8. 304. 305. 306.
213
Mongolen und Türken.
reitetm (Z. 195). Nachdem der letzte Khalife mit 200000 Moslemen gefallen,drangen die Mongolen nach Syrien vor, zerstörten das prächtige Haleb(Aleppo) und Damaskus, vernichteten die christliche und arabische Kulturin dem heiligen Lande. Nach einigen Menschenaltern zerfiel das Mongolen-reich in mehrere unabhängige Staaten. Aber noch über zwei Jahrhundertetrugen die Russen das Joch der „goldenen Horde" im Osten der Wolga, undUngarn und Polen erholten sich nur langsam von der Verwüstung.
' ß. 304. Von den Mongolen gedrängt, verließen gegen Ende des 13. Jahr-hunderts die Osmancn ihre bisherigen Wohnsitze in den Ostgegenden deskaspischen Meeres und drangen nach Kleinasien vor. Es waren streitbare No-maden mohammedanischen Glaubens, die von Priestern (Derwischen)zum Kampf gegen die Christen angefeuert wurden. Osman drang nach Bi-thynien vor, erhob Prusa (Bursa) zu seinem Herrschersitz und behaupteteseine Eroberungen gegen die schlaffen Griechen und ihre abendländischenSöldner. Seine Nachfolger verbesserten das Kriegswesen, indem sie aus denschönsten und kräftigsten Jünglingen, die sie bei den besiegten christlichenVölkern aushoben und zum Islam bekehrten, durch kriegerische Erziehung einstreitbares Fußvolk, die Janitscharcn, bildeten. Nachdem Murad I. ganzKleinasien unter seine Herrschaft gebracht, setzte er nach Europa über und iss».unterwarf in einigen Feldzügen alles Land vom Hellespont bis zum Hämus.Adrianopel wurde eingenommen, mit glänzenden Moscheen geschmücktund zu Murads Herrschersitz erkoren. Sein Sohn, der thatkräftige, aber ge-waltthätige Bajazeth, setzte den Siegeslauf seiner Vorgänger mit solchemErfolg fort, daß man ihn oen „Wetterstrahl" nannte. Er eroberte Mace- ii»r.donien und Thessalien, drang durch die Thermopylen nach dem ver-ödeten Hellas und Peloponnes, erstürmte Argos und ließ seine raschenReiter die Südspitze des alten Lakoniens durchstreifen. Da waffnete endlichdas Abendland Wider den furchtbaren Feind. Sigmund von Ungarn, Jo-hann von Burgund, die Blüte der französischen Ritterschaft, viele deutscheund böhmische Edle zogen, über 100000 Mann stark, an die untere Donau.
Aber in der mörderischen Schlacht von Nikopöli erlitten die Christen, trotzihrer Tapferkeit, eine schwere Niederlage. Viele Grafen und Ritter gerieten indie Gewalt der Türken und erlangten die Freiheit nur durch ein großes Löse-geld; 10 000 Gefangene niederen Ranges ließ Bajazeth niederstoßen.
H. 305. Der Siegeslauf des Gewaltigen wurde gehemmt durch einenFeind, der auf größern und Mutigern Pfaden einherschritt als er. DieserFeind war der Mongolenbeherrscher Timur der Lahme (Timurlang, Tamer-lan), ein Nachkomme Dschengis-Chans, dessen verfallenes Reich er wiederaufzurichten beschloß. An der Spitze streitbarer Hirtenscharen verließ er seinenHerrschersitz Samarkand, um alle Völker von Chinas Mauer bis zum Mittel-Meer zu unterwerfen. Nachdem er Indien und Persien siegreich durchzogen,Bagdad und Damaskus zerstört und Syrien den Mameluken entrissen,füllte er Kleinasien mit Verwüstung und Entsetzen. Rauch, Trümmer undLeichenhügel bezeichneten seinen Siegeslauf. Schädelstätten mit grinsendenTotenköpfen waren seine Trophäen. Da ließ Bajazeth ab von der BelagerungKonstantinopels und zog dem Welteroberer entgegen. Bei Angöra (Ancyra)tvurde eine furchtbare Schlacht geliefert, die trotz der Kriegskunst und Tapfer- rtvr.keil der Türken sich zu gunsten der Mongolen entschied. Bajazeth geriet inGefangenschaft und starb im nächsten Jahr vor Kummer. Timurs WeltreichZerfiel eben so schnell, als eS entstanden war.
. §.306. Bajazeths Enkel Murad Il.gab dem erschütterten osinanischenMuradii.Reich wieder die alte Stärke und den frühern Umfang in Asien und Europa.
Das byzantinische Kaisertum beschränkte er auf die feste Hauptstadt und einigeumliegende Orte und machte es zinspslichtig. Da beschloß Johann VII. Pa-