Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
262
JPEG-Download
 

262

Die neue Zeit.

8. An-

gelangte jede Kunstgattung zu größerer Vollendung. Insbesondere blühte die Ma-lerei, welche in Italien sich zur idealen Schönheit gestaltete. In Florenz wirktem,ge:° Michelangelo Buonarotti, dessen Seele sich dem Kühnen und Kräftigen zu-*i5«7 wandte, als Meister in allen Künsten. In Rom hat dergöttliche" Rafael dieRafa-l Malerkunst zu einer Höhe der formalen Schönheit und des,edlen Ausdrucks erhoben,VsA». daß seitdem niemand ihm gleich gekommen ist, sowohl in Ölgemälden, wie diesix-tinische Madonna" unddie Verklärung", als in den großen Wandgemäldenal Fresko im Vatikan, den Loggien und Stanzen. Zu gleicher Zeit gründete insMan Venedig Tizian eine Schule, die großartige Bilder in herrlichem Farbenschmuckins. anfertigte, und in Ober-Italien hat Leonardo da Vinci zu Mailand in dem be-^Vinci" rühmtenAbendmahl" eine wunderbare Gewandtheit in Gestaltung, und CorreggioDnMggi» w Parma eine tiefe Erfassung des Seelenlebens an den Tag gelegt. Auch die Ton--I- iH. kunst empfing durch den Schöpfergeist Palestrinas einen mächtigen AufschwungdAAsf"" zum Edlen und Gedankenreichen. Neben Italien blühten die Künste besonders inRubens Deutschland und in den Niederlanden. In Flandern und Brabant entlehnten1577- die Maler, wie Paul Rubens und sein Schüler van Dyck, von den ItalienernRM-' Farbenpracht und Schwung, indes die holländischen, wie Rembrandt u. a., sichwehr an die Darstellung der Wirklichkeit hielten. In den Niederlanden kam auchis64. die sog. Genremalerei, welche die Zustände des gemeinen Lebens mit keckem Pinseldarstellt, zu hoher Blüte (Teniers). Hat die italienische Malerei das Ideale zurs Ausbildung gebracht, die niederländische die reale Wirklichkeit zur vollendeten Darstel-Aw.Diirer lung geführt, so steht die deutsche Schule, die mit richtiger Auffassung der Natur undisL8. scharfer Charakterzeichnung eine gemütliche, in sich gesammelte Stimmung verbindet, inL.Cranach ^ Mitte. Die Gemälde von Hans Holbein, von Albrecht Dürer aus dem kunst-1553. finnigen Nürnberg und von Lucas Cranach aus Sachsen sind noch jetzt die Zierden^s,8- der deutschen Bildergalerieen. In Spanien hatMurillo in vielen lebensvollenBildernOrlando Sehende Begeisterung mit Schönheit der Form und des Kolorits Verbunden. In derLasst, ° Tonkunst war Örland o Lasso, in den Niederlanden geboren, in München als Kapell-* 1595 ? meisterangestellt, ein würdigerMitbewerberPalestrinas um denPreis derMeisterschaft.

III. Das siebzehnte Jahrhundert.

1. Der dreißigjährige Lrieg (16181648).

«) Böhmen. Pfalz. Niederdeutschland. Lilly. Wallensteins Anfang.

§. 371. Während Philipps II. finsterer Fanatismus den Westen Euro-pas in blutige Religionskriege stürzte, ruhten in Deutschland unter der mildenE 155 «- Regierung Ferdinands I. und Maximilians II. die Waffen. Mit gerechtem»»««- und unparteiischem Sinn hielten beide Fürsten den Religionsfrieden aufrechtl-M ir (8. 338). Die Störung dieses friedlichen Zustandes in Thüringen durch die so-genanntenGrumbachischen Händel", als der Herzog von Sachsen-Gothaden mit der Acht belegten Raubritter Wilh. von Grumbach bei sich aufnahm,war von vorübergehender Dauer. Ein Reichsheer besetzte das Land, woraufis«7. Grumbach und der herzogliche Kanzler Brück gefangen und hingerichtet wurden,der Herzog selbst aber seine Unvorsichtigkeit mit ewiger Haft in Steyermarkbüßte. Bald trat jedoch eine Änderung ein. Als nach dem frühen Hinscheiden«udolfn. Maximilians II. sein in Spanien erzogener SohnRudolfll. an die RegierungIsis. kam, entstanden Klagen über Rechtsverletzung und Beschränkung der Glau-bensfreiheit. Rudolf, ein der katholischen Kirche eifrig ergebener, mit geringenHerrschergaben ausgerüsteter Fürst, vernachlässigte über seinen astronomischenStudien, Gemälden und Altertümern die Staatsgeschäfte und vertraute denRatschlägen der Jesuiten, die mit geschäftiger Hand den Samen religiöserZwietracht ausstreuten, und sowohl im deutschen Reich als in den öster-reichischen Erbstaaten Hader, Parteiung und Verwirrung hervorriefen. Als