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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Zeitalter Philipps II. und Elisabeths.

^ der Bartholomäusnacht, am 24. August 1572. Als um Mitternacht die^surmglocke von St. Germain l'Auxerrois das Signal gab.

äete Mörderbanden über die wehrlosen Calvinisten her.

stürzten bcwaff-Coligni, der graue

Held, war das erste Opser, das die Guisen ihrem Hasse brachten; dann durchstreiften die Mörderscharen alle Teile der Stadt, füllten Häuser und StraßenWit Blut und Leichen, höhnten Gefühl, Menschlichkeit und Gesetz. DreiTage dauerte die Schlächterei, die in mehreren Städten nachgeahmt ward undwich der geringsten Berechnung 25 000 Hugenotten ins Grab stürzte. DerKönig, dem man den Plan kurz vor der Ausführung mitteilte, folgte dem Triebewr Leidenschaft und schoß selbst von einem Balköne des Louvre herab auf diefliehenden. Als nach geschehener That die Guisen von der öffentlichen Stimmeals Urheber bezeichnet und zur Verantwortung gefordert wurden, nahm Karlöfe ganze Sache auf sich und rechtfertigte die Greuel mit einer erdichtetenVerschwörung. Entsetzt verließen viele Franzosen die Heimat und fuchtenSchutz in der Schweiz, in Deutschland, in den Niederlanden. Heinrich vonVourbon rettete sein Leben nur durch eine gezwungene Abschwörung. Abersobald er in Sicherheit war, kehrte er zu dem früheren Glauben zurück.

§. 364. Zwei Jahre nach der Bartholomäusnacht starb Karl IX., ge- Zo-M-nängstigt von schweren Träumen. Sein Bruder Heinrich, seit einem Jahre * '

Wahlkönig von Polen, entfloh heimlich aus dem rauhen Weichsellande, umFrankreichs schönere Krone in Besitz zu nehmen. Heinrich III. war ein weich-«cher, genußsüchtiger Fürst ohne Ernst und Thatkraft. Mit seinen Lieblingen i-»«-Und Schoßhunden in die inneren Räume des Palastes eingeschlossen, vergaß erdas Reich mit seinen Stürmen und Wehen, und wenn dre Angst ihn beschlichüber sein sündhaftes, in Lüsten und Schwelgerei verbrachtes Leben, suchte er Trostw abergläubischer Andacht, in Pilgerfahrten und Prozessionen, in WüstungenUnd Geißelungen. Um sich ungestörter den Genüssen der Hauptstadt hingeben!U können, gewährte er gleich nach seiner Ankunft den Reformierten Reli-gronsfreiheit und Rechtsgleichheit mit den Katholiken, um sie zum Frie-den zu bringen. Empört über diese Zugeständnisse, welche die Früchte allerdlsherigen Anstrengungen vernichteten, schloffen dre eifrigen Katholiken unterder Leitung Heinrichs'von Guise und im Einvernehmen mit Philipp II. vonSpanien die heilige Ligue zur Erhaltung der Kirche in ihren alten Rechten.

Durch die Einflüsterungen der Priester und Mönche und durch die Ränke derJesuiten wurden dem Bunde viele Glieder gewonnen. Besorgt über die Auf-regung, näherte sich der wankelmütige, treuloseKönig den katholischen Eiferern,Märte sich zum Haupt der Ligue und beschränkte den Religionsfrieden. Einigefahre nachher starb der nach Heinrichs III. Thronbesteigung zum Herzogoon Anjou erhobene jüngste Bruder des Königs, und da sowohl er als derKönig selbst kinderlos waren, so wurde der Bourbon Heinrich von NavarrasBsarn) der nächste Thronerbe. Die Aussicht auf einen protestantischen Königschreckte das katholische Frankreich und verlieh der Ligue neue Kraft. Derschwache König mußte alle Verträge mit den Hugenotten widerrufen, die Aus-rottung der Ketzern verkünden und die Anordnungen des Bundes gutheißen.Anfangs hatte Heinrich von Guise nur den Zweck, den protestantischen, vonAm Papste gebannten Thronfolger zu beseitigen; aber mit der zunehmendenMacht wuchs seine Kühnheit; bald strebte er selbst nach dem Thron, indem er... angeblicher Abkömmling der Karolinger nähere Ansprüche als dieAgierende Familie zu haben behauptete. In Paris, wo die Bürgerschaft durchwnatische Volksredner in beständiger Aufregung gehalten wurde, bildete sichftac Verschwörung gegen dre Frerheit oder das Leben des Königs, und alsHeinrich III. sich durch Herbeiziehung von Schweizertruppen zu schützen suchte.

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