s. Sept.
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Oktober
1SSI.
April
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Dezember
». Sept-I«S8.
278 Die neue Zeit. 8- 395. 396.
So kam es, daß am Jahrestag der Schlacht von Dunbar das königliche Heerbei Worcester eine gänzliche Niederlage erlitt. Diese Schlacht machte Karlzu einem heimatlosen Flüchtling, auf dessen Fahndung das Parlament einenhohen Preis setzte. Unter tausend Gefahren uns Abenteuern entkam er ver-kleidet nach Frankreich. Schottland wurde vom General Monk zur Unter-werfung unter die republikanische Regierung gezwungen, — Mit Hollandgeriet der englische Freistaat ebenfalls in Krieg. In oiesem bewiesen die Re-publikaner, daß sie nicht nur siegreich zu Land, daß sie auch mächtig zur Seeseien. So sehr auch die holländischen Sechelden Tramp und de Ruhterdurch Mut und Gesihicklichkeit sich auszeichneten, Admiral Blake, ein Mannvon altem Republikanersinn und rauher Tugend, und General Monk, imLand- und Seekrieg gleich erfahren, trugen zuletzt den Sieg davon. Die Hol-länder mußten einen schimpflichen Frieden eingehen, indes in England die beidieser Gelegenheit erlassene Schiffahrts- (Navigations-)Akte, wonachAuswärtige nur selbst erzeugte Waren auf eigenen Schiffen nach England brin-gen durften, dem Handel einen neuen Aufschwung auf Kosten der Holländer gab.
§. 395. Während dieser Vorgänge war Cromwell mit dem Unterhausein Zwist geraten, daher beschloß er die Auslösung des langen (Rumpf-)Parlaments. Nachdem er das Haus mit Truppen umstellt, trat er in seinerschwarzen Puritanertracht in den Saal, hielt eine mit Schmähungen ange-füllte Rede und trieb dann die Anwesenden mit Hilfe der eingetretenen Sol-daten hinaus, indem er dem einen zurief: „Du bist ein Trunkenbold!" demandern: „Du bist ein Ehebrecher!" dem dritten: „Du bist ein Gotteslästerer!"Ein Staatsrat unter Cromwells Vorsitz übernahm sodann die Bildungeines neuen Parlaments. Hierzu ließ man in allen Bezirken Listen von gottes-sürchtigen Leuten anfertigen und wählte dann aus den „Heiligen" die Vertreterder drei Reiche aus. Diese Versammlung, nach dem Lederhändler PreisegottBarebone (Totenknochen) spottweise das Barebone-Parlament genannt,gab schon durch die biblischen Vornamen der meisten Mitglieder (Habakuk,Hesckiel, Tötediesünde, Stehfestimglauben u.a.m.) ihre Richtung und religiöseGesinnung kund. Allein Cromwell konnte mit den wunderlichen Leuten dochnicht so leicht fertig werden, wie er gehofft hatte, und da sie mehrere durch-greifende Gesetze einführen wollten, die große Veränderungen zur Folge gehabthätten, so benutzte er die öffentliche Unzufriedenheit zu einer gewaltsamen Auf-lösung ourch Soldaten. Hierauf trat eine neue, vom General Lambert ent-worfene Verfassung ins Leben, wonach ein Parlament von 400 Mitgliederndie gesetzgebende Macht bildete, Cromwell aber als Lord-Prolettor dieausübende Gewalt und den Oberbefehl über die Land- und Seemacht besitzensollte. — Als Protektor regierte Cromwell ruhmvoll und kräftig. SemeHerrschergaben und seine starke Willenskraft erwarben ihm Ehrfurcht undAnsehen nach außen, sein ehrbares Hauswesen und seine sparsame, bürgerlicheLebensweise erweckten Achtung und Vertrauen im innern. Aber wie rühmlicher den Posten, auf den ihn das Schicksal gestellt, ausfüllte, so fand er dochviele Neider und Widersacher, sowohl ber den Republikanern als bei den Roya-listen, die ihm den Abend seines Lebens verbitterten und ihn nie zum ruhigenBesitz der Herrschaft gelangen ließen. Verdüstert durch Argwohn und in steterFurcht vor Nachstellungen starb Cromwell am 3. September, dem Jahrestagseiner Siege bei Dunbar und Worcester, der ihm stets ein Glückstag gewesen.
8- 396. Cromwells schwacher Sohn Richard Cromwell erbte dieWürde eines Lord-Protektors, die er aber nicht zu behaupten wußte. Baldstanden drei Gewalten, der Protektor, das Parlament und die von Monk,Lambert u, a. befehligte Armee einander hadernd entgegen. Die Militär»