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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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221
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8- 312. 313.

Die Vorboten der neuen Zeit.

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schickte Kaiser Karl V. einen weisen besonnenen Priester, Pedro de la Gasca,als Statthalter nach Peru; dieser besiegte die aufrührerischen Scharen, ließden letzten Pizarro am Galgen sterben und ordnete dann den Staat aufs neue.

§. 312. So sehr man den Heldenmut und Unternehmungsgeist bewundern muß,den die Europäer bei Eroberung der neuen Welt an Tag legten, so sehr wird mandie Härte und Gewinnsucht beklagen, die sie zu der grausamsten Mißhandlung derEingebornen trieb. Was dem Schwert, den verheerenden Wirkungen des Schieß-dulvers und den vermehrten Krankheiten entrann, wurde durch anstrengende Arbeitenunbarmherzig aufgerieben. Die Indianer mußten die Pflanzungen bestellen, welchedie Eroberer in deren Eigentum gründeten, sie mußten die Gold - und Silberminengraben, die in ihrem Lande angelegt wurden, und Lasten tragen, denen ihr schwacherKörper nicht gewachsen war. Umsonst predigten wohlmeinende Priester, die alsMissionare den Wilden das Christentum beizubringen suchten, Milde und Mensch-lichkeit, indem sie aus die gemeinsame Abstammung und Erlösung aller Menschenhinwiesen der Eigennutz verstockte die Herzen der Europäer und machte sie taubgegen die Lehren des Evangeliums; und als endlich der edle Priester Las Casas diestärkern afrikanischen Neger zu den anstrengenden Arbeiten der Pflanzer empfahl,um das Los der Indianer zu erleichtern, gab dies Veranlassung zu dem grausamenSklavenhandel, der eine Plage für die schwarze Bevölkerung wurde, ohne jedochden allmählichen Untergang der kupferfarbigen Rasse zu hindern. Die Entdeckungder neuen Welt mit der Einführung fremdländischer Erzeugnisse aus Amerika undOstasien war für die Sitten und die Lebensweise der Europäer von den größten Folgen.Sind nicht die Kolonialwaren, Kaffee, Zucker, Tabak u. dergl., die seitdem herrschendwurden, wenn gleich das Zuckerrohr und die Kaffeepflanze erst von den Europäemeingeführt worden sind, ein unentbehrliches Bedürfnis? Bilden nicht die Kartof-feln, die uns von Amerika zukamen, den wichtigsten Nahrungsstoff des Volkes?Ist nicht die europäische Industrie durch so manche kostbare Produkte, wie Färbe-stoffe (Cochenille), Baumwolle, seine Holzarten u. a. gefördert worden? WelchenEinfluß hat nicht die Vermehrung der edeln Metalle, die Perus und MexicosMinen lieferten, auf alle Lebensverhältnisse und auf den Wert der Güter geübt!Die Naturwissenschaften und die Erdkunde wurden so sehr bereichert, daß sieseitdem eine ganz neue Gestalt erhielten. Auch der Handel nahm eine andere Rich-tung: Wie bisher die italienischen Handelsstädte, so wurden jetzt die westlichenStaaten Portugal, Spanien, die Niederlande und etwas später England derMittelpunkt des Verkehrs und der Sitz des Reichtums. Da aber die beiden erstengleich von Anfang den Handel in Fesseln schlugen und andere Nationen von ihrenKolonieen ausschlössen, so war die Blüte nur vorübergehend.

8. Das Wiederaufleben der Künste vnd Wissenschaften.

§. 313. Im 15. Jahrhundert war Italien der Mittelpunkt der abendlän-dischen Bildung; viele glänzende Höfe und reiche Städte wetteiferten um den Ruhm,Beförderer der Künste und Wissenschaften zu sein. Die Mediceer in Florenz(. 288, 289) und mehrere Päpste ließen Manuskripte aufkaufen, gründetenBibliotheken und Akademieen; die Buchdruckereien, die bald allenthalbenEntstanden, kamen ihrem Streben fördernd zu Hilfe. Anfangs befaßte man sich aus-schließlich mit lateinischer Sprache und Litteratur; als sich aber nach der Erobe-rung Konstantinopels durch die Türken viele byzantinische Gelehrte nach Jta-lien flüchteten, kam auch das Griechische in Ausnahme. Wörterbücher und Gram-Watiken wurden bearbeitet; Erklärungen und Übersetzungen erleichterten das Ver-ständnis der alten Schriftsteller; ein klassisches Latein war das Kennzeichen derGebildeten. Die nächste Folge des Aufblühens der klassischen Studien war dieGründung neuer Bildungsanstalten, zunächst in Italien und dann in den übri-

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