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Die neue Zeit. 8- 363-
vorteilhaft. Sie erlangten Duldung. Ergrimmt über dieses Zugeständnis,schloß der Herzog von Guise mit einigen andern mächtigen Edelleuten einenBund zur Erhaltung des alten Glaubens in Frankreich und begab sich nachParis zurück. Auf dieser Rückreise wurde von den Guisen und ihrem Gefolgean den in einer Scheune zum Gottesdienst versammelten Calvinisten des»ssr. Städtchens Vassy ein schreckliches Blutbad angerichtet, welches das Signal zuden Religionskriegen gab. Die Verletzung der gestatteten Glaubensfreiheitdurch diese blutige Gewaltthat schrie um Rache. Bald war ganz Frankreichin zwei feindliche Heerlager geteilt, die einander mit heftiger Erbitterung undwilder Religionswut bekämpften. Schaudervolle Greuelthaten wurden be-gangen und das Reich in seinen innersten Fugen erschüttert. Die Katholikenerlangten römische und spanische Hilfe, die Protestanten wurden von Englandunterstützt, Deutschland und die Schweiz gaben Söldner. Nach der unent-schiedenen Schlacht von Dreux und nach der Ermordung des Herzogs Franz»sss. von Guise bei der Belagerung von Orleans trat ein kurzer Friede ein, derden Calvinisten aufs neue Religionsduldung zusicherte, aber wenig Beachtungfand. Bald standen die Parteien abermals bewaffnet einander gegenüber;»ssi. Mein trotz der Tapferkeit der Hugenotten in der Schlacht von St. Denis,wo der alte Montmorenci, der Anführer des katholischen Heeres, fiel, bliebdas Übergewicht doch auf Seiten der Katholiken, namentlich seitdem Katha-rina von Medicis, welche bisher zwischen beiden Parteien geschwankt hatte,entschieden aus die altgläubige Seite getreten war. Der Anblick der zerstörtenKruzifixe und heiligen Gegenstände auf einer von der Königin und ihrem Sohneunternommenen Reise und der Rat des Herzogs von Alba, mit dem beide inBayonne eine Zusammenkunft hielten, hatten diese Sinnesänderung bewirkt.Nach mehreren blutigen Treffen in der Gegend von La Roch elle, welches dieReformierten als Löaffenplatz erkoren, und nachdem in einem derselben dertapfere Hugenottenführer Condö meuchlings ermordet worden, kam dern7v. Friede von St. Germain zustande, worin den Calvinisten aufs neue freieRÄigionsübunA zugesichert ward. Condäs Neffe, Heinrich von Bourbon,welcher von ferner Mutter Johanna v. Albret in Calvins Lehre erzogenworden war und das Ländchen B6arn in den Pyrenäen beherrschte, zugleichaber auch den Titel eines Königs von Navarra führte, trat nunmehr an dieSpitze der Hugenotten; die Seele des Ganzen warjedoch der tapfere Coligni,der dem Prinzen als Führer und Ratgeber zur Seite stand.
tz. 363. Seit dem Frieden galt Coligni viel bei Hof. Der junge KönigKarl IX. ehrte ihn und schenkte ihm sein Vertrauen. Er überlegte alle Gründefür einen Krieg mit Spanien, wozu der Admiral riet; und um die Religions-parteien dauernd zu versöhnen, betrieb er nunmehr die Vermählung seinerSchwester Margaretha von Valois mit dem Bourbon Heinrich vonNavarra und Böarn, dem Haupte der Hugenotten. Dies verdroß dieGuisen, welche glaubten, daß Coligni die Ermordung des Franz von Guisevor Orleans bewirkt habe, und sie beschlossen sein Verderben. Als derselbeeines Abends vom Louvre nach Hause ging, wurde nach ihm geschossen. Aberdie Kugel zerschmetterte nur seinen Arm, und man mußte einen neuen Mord-plan ersinnen. Jetzt verbanden sich die Guisen mit Katharina von Medicisund ihrem dritten Sohne Heinrich von Anjou zu dem schrecklichen Anschlag/die bevorstehende Vermählung, zu deren Feier viele vornehme Calvinisten nachder Hauptstadt geeilt waren, zum Verderben der Hugenottenhäupter zu be-nutzen. Die Königin - Mutter, welche von einem Krieg mit Spanien Gefahrfür Frankreich und die katholische Kirche fürchtete und den Admiral haßte,»72. ging auf den schrecklichen Plan ein. So entstand die Pariser Bluthochze"