 209

Die Hanseaten, die eine feste Vereinigung der drei Reiche auf alle Weise zuhindern suchten, nährten die Zwietracht aus Selbstsucht. Mit Christian I. Thrim-mi.kam das Haus Oldenburg an die Regierung in Dänemark; zugleich erlangte 1481 .aber auch Schweden einen klugen und tapfern Reichsverweser in StenASture. Dieser bändigte den Trotz des Adels, hob den Bürger- und Bauern- "os.stand, gründete die Universität Upsäla und rief fremde Gelehrte und Buch-drucker m das Reich. Sten Sture regierte das Land fast unumschränkt: alsaber sein zweiter Nachfolger Sten Sture der Jüngere mit dem Erzbrschofvon Upsala zerfiel, gelang es dem gewaltthätigen Christian II. mit Hilfe desletzteren die Herrschaft Dänemarks über Schweden wieder neu zu begründen.

Sten Sture wurde im Felde besiegt und tödlich verwundet, worauf ChristianII. n>so.vier und neunzig der einflußreichsten und mächtigsten Edlen in Stockholmenthaupten ließ (Stockholmer Blutbad). Diese Härte löste nach wenigenJahren auf immer das Band zwischen Dänemark und Schweden.

7. Ungarn.

ß. 298. Bald nachdem Ottos Sieg auf dem Lechfelde (Z. 210) denStreifzügen der Ungarn ein Ende gemacht, bekehrte sich Geisa zum Christen- »rs.tum und ließ durch deutsche Missionare die Lehre des Evangeliums auchseinem Volke mitteilen. Was er begonnen, führte sein Sohn Stephan der St-H-mHeilige, der vom Papst die Königswürde und die geweihte Krone erhielt,zur Vollendung. Er sorgte für Verbreitung des Christentums, dem ">»8.die Magyaren teils aus Liebe zu einem wilden, unbändigen Leben, teils ausHaß gegen die Deutschen abhold waren, indem er Bistümer gründete und Bene-diktinermönche ins Land rief; er ordnete den Staat, indem er das König-reich in Komitate (Gespanschaften) teilte und den von ihm ernannten Vor-stehern die Leitung des Kriegswesens, der Verwaltung und der Rechtspflegeübertrug; er ward Gesetzgeber, indem er das Volk an bürgerliche Ordnung,an Ackerbau und Gewerbsamkeit gewöhnte. Aber die kriegerische Natur derMagyaren und ihr Widerwille gegen die christliche Kultur des Abendlandes, diestatt der alten Freiheit Leibeigenschaft, Frondienste und beschwerlichen Land-bau brachte, führte nach Stephans Tode verwildernde Kämpfe und neue Ver-wirrung herbei. — Unter Geisa II. ließen sich Scharen flandrischer und Seif-u.niederdeutscher Ansiedler in Siebenbürgen nieder, welche unter dem Namen u«i7Sachsen bis auf den heutigen Tag ihre vaterländischen Sitten, Sprache undEinrichtungen beibehalten haben. Sie haben das Land durch Fleiß und Aus-dauer aus einer Wüste in einen blühenden Landstrich mit reichen Städten undwohlhabenden Dörfern umgeschaffen und sich ihre großen Freiheiten gegenalle Anfechtungen kräftig gewahrt. Im 13. Jahrhundert erzwängen dieungarischen Großen (Magnaten) vom König Andreas II. einen Freibrief irss.(das „goldene Privilegium"), der dem Adel und Klerus wichtige Rechtezusicherte und, wie in England die Magna Charta (Z. 276), die Gnmdlage zuUngarns freier Verfassung legte. Eine Verletzung des „goldenen Privilegiums"durch den König berechtigte den Adel zu bewaffnetem Widerstand.

§. 299. Als mit König Andreas III. das arpadische Königsge- i8vi.schlecht ausstarb, wurde Ungarn ein Wahlreich. Da kam Ludwig der Größe Ludwigaus dem zu Neapel regierenden Hause Anjon (ß. 291) auf den Thron. Unter^L"^diesem ausgezeichneten König erlangte Ungarn den Höhepunkt seiner äußern iEMacht und innern Blüte. Er erwarb die Krone von Polen, dehnte UngarnsGrenze an der Niederdonau aus und machte die Venetianer zinspflichtig.

Die Hügel um Tokai wurden mit Reben bepflanzt, die Gesetzgebung erhieltVerbesserungen, die Bürger und Bauern wurden gegen Druck und Willkürsicher gestellt; Bildungsanstalten traten ins Leben. Nach dem Tode Ludwigsder viele Kriege in Italien führte, traten lange und heftige Thronkämpfe ein,

Weber, !l. Weltgeschichte. 14