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Die neue Zeit.
H. 365.
steigerte sich die Aufregung zu einem Aufstand. Das Volk scharte sich um den12 . Mai trotz des Königs Verbot m die Hauptstadt einziehenden Herzog von Guise,is88. Straßen und Brücken durch Barrikaden ab und begann einen heftigenKampf mit einzelnen Truppenabteilungen. Zitternd entfloh der König mitseinen Günstlingen nach Chartres und überließ die Hauptstadt seinem Gegner.Heinrich von Guise besaß nunmehr dieselbe Macht wie zur Zeit der Mero-vinger der Majordomus (Z. 184). Aber selbst diese Stellung genügte demSAtbr. ehrsüchtigen Parteiführer nicht. Ein nach Blois berufener Reichstag, wodie Anhänger der Guisen das Übergewicht hatten, ging nicht nur damit um,die Bourbons ihres Thronrechts zu berauben und den Calvinismus zu ver-tilgen , sondern auch die Regierung zu ändern und den Guisen alle Macht indie Hände zu spielen. Da wagte König Heinrich III. einen kühnen Schritt. ,Erließ den Herzog von Guise und dessen Bruder, den Cardinal Ludwig'ermorden uno die einflußreichsten Häupter ihrer Partei verhaften. Die Angst^äN.^über die Folgen dieser That beschleunigte den Tod der kranken Katharina
von Medicis, auf deren schuldiges Haupt alles Elend dieser verhängnisvollen ^
Zeit zurückfällt. Die Ermordung der Guisen brachte eine furchtbare Anst >
regung im ganzen Reich hervor; m Paris wurde dem gottvergessenen König,der die Säulen des Katholizismus gefällt, der Gehorsam gekündigt; der Papstschleuderte den Bannstrahl über ihn; an verschiedenen Orten entstanden revo-lutionäre Regierungen. Verlassen und geschmäht sah Heinrich III. keinenandern Weg der Rettung als einen Bund mit Heinrich von Navarra undden Hugenotten. Em furchtbarer Bürgerkrieg entbrannte aufs neue, aberdas Glück war der Ligue entgegen. Schon belagerte Heinrich Paris und >
drohte die treulose Stadt in einen Trümmerhaufen zu verwandeln, als das !
Messer eines fanatischen Mönchs seinem Leben ein gewaltsames Ziel setzte. '
Heinrich III., der letzte Valois, starb am 1. August 1589 von Mörderhand,nachdem er Heinrich von Navarra und Bsarn zu seinem Nachfolgerbestimmt.
HUnrich ß. 365. Heinrich IV. hatte noch einen langen Kamps zu bestehen, ehei88s- Frankreichs Krone sein Haupt schmückte. Mayenne, der Bruder des ermor-1610 . hbtm Guise, ein ehrgeiziger, entschlossener Mann, trat an die Spitze der Ligueund leistete dem calvinischen Thronerben heftigen Widerstand. Philipp II. suchtedie Verwirrung zu seinem Vorteile zu benutzen und ließ seinen kriegskundigenFeldherrn Alexander von Parma mit Heeresmacht aus den Niederlanden inFrankreich einrücken. Lange versuchte Heinrich mit dem Schwert sein Erbe zui8so. erringen; nach der siegreichen Schlacht bei Jvry belagerte er Paris undließ die Bürgerschaft alle Schrecknisse des Hungers empfinden. Zuletzt über-zeugte er sich aber, oaß er durch Schlachten und Siege nie zum ruhigen Besitzdes französischen Thrones gelangen könnte. Er hielt Frankreichs Krone einer189 ». Messe wert, trat in der Kathedrale von St. Dems zur katholischen Kircheüber und brach dadurch die Kraft der Ligue. Paris öffnete nun seine Thoreund empfing den Friedensbringer mit Jubel. Der Papst löste den Bann; dieHäupter der Ligue schlössen Verträge mit dem König und Philipp II. willigte1898. kurz vor seinem Tod in den Frieden von Vervins. Nachdem so FrankreichsRuhe nach innen und außen hergestellt war, erteilte der König den Calvi-is, April nisten durch das Edikt von Nantes Religionsfreiheit, vollkommenesStaatsbürgerrecht und mancherlei andere Vergünstigungen, alsgeteilteKammern bei den Gerichtshöfen, mehrere Festungen mit allen Kriegs-vorräten (La Rochelle, Montauban, Nimes u. a.), und Befreiung von oerbischöflichen Gerichtsbarkeit. Dann suchte er die Wunden, die der Krieg deinLande geschlagen, zu heilen, indem er Ackerbau, Gewerbthätiqkeit, Handel