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Die englische Thronumwälzung.
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Geständnisse ihren Frieden mit ihm zu machen. Allein Karl, auf auswärtigeHilfe vertrauend, benahm sich zweideutig und falsch und stieß dadurch die letzteGelegenheit einer friedlichen Lösung von sich. Jetzt beschloß Cromwell dessenUntergang. Seiner geheimen Weisung zufolge bemächtigte sich die Armee desKönigs und brachte ihn auf ein einsames Felsenschloß an der Meeresküste. Dannumstellte der Oberst Pride das Parlamentshaus mit feinen Truppen und ließeinundachtzig presbyrerianische Mitglieder gewaltsam wegführen. Nach dieserunter dem Namen Prides Reinigung (Purganz) bekannten That bezogCromwell die königlichen Gemächer in Whitehall; denn jetzt war er Herr undGebieter, und das aus Jndependenten bestehende sogenannte Rumpfparlamentnur ein willenloses Werkzeug in seiner Hand. Es wurde beschlossen, den ge-fangenen König vor einem außerordentlichen Gerichtshöfe des Verrats anzu-klagen, weil er Krieg gegen das Parlament geführt. Viermal wurde „KarlStuart" gerichtlich verhört und endlich als Verräter, Mörder und Landesfeindzum Tode verurteilt. Drei Tage gestattete man ihm noch zur Vorbereitungund zum Abschied von seinen Kindern. Dann führte man ihn auf das amSchlosse Whitehall aufgeschlagene, schwarz bedeckte Schaffst, wo zwei ver-mummte Scharfrichter die Hinrichtung vollzogen. Schweigend sah die unzähl-bare Volksmenge dem entsetzlichen Schauspiele zu. Erst als der Scharfrichterdas bluttriefende Haupt bei den Haaren faßte und ausrief: „das ist derKopf eines Verräters!" machte das versammelte Volk dem gepreßten Her-zen durch ein dumpfes Stöhnen Luft.
d) Oliver Cromwell (164S-16S8).
tz. 394. Die Nachricht von des Königs Tod erzeugte in Schottland undIrland eine furchtbare Aufregung. Dort wurde der in Holland weilendePrinz von Wales herbeigerufen und als Karl II. anerkannt, mußte aberzuvor den Covenant unterzeichnen und der presbyterianischen Kirche beitreten.Auch Irland erkannte den neuen König an und griff zu den Waffen. Da zogCromwell, nachdem er in England eine republikanische Regierung ange-ordnet, bei welcher Milton, der später erblindete Dichter des „verlorenenParadieses", eine Stelle bekleidete, gegen die ungehorsame Insel. Sein Wegging über Blut und Leichen zum Sieg; und als er selbst das Land verließ,um sein Schwert nach Schottland zu tragen, schritten andere republikanischeFührer auf seiner Bahn fort. In drei Jahren war der drohende AufstandAstrckt, aber Irland war ein entvölkertes, von rechtlosen Bettlern bewohntesLand, wo die Blutrache ihren schrecklichen Sitz aufschlug. — Auch in Schott-land waren die Waffen der Republikaner siegreich. Das schottische Heer hatteAne feste Stellung bezogen, wo ihm Cromwell nicht beikommen konnte. Hungerund Krankheit mmderte bald die Zahl seiner Streiter, so daß er schon an einenMkzug dachte. Da beredeten die im schottischen Heere anwesenden Prediger,oenen das muntere Kriegsleben und die heitere Lebenslust des Königs und«eurer Umgebung anstößig war, den Heerführer zum Angriff. Als Cromwellme Bewegung der presbyterianischen Armee erschaute, rief er aus: „Sie kom-men hernieder, der Herr hat sie in unsere Hände gegeben." Die Schlacht ^von Dunbar entschied gegen die Schotten. Cromwell eroberte Edin-Mwg und drang, in das Herz des Landes ein. Der Herr der Heerscharen,mr von den Presbyterianern wie von den Jndependenten mit Fasten undEeten und inbrünstigem Lippendienst angerufen ward, war mit den Kühnenund Starken. Plötzlich schrrtt Karl zu einem gewagten Unternehmen. ErAukte mit seinen Truppen über die englische Grenze und rief die Anhänger desKönigtums zu seinem Beistande auf. Aber nur wenige schloffen sich ihm an.
I«so.
1651 -.